Zeitaufwand bei der Pflege

Orientierungswerte

Um einen Pflegebedürftigen einer Pflegestufe zuordnen zu können, überprüfen die Gutachter des MDK, wie viel Hilfe die Betroffenen für die einzelnen Verrichtungen benötigen. Da die Pflegenden aufgrund der Erkrankungen der Pflegebedürftigen unterschiedlich viel Zeit benötigen, um sie zum Beispiel zu waschen, und jeder Gutachter aus anderen Erfahrungen heraus Einschätzungen vornimmt, wurden 13 Zeitkorridore mit Orientierungswerten für einzelne Pflegeaktivitäten eingerichtet.

Was ist eine Pflegezeitbemessung?

Eine Pflegezeitbemessung ist der Zeitaufwand, den ein Angehöriger oder eine andere nicht ausgebildete Pflegeperson braucht, um dem Pflegebedürftigen zum Beispiel beim Toilettengang zu helfen. Dabei werden die Zeiten addiert, die für einzelne Schritte gebraucht werden: in den Rollstuhl helfen, zur Toilette fahren, den Pflegebedürftigen auf die Toilette setzen, Wasserlassen oder Stuhlgang, Hosen wieder anziehen, Hände waschen, in den Rollstuhl setzen, zum Pflegebett oder Sitzmöbel fahren und dort hineinhelfen.

Wie führe ich ein Pflegetagebuch?

Schreiben Sie auf, wie viel Pflegezeit Sie brauchen, um Ihrem Angehörigen bei der Körperpflege, Toilettengängen, Ernährung und bei Bewegungen zu helfen. Halten Sie fest, welche pflegerische Aktivität Sie vornehmen und wieviel Hilfeleistung notwendig war. In vorgedruckten Pflegetagebüchern gibt es für Letzteres entsprechende Kästchen, die Sie nur anzukreuzen brauchen. Müssen Sie Ihren Angehörigen zu zweit pflegen, notieren Sie die doppelte Zeit. Medizinische Pflegeverrichtungen, zum Beispiel Wunden versorgen, müssen Sie nicht aufschreiben, weil diese bei der Pflegeeinstufung nicht berücksichtigt werden.

Beispiele für Orientierungswerte in der Pflege

Anhand der folgenden Beispiele bekommen Sie einen Eindruck über Orientierungswerte für einige wichtige Plegeverrichtungen. So sollte die Ankleidung einer Person inklusive Kleiderauswahl und einer eventuellen Prothesenanbringung 8 bis 10 Minuten dauern. Das Entkleiden sollte etwa 4 bis 6 Minuten in Anspruch nehmen. Eine Ganzkörperwaschung dauert 20 bis 25 Minuten, während das Duschen mit 15 bis 20 Minuten etwas schneller geht. Für die Zahnpflege sollten Sie etwa 5 Minuten benötigen, fürs Rasieren 5 bis 10 Minuten und für einen Toilettengang zum Wasserlassen 2 bis 3 Minuten.

Tipps zur richtigen Einstufung

Neben einem sorgfältig geführten Pflegetagebuch können auch ein Bericht des behandelnden Arztes und die Erfahrung des Pflegedienstes mithelfen, bei der Begutachtung ein vollständiges Bild von der Pflegebedürftigkeit des Betroffenen zu vermitteln. Dies ist besonders wichtig, wenn der Pflegebedürftige an Demenz leidet. Zu Beginn der Krankheit haben viele dieser Patienten noch gute Momente, in denen sie fast gesund erscheinen können. Falls Ihr Angehöriger trotz sorgfältiger Dokumentation aller Pflegevorgänge in eine unpassende Pflegestufe kommt, sollten Sie auf jeden Fall Widerspruch einlegen.

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