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Wir erklären Begriffe der Altenhilfe und des Seniorenwohnens kurz und bündig.

Pflegestufe

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Artikel zul. aktualisiert am 27.07.2015
Quelle: sturti, istock

Pflegestufen sind entscheidend für die Höhe der Leistungen aus der Pflegekasse. Je nach Grad ihrer Pflegebedürftigkeit werden betroffene Menschen in die Pflegestufe 1, Pflegestufe 2, Pflegestufe 3 oder als Härtefall eingestuft. Die Pflegestufe wird bei einem Untersuchungstermins des MDKs (Medizinischer Dienst der Krankenkassen) festgelegt. Auf Wohnen-im-Alter.de erfahren Sie, wie eine Pflegestufe zugeteilt wird und wie viel die Pflegekasse je Pflegestufe bezahlt.

Pflegestufen Themen-Übersicht: 

Pflegestufen: Entscheidend für die Leistung der Pflegekasse

Voraussetzung für eine Pflegestufe ist eine "Pflegebedürftigkeit" im Sinne des Gesetzes. Abhängig vom täglichen Zeitaufwand der Pflege werden Pflegebedürftige in die unterschiedlichen Stufen 1, 2 und 3 eingeordnet. Entsprechend unterschiedlich fällt auch die Höhe der Geld-Leistungen aus. Durch die Ablehnung einer Pflegestufe, entgeht den Pflegebedürftigen dauerhaft die finanzielle Unterstützung, welche diese für die Pflege dringend benötigen. Deshalb ist es besonders wichtig, sich gut auf den Besuch des MDK vorzubereiten und eine neutrale Pflegeberatung in Anspruch zu nehmen. Als Vorbereitung vor dem Besuch des MDKs empfiehlt es sich, ein Pflegetagebuch zu führen. Sollte eine falsche Einstufung erfolgen, gibt es die Möglichkeit des Pflegestufe-Widerspruchs.



Pflegestufe 1: Erhebliche Pflegebedürftigkeit

Erheblicher Pflegebedürftigkeit gilt, wenn mindestens einmal täglich Hilfe bei mindestens zwei Verrichtungen aus einem oder mehreren Bereichen der Grundpflege (z.B. Körperpflege und Ernährung) erforderlich ist und mehrfach in der Woche eine Haushaltshilfe benötigt wird. Auf die Woche gerechnet muss der Zeitaufwand täglich mindestens 90 Minuten betragen, wovon mindestens 45 Minuten auf die Grundpflege entfallen müssen.

Bei Pflegestufe 1 zahlt die Pflegeversicherung seit dem 01.01.2015:

  • Häusliche Pflege: 244 Euro Pflegegeld und maximal 468 Euro Pflegesachleistung im Monat
  • Tagespflege 468 Euro pro Monat
  • Kurzzeitpflege/Verhinderungspflege 1.612 Euro pro Jahr
  • Vollstationäre Pflege: 1.064 Euro pro Monat


Pflegestufe 2: Schwerpflegebedürftigkeit

Schwerpflegebedürftigkeit liegt vor, wenn der Pflegebedürftige mindestens dreimal am Tag zu unterschiedlichen Tageszeiten grundpflegerischer Versorgung und mehrmals in der Woche hauswirtschaftlicher Unterstützung bedarf. Der wöchentliche Zeitaufwand muss im Tagesdurchschnitt bei mindestens drei Stunden liegen, wovon mindestens zwei Stunden auf die Grundpflege entfallen müssen.

Bei Pflegestufe 2 zahlt die Pflegeversicherung seit dem 01.01.2015:

  • Häusliche Pflege: 458 Euro Pflegegeld und maximal 1.144 Euro Pflegesachleistung im Monat
  • Tagespflege 1.114 Euro pro Monat
  • Kurzzeitpflege/Verhinderungspflege 1.612 Euro pro Jahr
  • Vollstationäre Pflege: 1.330 Euro pro Monat


Pflegestufe 3: Schwerstpflegebedürftigkeit

Von Schwerstpflegebedürftigkeit spricht man, wenn die betroffene Person ständiger "Rund-um-die-Uhr"-Pflege bedarf und mehrmals in der Woche auf hauswirtschaftliche Unterstützung angewiesen ist. Der Zeitaufwand muss mindestens fünf Stunden im Tagesdurchschnitt betragen, wovon für die Grundpflege mindestens vier Stunden aufgewendet werden müssen.

