Betreiberratgeber: Erfolgsfaktoren für ambulant betreute Wohngemeinschaften

Erfolgsfaktor 1: Das richtige Angebot für die richtige Zielgruppe

Auch bei ambulant betreuten Wohngemeinschaften gibt es weder ein „Standardkonzept“ noch eine idealtypische Gestaltung. Der Anbieter, sei es ein ambulanter Pflegedienst oder ein wohnungswirtschaftlicher Anbieter, muss daher zunächst die Frage beantworten, für welche Zielgruppe er welches Wohn-und Betreuungsangebot entwickeln will. Seniorenwohngemeinschaften, die sich auf „aktive Senioren“ fokussieren, sind konzeptionell anders auszulegen, als Demenz - Wohngemeinschaften oder gar Intensiv - Pflegewohngemeinschaften. Hinzu kommt die Frage des örtlichen Bedarfs, die mangels quantitativer Standardvorgaben immer nur individuell abzuschätzen ist. Notwendig ist eine Standortanalyse, die maßgeblich das Konzept und die Marktsituation auch in Bezug auf andere ambulante und / oder teilstationäre Angebote zu berücksichtigen hat. Maßgeblicher Erfolgsfaktor ist ferner die angebotsadäquate Lage der Immobilie.

Erfolgsfaktor 2: Das passende Raum- und Wohnungsangebot

Das Wohnangebot für eine ambulant betreute Wohngemeinschaft muss den Zielen des gemeinschaftlichen Wohnens entsprechen. Planerisch sind größere Wohneinheiten (je nach Personenzahl 200 - 300 qm und größer) vorzusehen, in denen private Wohnbereiche und Flächen für die gemeinschaftliche Nutzung in Gestalt von Wohnzimmern, Wohnküchen und ggfls. Gemeinschaftsbädern platziert sind. Da jede in der Wohngemeinschaft lebende Person in ihrem eigenen Einzel - Zimmer lebt, ist hierfür wenigstens 20 qm vorzusehen. Teilweise beinhalten die Landesheim- und / oder Landespflegegesetze dezidierte Vorgaben. Die Gemeinschaftsflächen (Wohnküche, Wohnzimmer, geschützter Außenbereich) sollten mindestens 50 qm umfassen. In baulicher Hinsicht ist ferner das Vorhandensein von mindestens zwei Bädern (bei sechs bis acht Mietern - Anhalt: ein Bad auf 3 Mieter) sowie eines Freisitzes, optimalerweise ergänzt durch einen Garten, letzteres insbesondere bei Demenz - Wohngemeinschaften, geboten. Ggfls. ist ein Funktionsraum für den Betreuungsdienst einzuplanen. In baulicher Hinsicht muß die Immobilie vor dem Hintergrund der spezifischen Bedarfssituation der MieterInnen barrierefrei errichtet sein. Diese Anforderungen an die Barrierefreiheit sind bei Bestandswohnraum „sinngemäß“ umzusetzen. 


Erfolgsfaktor 3: Das richtige Konzept

Entscheidender Erfolgsfaktor ist unabhängig von den oben erwähnten allgemeinen Aspekten und der Erfüllung der soeben dargestellten baulichen Anforderungen insbesondere die Implementierung eines zielgruppengerechten und marktgängigen Konzepts. Es handelt sich dabei einerseits um das Konzept der Wohngemeinschaft an sich und andererseits das Betreuungs- und Pflegekonzept. Beide Konzepte sind immer individuell auszulegen. Die Betreuung und Pflege muß auf die Individualität der in der Wohngemeinschaft lebenden zugeschnitten sein: sie gestalten und entscheiden, der Pflegedienst ist nur Dienstleister. Es gelten allgemeine Qualitätsanforderungen wie z.B. Vorliegen eines Versorgungsvertrags, Organisation einer festen Teamstruktur, Fähigkeit zur Einbindung der Angehörigen / gesetzlichen Betreuern. Ziele sind die Gewährleistung eines guten körperlichen Status der betreuten MieterInnen sowie die Schaffung von „Wohlbefinden“ und „Lebensfreude“. Bei Intensivpflege- und Beatmungswohngemeinschaften ist der Integration des Umfelds der Patienten besonderes Augenmerk zu widmen.


