Im Alter zu den Kindern ziehen?

Zurück zur Großfamilie?

Mit zunehmendem Alter suchen viele Senioren die Nähe zur Familie, besonders zu ihren Kindern. Die Gründe dafür sind verständlich: Man möchte nicht allein sein, die Enkelkinder aufwachsen sehen, die Lebhaftigkeit eines Familienlebens genießen. Im Fall einer Krankheit möchte man sich behütet und versorgt wissen.

Zudem ist die Lebensform einer Großfamilie nichts Neues und älteren Menschen noch aus der eigenen Kindheit geläufig. Die Idee, dass jeder jeden unterstützt, so gut er kann, ist sinnvoll und kann eine gute Lösung sein, um der Einsamkeit, unter der heute nicht nur etliche Senioren leiden, zu entgehen.

Das Zusammenleben mit den eigenen Kindern und deren Familien kann aber auch zu belastenden Situationen und großen Enttäuschungen führen. Um diese zu vermeiden, sollten Sie sich mit den Wünschen und Bedürfnissen aller Beteiligten auseinandersetzen, bevor Sie eine Entscheidung treffen.

Bedingungen für ein Zusammenleben: Toleranz

Das Zusammenleben in einer Großfamilie funktioniert nur, wenn sich alle Mitglieder gut verstehen. Sollte dies nicht der Fall sein, können Sie sie sich von dem Gedanken, zu Ihren Kindern zu ziehen, gleich wieder verabschieden. Zusammenleben erfordert ein hohes Maß an Toleranz. Jeder muss in der Lage sein, den anderen so zu akzeptieren, wie er ist und ihm die notwendigen Freiräume zugestehen.

Als Senior können Sie nicht erwarten, dass sich das Familienleben ausschließlich um Ihre Bedürfnisse dreht. Ihre Kinder haben ihre Berufe und verfügen nur über ein bestimmtes Maß an Freizeit. Diese Strukturen können nicht immer einfach so geändert werden. Selbst wenn Sie als Großfamilie zusammenleben, sollten Sie ein größtmögliches Maß an Eigenständigkeit bewahren. Dazu gehört zum Beispiel, dass Sie Ihren eigenen Freundeskreis pflegen und Ihre Interessen verfolgen.

Stress: Umzug in eine fremde Umgebung

„Einen alten Baum verpflanzt man nicht“, heißt ein altes Sprichwort. Auch Sie sollten sich überlegen, was Sie aufgeben müssten, wenn Sie zu Ihren Kindern in eine andere Stadt umziehen würden. Wenn Sie einen großen Freundes- und Bekanntenkreis haben, der Ihnen ein stabiles soziales Umfeld bietet, müssten Sie bei einem Umzug auf ein wichtiges Element Ihres Lebens verzichten. Ihre Familie kann Ihren Freundeskreis nicht ersetzen!

Vielleicht müssten Sie auch eine schöne Wohnung aufgeben, die eine optimale Lage zu Geschäften, Ärzten und Verkehrsanbindungen hat. Sicher mögen Sie es schön finden, im Grünen, am Stadtrand oder auf dem Dorf zu wohnen, aber wenn Sie dadurch von Ihren Kindern abhängig werden, weil Sie selbst kein Auto führen oder keine guten Busverbindungen vorhanden sind, kann allein dieser Umstand zu einer Belastung werden.

Wichtig ist auch, dass die Wohnung seniorengerecht ausgestattet ist oder bei Bedarf einfach angepasst werden kann. Besprechen Sie mit Ihren Kindern, ob ihnen dies recht wäre und ob ein Umbau überhaupt möglich wäre.

Kompromiss: Umzug in die Nähe der Kinder

Einfacher wäre ein Umzug zu Ihren Kindern, wenn Sie im gleichen Ort wohnten. So könnten Sie Ihren Freundeskreis leichter beibehalten und müssten sich nur an eine neue Wohnung und Wohnform gewöhnen. Wenn Sie die Stadt wechseln müssten, böte sich ein Umzug in die Nähe Ihrer Kinder an, jedoch in eine eigene Wohnung. So behielte jeder seinen gewohnten Tagesablauf, könnte sich jedoch häufiger oder einfacher zu gemeinsamen Unternehmungen treffen oder sich unterstützen.

Die Familie entlasten bei Pflegebedürftigkeit

Sollten Sie sich für ein gemeinsames Leben mit Ihren Kindern entscheiden, sprechen Sie auch darüber, wie Sie sich Ihre Betreuung vorstellen, falls Sie einmal pflegebedürftig werden sollten. Selbst wenn sich ein Familienmitglied dazu bereit erklärt, eine eventuelle Pflege zu übernehmen, sollten Sie bedenken, dass ein Mensch allein diese Aufgabe nicht bewältigen kann. Schließen Sie daher rechtzeitig eine Pflegezusatzversicherung ab, um Ihre Familie besser entlasten zu können.

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