Bei Pflegestufe 3 zahlt die Pflegeversicherung seit dem 01.01.2015

  • Häusliche Pflege: 728 Euro Pflegegeld und maximal 1.612 Euro Pflegesachleistung im Monat
  • Tagespflege 1.612 Euro pro Monat
  • Kurzzeitpflege/Verhinderungspflege 1.612 Euro pro Jahr
  • Vollstationäre Pflege: 1.612 Euro pro Monat


Härtefallregelung

Für die Feststellung eines außergewöhnlich hohen Pflegeaufwands in Pflegestufe III und damit des Anspruchs auf höhere Leistungen gelten folgende Voraussetzungen (zusätzlich zur hauswirtschaftlichen Versorgung, die mehrfach in der Woche erforderlich sein muss):

  • die Grundpflege beträgt täglich mindestens sechs Stunden, davon mindestens drei Stunden in der Nacht (bei Pflegebedürftigen in stationären Pflegeeinrichtungen ist auch die dauerhafte medizinische Behandlungspflege zu berücksichtigen) oder
  • die Grundpflege kann nachts nur von mehreren Pflegekräften gemeinsam erbracht werden, wobei es sich nicht nur um professionelle Pflegefachkräfte, sondern auch um mindestens einen Laien (nicht angestellt bei einem Pflegedienst, z. B. einen Angehörigen) handeln muss

Beim Härtefall zahlt die Pflegeversicherung seit dem 01.01.2015:

  • Häusliche Pflege: 1.995 Euro Pflegesachleistung pro Monat
  • Vollstationäre Pflege: 1.995 Euro pro Monat


Pflegestufe 0

Neben den genannten Pflegestufen werden in der Praxis auch die Pflegestufen 0 (k) für "kein" Pflegebedarf und 0 (g) für einen "geringen" Pflegebedarf" verwendet. Gesetzlich existiert die Pflegestufe 0 jedoch nicht. Zur Pflegestufe 0 werden z.B. an demenzerkrankte Menschen gezahlt, die laut Gesetz nicht "pflegebedürftig" sind, aber in ihrer Alltagskompetenz eingeschränkt. Wenn diese "eingeschränkte Alltagskompetenz" vom MDK bescheinigt wurde, hat der Betroffene seit 2008 Anspruch auf bis zu 2.400 Euro im Jahr und erhält seit dem 01. Januar 2013 noch zusätzliche Leistungen aus dem Pflegeneuausrichtungs-Gesetz.

Bei Pflegestufe 0 zahlt die Pflegeversicherung seit dem 01.01.2015:

  • Häusliche Pflege: 123 Euro Pflegegeld und maximal 231 Euro Pflegesachleistung im Monat
  • Tagespflege 231 Euro pro Monat
  • Kurzzeitpflege/Verhinderungspflege 1.612 Euro pro Jahr
  • Vollstationäre Pflege: keine Kosten-Übernahme der Pflegeversicherung bei Pflegestufe 0

Pflegereform 2013: Pflegeneuausrichtungs-Gesetz

Mehr Pflegegeld für Demenzkranke mit der Pflegestufe 0

Seit dem 01. Januar 2013 erhalten Demenzkranke höhere Leistungen von der Pflegeversicherung. Das sieht das Gesetz zur Neuausrichtung der Pflegeversicherung (Pflege-Neuausrichtungsgesetz - PNG) vor. Dafür wurde der Beitrag zur Pflegeversicherung zum 1. Januar 2013 von 1,95 auf 2,05 Prozent (für Kinderlose von 2,2 auf 2,3 Prozent) erhöht. In der Pflegestufe 0 erhalten Demenzkranke zusätzlich 120 Euro im Monat bei Betreuung durch Angehörige und 225 Euro, falls sie einen ambulante Pflegedienste in Anspruch nehmen.

