Glossar - Wohnen-im-Alter.de

Wir erklären Begriffe der Altenhilfe und des Seniorenwohnens kurz und bündig.

Ärztliche Versorgung im Pflegeheim

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In den letzten Jahren wurde hier in Deutschland im öfter über die demographische Entwicklung in den nächsten 20 Jahren gesprochen und die Auswirkungen, die diese Entwicklung für uns haben wird. Das, was die Demographen Bevölkerungspyramide nennen, ist in Deutschland längst keine Pyramide mehr, sondern eher ein ausgefranster Pilz. Unten wächst durch die niedrige Geburtenrate wenig nach und oben fällt durch die immer bessere medizinische Versorgung und die steigende Lebenserwartung immer weniger weg. Die Lebenserwartung ist im letzten Jahrhundert um gut dreißig Jahre gestiegen. Während der Bevölkerungsanteil der unter 20-Jährigen von 1991 bis 2020 weiter von 21,7 auf 17,4 zurückgehen soll, dürfte sich jener der über 60-Jährigen von 20,4 auf 28,6 Prozent vergrößern. Dramatisch verschärfen wird sich dieser Überhang älterer Menschen nach 2020, wenn die letzten geburtenstarken Jahrgänge der 1960er Jahre ins Rentenalter kommen.

Dann wird es zwangsläufig zu einem drastischen Anstieg pflegebedürftiger Menschen kommen, Experten gehen sogar davon aus, dass sich die Anzahl der pflegebedürftigen Personen in Pflegeheimen verdoppeln wird. Das wiederum führt natürlich zu einem massiv erhöhten Bedarf an medizinischer Versorgung in diesen Heimen. Seit der Pflegereform im Jahre 2008 gilt das Motto „ambulant vor stationär“, dass das Ziel hat möglichst viele Pflegebedürftige in ihrem vertrauten Wohnraum hinreichend zu versorgen.

Somit wird auch das Berliner Modell gefördert, dass es bereits seit 1998 gibt, und dem derzeit 34 der 290 vollstationären Pflegeeinrichtungen der Stadt angehören. In diesem bundesweiten Vorzeigeprojekt sind Mediziner direkt im Heim angestellt, oder aber sie sind als niedergelassene Kollegen vertraglich mit ihm verbunden. Und die Erfahrungen belegen, dass die Bewohner seltener in ein Krankenhaus überwiesen werden, weil rund um die Uhr eine medizinische Betreuung gewährleistet ist. Während die Pflegekassen in einem typischen Berliner Heim 2005 im Schnitt 78 Kliniküberweisungen pro 100 Bewohner registrierten, lag diese Quote in dem Projekt bei durchschnittlich 35. Es ist also offensichtlich, dass ein Heimarzt viel besser auf die individuellen Bedürfnisse der Heimbewohner eingehen kann, und somit deren Lebensqualität deutlich erhöhen kann. Allerdings ist die medizinische Versorgung in Pflegeheimen in vielen Teilen Deutschlands noch sehr unzureichend, es gibt nur wenig angestellte Heimärzte und Kooperationsverträge mit niedergelassenen Ärzten. Dabei ist der Heimbesuch eines unbekannten Arztes oft mit Nachteilen für Arzt und Patient behaftet. Durch die niedrige Pauschale, die Ärzte zusätzlich für den Heimbesuch abrechnen dürfen, nehmen viele Ärzte gar keine neuen Pflegeheim-Patienten mehr an, sonder betreuen eben noch diejenigen langjährigen Patienten, die in ein solches Pflegeheim umziehen mussten.

Weiterhin bleibt dem Arzt durch die mangelnde Kenntnis der Krankheitsgeschichte des Patienten oftmals sicherheitshalber nur eine Überweisung des Patienten in die Klinik. So ist zum Beispiel die Ursache für Bauchschmerzen nur schwer zu bestimmen; jedoch hilft die Kenntnis der Vorgeschichte des Patienten dem Arzt entscheidend dabei, die Bauchschmerzen auf eine der ungefährlichen Ursachen zurück zu führen, die in den meisten Fällen dafür verantwortlich sind.

So bleibt den Patienten der beschwerliche Weg in die Klinik erspart. Hinzu kommt, dass die Klinik meist aus mehreren Gründen mit den pflegebedürftigen Patienten überfordert sind. Darüber hinaus ist der Klinikaufenthalt eines pflegebedürftigen Patienten sehr kostenintensiv, sodass sogar die Krankenkassen ein berechtigtes Interesse daran haben, dass immer mehr pflegebedürftigen Patienten in ihrer gewohnten Wohnumgebung medizinisch versorgt werden. Das Modell hat also eigentlich für alle Beteiligten erhebliche Vorteile, wobei vor Allem die Bedürfnisse der Patienten die wichtigste Rolle spielen sollten. Die Patienten sind aber in jedem Fall nicht an den Heimarzt oder den Kooperationsarzt gebunden, sondern können sich weiterhin frei für einen Arzt entscheiden.

Unterstützung bietet dabei zum Beispiel das Gesundheitsportal imedo, dass mit der bundesweiten Arztsuche den Patienten eine Möglichkeit bietet sich vorab über die Kompetenzen und Behandlungsmethoden eines entsprechenden Arztes zu informieren. Zusätzlich helfen die Empfehlungen anderer Patienten dabei, den passenden Arzt für sich zu finden.

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