Freiheitsentziehende Maßnahmen in der Pflege

Was sind freiheitsentziehende Maßnahmen?

Unter freiheitsentziehenden Maßnahmen versteht man Fixierungen im Bett, auf Therapie-Tischen, durch Zwangsjacken, das Einsperren im Zimmer, die Wegnahme von Gehhilfen, Drohungen jeglicher Art oder Ruhigstellung durch Medikamente. Sie widersprechen dem persönlichen Recht auf Freiheit und können eine Straftat darstellen.

Rechtliche Lage in der professionellen Pflege

Freiheitsentziehende Maßnahmen (FeM) sind nur erlaubt, wenn der Betroffene damit einverstanden ist. Auch Betreuer oder Bevollmächtigte, die speziell für Entscheidungen zu diesen Maßnahmen bestellt wurden, können diese befürworten oder ablehnen. Ärzte und Pflegekräfte dürfen sie nur in Notfällen anwenden, z. B. bei Anfallsleiden, wenn der Patient selbst nicht in der Verfassung ist, sich frei oder gezielt zu bewegen, oder bei heftigen psychischen Erkrankungen. Entscheidet sich der Betreuer für eine FeM, muss sie erst durch das Betreuungsgericht genehmigt werden (§ 1906 Abs. 4 BGB).

Beispiele in der häuslichen Pflege

Pflegepersonen fühlen sich oft hilflos, weil sie nicht wissen, wie sie ihren pflegebedürftigen Angehörigen in bestimmten Situationen schützen sollen. Aus  Angst vor Verletzungen oder Verursachung von gefährlichen Aktionen werden Pflegebedürftige zu Hause eingesperrt, im Bett fixiert oder mithilfe von Medikamenten ruhig gestellt. Doch versperrte Türen machen nicht nur den Betroffenen Angst, sie können auch zu einer bösen Falle werden, falls es z. B. in der Wohnung brennt und kein Fluchtweg zur Verfügung steht. Das Gleiche gilt für Sitzmöbel, von denen der Pflegebedürftige nicht allein aufstehen kann. Was soll er tun, wenn er zur Toilette muss?

Folgen von freiheitsentziehenden Maßnahmen

Das Fixieren, Einsperren oder Ruhigstellen von pflegebedürftigen Menschen hat laut verschiedener Studien ausschließlich negative Auswirkungen. Angst, Wut und Depressionen sind die Folgen von derartig aggressiven Eingriffen in die persönlichen Rechte und der Freiheit. Sollte eine FeM notwendig sein, sollte sie dennoch immer nur kurzfristiger Natur sein, wenn es keine andere Möglichkeit gibt, den Betroffenen vor sich selbst oder andere vor ihm zu schützen (Notstand, § 34 StGB).

Alternativen in der häuslichen Pflege

Als Angehöriger von Pflegebedürftigen haben Sie vielleicht Bedenken, dass sich der Betroffene verletzt. Statt ihn einzusperren oder im Bett zu fixieren, sollten Sie überlegen, mit welchen Hilfsmitteln Sie ihn schützen können. Für Pflegebetten gibt es Gitter, die vorm Herausfallen bewahren, jedoch bei Bedarf in der Mitte geöffnet werden können, damit der Pflegebedürftige selbst aussteigen kann. Bei Osteoporose kann Ihr Angehöriger eine Spezialhose mit Hüftprotektoren tragen.

Bei großem Bewegungsdrang, z. B. bei bestimmten Demenzerkrankungen, können Sie ihn mit einem GPS-Gerät ausstatten und somit jederzeit wiederfinden. Für daheim können Sie Sensormatten einsetzen, die signalisieren, wenn Ihr Angehöriger einen bestimmten Bereich verlässt. Wenn jemand sehr unruhig ist, sodass Sie Mühe haben, ihn zu waschen etc., versuchen Sie es mit Ablenkung durch Musik, Aromatherapie oder einem Film.

Sollte der Pflegebedürftige sehr aggressiv sein, lassen Sie seine Medikation überprüfen und bei Bedarf korrigieren, falls es durch Nebenwirkungen zu Wutanfällen kommt. Sind die Aggressionen eine Begleiterscheinungen einer Demenz, so lässt sich durch ein entsprechendes Medikament auch für den Patienten selbst Erleichterung finden. Bettlägerige Demenzkranke sind dankbar für sogenannte Nesteldecken oder -kissen, die unterschiedliche Strukturen aufweisen und damit interessante Tasterlebnisse bescheren.


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