Höhere Leistungen für Demenzpatienten in den Pflegstufen 1 und 2:

Demenzkranke in der Pflegestufe I erhalten mit dem PNG bei Betreuung durch einen Pflegedienst bis zu 665 Euro. In der Pflegestufe II stellt die Pflegekasse bis zu 1.250 Euro bereit. Auch das Pflegegeld bei Pflege durch Angehörige ist gestiegen. In der Pflegestufe 1 gibt es 305 Euro und in der Pflegestufe 2 auf 525 Euro. Für Demenzkranke in stationärer Betreuung gibt es mit dem PNG keine höheren Leistungen.



Mehr Leistung in den Pflegestufen seit 2015

Seit dem 01. Januar 2015 wurden mit dem Pflegestärkungsgesetz 1 die Leistungen der Pflegekasse als Inflationsausgleich um 4 Prozent erhöht. Bei stationärer Pflege in der Pflegestufe I erhalten Heimbewohner 1064 statt 1023 Euro pro Monat. In den Stufen II und III stiegen die Leistungen auf 1330 und 1612 Euro statt bisher 1279 beziehungsweise 1550 Euro. Wer als Härtefall anerkannt ist, erhält 1995 statt 1918 Euro. In der ambulanten Pflege stiegen die Sätze von 450 auf 468 Euro (Stufe I), von 1100 auf 1144 (Stufe II) und von 1550 auf 1612 Euro (Stufe III). Entsprechend erhöhte sich das Pflegegeld für pflegende Angehörige oder Freunde auf 244, 458 und 728 Euro. Künftig wird die Höhe der Pflegeleistungen alle drei Jahre überprüft und gegebenenfalls an die Preisentwicklung angepasst. Die nächste Erhöhung erfolgt somit frühestens 2018.

Erfahren Sie mehr über die neuen Pflegeleistungen und das Pflegestärkungsgesetz 1

 

Neue Pflegestufen ab 2017: Fünf Pflegegrade

Da Pflegebedürftige mit eingeschränkter Alltagskompetenz bisher nur unzureichende Leistungen erhielten, wurde lange eine Reform des Pflegestufen-Systems gefordert. Seit April 2014 wird ein neuer Begriff der Pflegebedürftigkeit und ein neues System der fünf Pflegegrade erprobt. Dieses System soll aber erst ab 2017 greifen. Der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff orientiert sich nicht mehr nach dem zeitlichen Pflegeaufwand. Entscheidender Maßstab soll in Zukunft der Grad der Selbständigkeit sein. Dieser soll durch sechs festgelegte Kriterien, denen jeweils ein fester Punktwert zugeordnet ist, bestimmt werden. Im neuen Begutachtungsassessment (NBA) werden nach Schwere der Beeinträchtigung in den Bereichen der Selbständigkeit Punkte vergeben. Mit ihnen wird dann anhand einer Skala von 0 bis 100 der Pflegegrad ermittelt. Anhand dieser Punkte wird der Pflegebedürftige in eine der fünf Pflegegrade eingeteilt. Dieses neue System wird in Probephasen bis 2015 durchgeführt und evaluiert. Die mögliche Leistungshöhe der fünf Pflegegrade ist noch nicht bekannt. Durch die Umstellung soll niemand schlechter gestellt werden, als vorher. Die Pflegebedürftigen, die bereits eine Pflegestufe haben, werden automatisch und ohne Antrag in einen neuen Pflegegrad eingestuft:

  • Pflegestufe 0 = Pflegegrad 1
  • Pflegestufe 1 = Pflegegrad 2
  • Pflegestufe 1 + Eingeschränkte Alltagskommpetenz = Pflegegrad 3
  • Pflegestufe 2 = Pflegegrad 3
  • Pflegestufe 2 + Eingeschränkte Alltagskommpetenz = Pflegegrad 4
  • Pflegestufe 3 = Pflegegrad 4
  • Pflegestufe 3 + Eingeschränkte Alltagskommpetenz = Pflegegrad 5
  • Härtefall = Pflegegrad 5

Mehr Informationen zu den fünf Pflegegraden

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Author: A.Keller

Quelle: http://www.bmg.bund.de/

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