Nachbarschaftshilfe organisieren

Neben professionellen Hilfen, die durch die Pflegeversicherung finanziert werden, bedarf es bürgerschaftlichen Engagements, um pflegebedürftige Menschen rund um die Uhr zu versorgen. Pflege kann nicht nur aus staatlich finanzierten Leistungen bestehen, daher ist Nachbarschaftshilfe eine sinnvolle und gute Ergänzung, sodass  sich Pflegebedürftige geborgen und respektiert fühlen können. Auch für Sie als pflegender Angehöriger wird der Pflegealltag durch nachbarschaftliche Unterstützung wesentlich leichter.

Wie organisiere ich Hilfe?

Um neben dem Pflegedienst weitere Hilfe zu bekommen, können Sie durchaus hilfsbereite Nachbarn ansprechen, die Sie bereits gut kennen. Schildern Sie Ihre Situation und fragen Sie, ob sie Ihnen einige Arbeiten abnehmen können. Oft bieten Nachbarn auch von sich aus Hilfe an, wenn man mit ihnen über die anstrengende Pflegesituation spricht. Sicher erleichtert es Ihnen den Pflegealltag sehr, wenn ein oder mehrere Nachbarn Aufgaben wie Einkaufen, Kochen,  den Pflegebedürftigen zum Arzt begleiten, Bügeln und so weiter übernehmen können. Achten Sie allerdings darauf, dass Sie die hilfsbereite Person nicht überlasten.

Sie können sich natürlich auch direkt an ihre Kirchengemeinde oder den örtlichen Wohlfahrtsverband wenden. Fast jede Kirchengemeinde bietet Besuchsdienste an, die engagierte Menschen anleiten, sich um Kranke oder ältere Menschen zu kümmern. Im Internet gibt es ebenfalls einige Portale, die Nachbarschaftshilfe und ehrenamtliche Hilfe in der Pflege und in der Seniorenbetreuung vermitteln. Falls Sie in Ihrer Nachbarschaft niemanden kennen, der Ihnen unter die Arme greifen könnte, finden Sie vielleicht über ein Portal jemanden in Ihrer Nähe, der gern helfen würde.  

Was ist ein Tauschring?

Eine besondere Form der Nachbarschaftshilfe ist ein Tauschring. In Deutschland gibt es rund 220 Tauschringe mit etwa 20.000 Teilnehmern. Bei einem Tauschring handelt es sich um eine Gruppe von Leuten, die sich gegenseitig helfen und unterstützen, Waren tauschen oder sich einfach auch zum Schwätzchen treffen. Hier kann sich jeder engagieren, egal wie alt er ist. Getauscht wird also auch Zeit. Wer Hilfe braucht, kann hier welche bekommen und dafür ein anderes Mal ein anderes Mitglied in einer Situation unterstützen oder mit Waren aushelfen, die er nicht mehr braucht. Schauen Sie unter Tauschring.de, ob es in Ihrer Gemeinde bereits einen Tauschring gibt.

Alternative Wohnmodelle 

Eine weitere Form der Nachbarschaftshilfe sind alternative Wohnmodelle wie Mehrgenerationenhäuser, Behinderten- oder Senioren-WGs. Ein Mehrgenerationenhaus ist eine Haus- oder Wohngemeinschaft, in der Menschen allen Alters zusammen leben und sich gegenseitig unterstützen, wenn jemand Hilfe braucht. Wenn zum Beispiel jemand krank ist, wird er von den Nachbarn versorgt.  Eine Rentnerin passt gelegentlich auf ein Kind auf, damit die junge Mutter in Ruhe Besorgungen machen kann. Solche Projekte werden inzwischen von staatlicher Seite, so auch von der Pflegeversicherung gefördert. Hilfreich für Senioren, aber auch jüngere Leute, ist eine Wohnform, die durch ein Quartierskonzept erleichtert wird. So sollen Dörfer oder Stadtteile alle  Versorgungsmöglichkeiten bieten, die im täglichen Leben benötigt werden: Lebensmittelgeschäfte, Bekleidungsläden, Apotheken und Ärzte sollten in jedem Wohnviertel vorhanden sein, damit niemand weite Wege auf sich nehmen muss. Regionale Hilfsnetzwerke kümmern sich darum, dass diese Konzepte immer öfter umgesetzt werden.

Anlaufstellen

Als erste Anlaufstelle können Sie sich bei Ihrer örtlichen Kirchengemeinde, dem örtlichen Wohlfahrtsverband oder auch Seniorenberatungsstelle informieren. Ein weiteres schönes Beispiel für ein Nachbarschaftshilfe Netzwerk ist das Projekt „Pflegebegleiter“ , das sich bundesweit engagiert. Hier geht es einmal nicht um die Pflegebedürftigen, sondern um die Pflegenden. Ehrenamtliche bieten hier Entlastungsgespräche für die von der Pflege belasteten Angehörigen, um ein Burnout zu vermeiden.

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