Erfolgsfaktor 4: Der richtige Betreuungsträger

Grundsätzlich gilt zunächst, dass der Dienstleister im Quartier, in der Gemeinde oder in der Stadt sozial eingebunden sein muß und aufgrund dieser Einbindung auch die ambulant betreute Wohngemeinschaft als Teil des Organismus „Gemeinwesen“ begleiten kann und will. Angesichts der Notwendigkeit, in der Wohngemeinschaft ein Konzept zu realisieren, hat der ambulante Dienstleister zudem sicherzustellen, dass vor dem Hintergrund der Komplexität der Betreuung der in einer Wohngemeinschaft lebenden Menschen auch die entsprechenden Qualitätssicherungs- und Qualitätsmanagementstrukturen gegeben sind. Diese betreffen einerseits die ambulanten Pflegedienstleistungen, andererseits aber auch die spezifischen Dienstleistungen in der Begleitung der Wohngemeinschaft. 


Erfolgsfaktor 5: Das qualifizierte Personal

Das in ambulant betreuten Wohngemeinschaften einzusetzende Personal hat grundsätzlich die Anforderungen an ambulante Pflegekräfte zu erfüllen. Dies gilt auch für die Präsenz von Fachkräften, hauswirtschaftlichen Mitarbeitern und das Vorhandensein von Leitungskräften (Pflegedienstleitungen). Hinzu kommen spezifische Personalanforderungen, die aus dem Charakter der Wohngemeinschaft resultieren. Da es um ein Leben in gemeinsamer Häuslichkeit geht, muss der betreuende Dienstleister auch Personal einsetzen, das diese Funktionen erfüllen kann. Es handelt sich hierbei v.a. um sog. „Conciergen“ oder „Hausmütter“, die die MieterInnen in ihrem Leben begleiten und als Präsenzkräfte anwesend sind, um allgemeine Unterstützungsleistungen und Hilfen im Alltag zu erbringen. Wünschenswert ist die ergänzende Mobilisierung ehrenamtlichen Engagements.


Erfolgsfaktor 6: Die betriebswirtschaftlich richtige Planung

In betriebswirtschaftlicher Hinsicht gibt es zwei große Komplexe, die den wirtschaftlichen Erfolg der Misserfolg einer Wohngemeinschaft beeinflussen können: der eine Komplex ist die Gestaltung der Wohnkosten und der andere Komplex die Gestaltung der Betreuungskosten. Die Kosten für die Wohnraumüberlassung richten sich danach, wie die Wohngemeinschaft ausgelegt ist, in welcher Qualität der Baukörper erstellt wird und vor allem in welcher Lage sich das Gebäude befindet. Zu berücksichtigen ist ferner die die Ausstattung der Gemeinschaftsflächen und von wem und auf wessen Kosten diese erfolgen soll. Zudem ist einzustellen, wer für Auszugs- und Leerstandskosten aufkommen sollen und wie die Frage der Wartung, Instandhaltung und Instandsetzung geregelt werden soll. Die Kosten für die ambulante Pflege ergeben sich bedarfsorientiert ausgerichtet am individuellen Pflegebedarf. Die Kosten der Präsenzkräfte werden häufig über sogenannte Betreuungspauschalen abgerechnet. Die Kalkulation dieser Kosten ist sehr komplex und richtet sich letztlich daran aus, welche konzeptionelle Zielrichtung der Dienstleister verfolgt. Es ist stets eine Einzelfallkonfiguration erforderlich. In diesem Zusammenhang ist auch zu beachten, dass die Begleitung nur einer Wohngemeinschaft vor dem Hintergrund der entstehenden Kosten problematisch ist. Eine betriebswirtschaftliche Optimierung ist zu erreichen, wenn zwei Wohngemeinschaften mit 9 - 12 Mietern örtlich benachbart sind oder sich in der gleichen Liegenschaft befinden. Gleiches gilt etwa in Hinblick auf die räumliche Verbindung mit einer Tagespflegeeinrichtung oder Sozialstation.


Erfolgsfaktor 7: Organisation und Gestaltung der Verträge

Vor dem Hintergrund, dass es sich bei ambulant betreuten Wohngemeinschaften um Wohnformen handelt, in die zwischen Wohnen und stationärem Heimangebot liegen, ist es konzeptionell entscheidend, das Angebot passgenau in den jeweils geltenden ordnungsrechtlichen Rahmen unter Beachtung der leistungsrechtlichen Rahmenbedingungen zu fassen. Ambulante Wohngemeinschaften werden ordnungsrechtlich in allen 16 Bundesländern unterschiedlich behandelt. Je nachdem wie die Struktur ausgestaltet ist, sind es sogenannte selbstverantwortete Wohngemeinschaften, die in aller Regel außerhalb des Heimrechts stehen, oder Einrichtungen, die mit welcher Intensität auch immer gesetzlichen Anforderungen unterliegen. Vor dem Hintergrund der föderalen Zersplitterung ist in jedem Einzelfall die konkrete landesgesetzliche Lage zu prüfen und die entsprechende Gestaltung zu wählen.

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