Checkliste: Testen Sie Ihre Belastung

Die Pflege eines Familienmitglieds kann eine große Herausforderung darstellen, der nicht jeder von Natur aus gewachsen ist. Bevor Sie sich für eine solche Aufgabe entscheiden, überprüfen Sie anhand der folgenden Fragen Ihre Belastbarkeit:

• Habe ich ein gutes Verhältnis zum Pflegebedürftigen?
• Bin ich fit genug, um ihn zu pflegen?
• Kann ich die Körperpflege meines Angehörigen problemlos durchführen?
• Habe ich genug Zeit?
• Bin ich bereit, mein Leben auf den Pflegebedürftigen einzustellen?
• Kann ich den Pflegeaufwand mit meinem Job vereinbaren?


Überlegen Sie, mit welcher Motivation Sie die Pflege übernehmen. Wenn Sie Ihre Eltern oder Ihren Partner nur aus Pflichtgefühl versorgen, kann es schnell zu Spannungen in der Beziehung kommen. Auch Liebe reicht als Motiv nicht aus, wenn Sie ohnehin mehrfach belastet sind und eine weitere Aufgabe Sie unweigerlich erschöpfen würde.

Eine Pflegesituation verändert die Beziehung

Egal wie gut Sie sich mit Ihrem Angehörigen verstehen: Eine Pflegesituation erfordert eine ganz andere Form der Nähe. Die Eltern-Kind-Beziehung kehrt sich plötzlich um, da Sie sich als Kind nun um Ihre Eltern kümmern. In der Partnerschaft können sich die Rollen ebenfalls ändern, da Sie als Pflegender der „Stärkere“ sind. Diese Neubestimmung kann beim Pflegebedürftigen zur Ablehnung Ihrer Person führen. Ihnen würde wiederum die entsprechende Würdigung Ihrer Arbeit fehlen, was die Beziehung zusätzlich belasten könnte.

Chancen und Risiken der Pflege zu Hause 

Andererseits hat die Pflege zu Hause Vorteile für alle Beteiligten. Sie können weiterhin zusammen leben und sich jederzeit austauschen. Der Pflegebedürftige fühlt sich zu Hause geborgener als in einem Pflegeheim und seine Selbstständigkeit kann leichter trainiert werden. Problematisch wird die Pflegesituation, wenn Sie sich als Pflegender überfordern und dies nicht rechtzeitig erkennen. Da oft wenig Zeit für soziale Kontakte bleibt, können Sie zudem schnell in eine Isolation geraten. Fragen Sie sich regelmäßig:

• Fühle ich mich durch die Pflege gestresst?
• Habe ich noch Zeit für mich selbst?
• Habe ich körperliche Beschwerden, seitdem ich die Pflege übernommen habe?
• Fühle ich mich ausgelaugt oder deprimiert?
Spätestens wenn Sie eine der Fragen mit „Ja“ beantworten müssen, sollten Sie sich um eine entsprechende Entlastung kümmern.

Beruf und Pflege organisieren

Als Berufstätiger müssen Sie die Pflege und Betreuung Ihres Angehörigen besonders gut planen, denn es sollen gleich mehrere Aufgaben unter einen Hut gebracht werden. Erste Auskünfte zur Pflegeunterstützung geben Ihnen der Arzt, das Krankenhaus und die Krankenkasse des Betroffenen.

Lassen Sie sich unterstützen

Umfangreiche Informationen und Hilfe bieten zudem die Pflegestützpunkte (Pflegestützpunkte-online.de) vor Ort, die Sie auch telefonisch erreichen können. Ein Pflegedienst kann Sie beraten und zugleich bei der Pflege entlasten. Vom Sozialamt bekommen Sie Auskünfte über mögliche finanzielle Unterstützungen. Selbsthilfegruppen zu entsprechenden Erkrankungen verfügen über einen reichen Erfahrungsschatz und können Ihnen zu vielen Fragen rund um die Pflege Tipps geben.

Ersatz für den Lohnausfall: Pflegeunterstützungsgeld

Manchmal tritt eine Pflegesituation ganz plötzlich ein, sodass Sie vor vollendeten Tatsachen steht. In solchen Fällen können Sie sich bis zu zehn Tage lang ohne vorherige Ankündigung von Ihrem Arbeitgeber freistellen lassen, um die Pflege Ihres erkrankten Familienmitglieds zu organisieren. Als Ersatz für den Lohnausfall bekommen Sie während dieser Zeit von der gesetzlichen Pflegeversicherung Pflegeunterstützungsgeld in Höhe von 67 Prozent Ihres üblichen Bruttolohns, von dem Sie die Hälfte Ihrer Sozialabgaben selbst übernehmen müssen.

Pflegezeit: Freistellung vom Job

Wenn Sie einen nahen Angehörigen ganztags oder stundenweise selbst zu Hause pflegen möchten, können Sie nach dem neuen Pflegezeitgesetz für sechs Monate eine komplette oder teilweise Freistellung von Ihrem Job beantragen. Während der gewünschten Zeit sind Sie weiterhin sozialversichert, bekommen jedoch keine Lohnzahlungen. Der Arbeitgeber muss Ihrem Wunsch nachkommen, wenn der Betrieb mehr als 15 Mitarbeiter beschäftigt. Außerdem müssen Sie nachweisen können, dass Ihr Angehöriger pflegebedürftig ist.

