Wann umziehen im Pflegefall oder Alter?

Auch im Alter Zuhause?

"Einen alten Baum verpflanzt man nicht" ist ein bekanntes Sprichwort, welches die Situation von vielen Menschen gut beschreibt. Umfragen zum Thema "Wohnen im Alter" belegen dieses Sprichwort, denn über 70 Prozent der Deutschen können sich nicht vorstellen, im Alter die gewohnte Umgebung zu verlassen. Dabei spricht vieles dafür, sich einen Wohwechsel rechtzeitig zu überlegen. Neben der Vorsorge für eine spätere Hilfsbedürftigkeit, kann es eine Reihe praktischer Gründe geben, die für einen Wohnwechsel sprechen:

  • Das Leben in einer Haus- oder Wohngemeinschaft ist eine gute Möglichkeit, um im Alter nicht zu vereinsamen, wenn man alleinstehend ist oder durch den Tod des Partners wird.
     
  • Eine große Wohnung oder ein Eigenheim mit Garten können schnell zur Last werden, wenn die eigenen Kräfte schwinden und für die Instandhaltung nicht mehr ausreichen.

  • Der Umzug in eine kleinere und preiswertere Wohnung kann die eigenen finanziellen Spielräume erweitern und die Erfüllung lang gehegter Wünsche ermöglichen.
     
  • Für den Fall, dass einmal mehr Unterstützung benötigt wird, ist rechtzeitig vorgesorgt. Ein weiterer Umzug im Pflegefall ist dann nicht mehr erforderlich.

  • Wenn die gewählte Wohnform wider Erwarten nicht zu den eigenen Bedürfnissen passt, bleibt immer noch genügend Zeit, um sich nach Alternativen umzuschauen.

Pflegefall Zuhause nicht immer die beste Lösung:

Der richtige Zeitpunkt für den Umzug in ein Seniorenheim oder in eine andere Wohnform hängt in erster Linie von den persönlichen Wünschen der pflegebedürftigen Person ab. Die meisten Menschen möchten auch im fortgeschrittenen Alter ihre gewohnte Umgebung nur sehr ungern verlassen. Selbst wenn die Kinder schon lange ausgezogen sind und das Haus eigentlich zu groß ist, bleiben viele lieber in ihrem angestammten Zuhause als sich noch einmal völlig neu zu orientieren. 
Die Folge: In vielen Fällen findet der Umzug erst statt, wenn bereits eine Rundum-Betreuung notwendig ist. Dabei ist es für alle Seiten eine Erleichterung, wenn die Frage nach der richtigen Wohnform im Alter geklärt wurde, bevor der Pflegefall tatsächlich eintritt.

Fester Zeitplan schafft Erleichterung

Wenn die Entscheidung für einen Umzug gefallen ist, sollte die Umsetzung nicht zu lange hinausgezögert werden. Je länger konkrete Schritte auf „später“ verschoben werden, umso schwerer wird es, die eigenen Wünsche zu verwirklichen. Der Wechsel in eine neue Umgebung fällt den meisten Menschen leichter, solange sie noch mobil und offen für neue Kontakte sind. Ein fester Zeitplan und ein konkreter Umzugstermin können in dieser Situation eine erhebliche Erleichterung sein.

Demenz: Wann macht ein Umzug ins Pflegeheim Sinn

Im Falle einer Demenzerkrankung ist die Frage nach dem richtigen Zeitpunkt für einen Umzug besonders schwer zu beantworten. In der Anfangsphase der Krankheit übernehmen meistens die Angehörigen die Pflege. Allerdings kann die aufwändige Betreuung schnell in einer Überforderungssituation enden. Spätestens dann sollte über einen Wohnwechsel des Pflegebedürftigen nachgedacht werden. Wann genau ein Umzug ins Pflegeheim sinnvoll ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab.

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Gründe, die gegen einen Umzug sprechen

Je nach Schweregrad der Erkrankung muss bedacht werden, welche Auswirkungen ein Wohnwechsel auf das Befinden des Demenzkranken haben kann. Grundsätzlich birgt jede größere Veränderung das Risiko eines vorübergehenden oder auch dauerhaften Einbruchs der vorhandenen Fähigkeiten. Wenn die demenzkranke Person bereits auf kleine Abweichungen im Alltag ablehnend und verunsichert reagiert, sollte ein Umzug wohl überlegt und langfristig geplant werden.

Positive Seiten eines Wohnwechsels

Ein frühzeitiger Umzug erhöht die Chancen, dass eine an Demenz erkrankte Person sich schrittweise an das neue Lebensumfeld gewöhnen kann. Solange der Kranke noch aufnahme- und lernfähig ist, werden neue soziale Kontakte und Beziehungen eher als positive Veränderung empfunden. Auch die Integration in eine neue Hausgemeinschaft verläuft zu diesem Zeitpunkt oft wesentlich einfacher. Eine bewusste Auseinandersetzung mit  der neuen Lebenssituation erleichtert die Umstellung erheblich. Auch für die pflegenden Angehörigen ist ein früher Umzug häufig positiv. Sie werden persönlich entlastet und können sich mit neuer Kraft dem Kranken uneingeschränkt zuwenden.

Umzug frühzeitig zur Sprache bringen

Im Pflegefall sollten die Angehörigen möglichst frühzeitig mit den Betroffenen über den Umzug in eine Pflegeeinrichtung sprechen. Je eher das Thema zur Sprache kommt, umso leichter fällt später die Orientierung. Wenn der Kranke selbst noch keine Notwendigkeit für einen Pflegeheimaufenthalt sieht, können die Angehörigen die Frage auch erst einmal nur hypothetisch stellen: „Was wäre, wenn…“. Durch behutsames Herantasten können so Wünsche und Bedürfnisse der pflegebedürftigen Person angesprochen werden. Im besten Fall wird die Entscheidung für einen anstehenden Umzug in ein Pflegeheim von den Demenzkranken und ihren Angehörigen gemeinsam getroffen.

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