Familienpflegezeit und Beruf kombinieren

Reichen sechs Monate nicht aus, um Ihren Angehörigen zu versorgen, haben Sie die Möglichkeit, sich bis zu zwei Jahre lang teilweise freistellen zu lassen, müssen jedoch wenigstens 15 Stunden pro Woche in Ihrem Beruf arbeiten. Bei längeren Auszeiten von mehr als zehn Tagen können Sie beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben ein zinsloses Darlehen beantragen, das die Hälfte Ihres fehlenden Nettogehalts abdecken soll. Die Familienpflegezeit können Sie sich auch mit mehreren Familienmitgliedern teilen.
Entlastung bei der Pflege
Wird einer Ihrer Angehörigen unerwartet zum Pflegefall, können Sie bis zu zehn Tagen frei nehmen, ohne dies dem Arbeitgeber vorher mitgeteilt zu haben, zumal dies oft auch nicht möglich ist. In dieser Zeit können Sie die passende Betreuung und Pflege für Ihren Angehörigen organisieren, zum Beispiel durch einen ambulanten Pflegedienst und zusätzliche ehrenamtliche Helfer. Mit einer Lohnfortzahlung können Sie nicht rechnen, jedoch kann Ihnen nicht gekündigt werden. Sie bleiben während der Freistellung weiter sozialversichert, die entsprechenden Beiträge werden nicht gezahlt.

Anspruch auf Familienpflegezeit

Es gibt zwar keinen Anspruch auf Familienpflegezeit, dennoch sollte es im Interesse von Arbeitgeber und Arbeitnehmer liegen, eine persönliche Regelung zu finden, die die Versorgung eines Familienmitglieds ermöglicht. Um Ihre Gesundheit zu erhalten, ist eine zweitweise Freistellung notwendig. Nur so können Sie Ihren Angehörigen ohne Stress pflegen, während Ihr Lohn in dieser Zeit weitergezahlt wird.

Verhinderungspflege und Kurzzeitpflege als Pflegeersatz

Wenn Sie einen Angehörigen mindestens ein halbes Jahr lang zehn Stunden pro Woche oder mehr zu Hause gepflegt haben, hat der Pflegebedürftige Anspruch auf einen Pflegeersatz, falls Sie krank werden oder in den Urlaub fahren möchten. Diese Leistung der Pflegekasse nennt man Verhinderungspflege, die für maximal 28 Tage pro Jahr vergütet wird und auch stundenweise genutzt werden kann.

Wenn die Pflege während Ihrer Abwesenheit nicht zu Hause durchgeführt werden kann, muss der Betroffene oder Sie, falls Ihr Angehöriger zum Beispiel aufgrund einer Demenzerkrankung selbst nicht in der Lage ist, eine Kurzzeitpflege beantragen. Der Pflegebedürftige wird dann in einer entsprechenden Einrichtung versorgt.

Hilfen für Angehörige

Um Ihnen die Pflege daheim zu erleichtern, sollten Sie einen oder mehrere Pflegekurse besuchen. Dort lernen Sie mit verschiedenen Pflegesituationen leichter umzugehen. Trotzdem sollten Sie die Pflege nicht im Alleingang bewältigen und sich von einem Pflegedienst Unterstützung holen. Die Mitarbeiter geben Ihnen ebenfalls Tipps und praktische Hilfen beim Umgang mit dem Pflegebedürftigen.

Wertvoll sind auch qualifizierte Pflegebegleiter, die Sie als pflegenden Angehörigen mit Gesprächen unterstützen und Ihnen beim Umgang mit der Pflegeversicherung oder Ämtern Beratung anbieten. Pflegeberater gibt es bei gemeinnützigen Vereinen, zum Beispiel bei den Maltesern oder Johannitern. Im Internet finden Sie auch Online-Beratungen zum Thema Pflege, wenn Sie schnell eine Auskunft brauchen.

Richtig Pflegen (Pflegekurse)

Wenn Sie als Angehöriger ein Familienmitglied zu Haus pflegen möchten, jedoch keine Erfahrung darin haben, können Sie sich in einer Pflegeschulung auf die Situation vorbereiten. Einsätze durch Pflegeberater bei Pflegebedürftigen mit oder ohne Demenz gehören ebenfalls zum Angebot der Pflegeversicherung, wenn der Betroffene in einer Pflegestufe ist. Die Schulungen sollen Sie auch vor Überforderungen bei der Pflege bewahren.
Welche Inhalte haben Pflegekurse?
In einem Pflegekurs erhalten Sie praktische Hilfen und Beratungen, wie Sie die häusliche Pflege kompetent und leichter durchführen können. Sie lernen bereits im Krankenhaus, wie Sie Ihren Angehörigen richtig versorgen und zugleich die eigenen Kräfte schonen. Dazu gehört unter anderem das Waschen des Betroffenen, Hilfe bei der Ernährung und bei Toilettengängen. Sie haben auch die Möglichkeit, sich zur Entlastung mit anderen Pflegenden über Probleme zu unterhalten. Etliche Schulungen finden zu Haus bei dem Pflegebedürftigen statt, um unter realistischen Bedingungen zu üben.
Wo finde ich den passenden Pflegekurs?
Pflegekurse finden Sie bei gemeinnützigen Vereinen, Krankenversicherungen, ambulanten Pflegediensten oder in Fachkliniken. Dort werden Grundlehrgänge und spezielle Kurse für die Betreuung von an Demenz erkrankten Menschen angeboten. Wenn Sie noch keinerlei Kenntnisse haben, sollten Sie einen Kurs wählen, der Ihnen zunächst die Basispflege vermittelt, zum Beispiel, wie Sie mit dem Kranken umgehen sollten, die tägliche Grundpflege durchführen und auf welche vorbeugenden Maßnahmen Sie achten sollten. Wenn Sie kein Angebot in Ihrer Nähe finden, können Sie auch an Online-Pflegekursen teilnehmen. Hier fehlt allerdings die praktische Unterstützung.

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