Was tun im Pflegefall?

Woran erkenne ich einen Pflegefall?

Durch Krankheit oder einen Unfall wird vielfach klar, dass ein Angehöriger für immer Hilfe braucht. Dann müssen die nächsten Verwandten in kürzester Zeit eine Lösung finden.

Pflegebedürftigkeit kann aber auch ein schleichender Prozess sein. Der Alltag wird beschwerlicher. Die zeitliche und örtliche Orientierung ist gestört. Die Wohnung und die Kleidung sind zunehmend verwahrlost. Das Verhalten der eigenen Eltern verändert sich immer stärker. All dies können Anzeichen für eine zunehmende Hilfsbedürftigkeit sein.

Wenn die Mutter oder der Vater plötzlich hilflos ist, wissen viele nicht was zu tun ist. Dieses Kapitel des Ratgebers ermöglicht einen schnellen Überblick über die Möglichkeiten im Pflegefall und erklärt die wichtigsten Begriffe wie "Pflegebedürftigkeit", "Pflegestufe" und "MDK-Begutachtung". 

Wann ist Hilfe notwendig?

Angehörige fällt es schwer, sich die Pflegebedürftigkeit der eigenen Eltern oder des Lebenspartners einzugestehen. Dabei geht wertvolle Zeit für medizinische oder pflegerische Maßnahmen verloren, die den Krankheitsverlauf abmildern können. Deshalb lohnt es sich, in der eigenen Familie offen mit dem Thema Pflege auseinanderzusetzen.

Tabuthema Pflege

Die nächsten Verwandten übernehmen meist die Pflege und sind damit schnell überfordert. Gerade Ehepartner schämen sich, Überforderung einzugestehen und fremde Hilfe anzunehmen. Keiner spricht gerne über das Thema Pflege.  Erst wenn dringend Hilfe notwendig ist, realisieren die meisten Angejörigen die Situation in der sich die eigenen Eltern befinden. Angehörige sollten sensibel mit dem Thema „Pflegefall“ umgehen. 

Die beste Lösung finden

Zuerst sollte geklärt werden, wie viel Hilfe der Pflegebedürftige braucht und welches die bestmögliche Lösung für alle Betroffenen ist. Die meisten Menschen möchten im Pflegefall zu Hause bleiben, gepflegt durch Angehörige. Doch in vielen Fällen, wie bei schlecht geeigneten Wohnumfeld oder sozialer Isolation, kann ein Umzug sinnvoll sein.

Oft brechen alte Konflikte und Verletzungen auf, wenn Pflegefragen in der Familie geklärt werden. Dann kann eine Familien-Mediation sinnvoll sein. Mehr Informationen erhalten Sie bei den Familienberatungsstellen des Bundesverbandes Mediation (Tel. 0567/73 96 413) oder der Bundesarbeitsgemeinschaft für Familien-Mediation (Tel. 030/23 62 82 66)


Checkliste was tun im Pflegefall:

Folgende Checkliste zeigt Ihnen, welche Fragen es im Pflegefall zu klären gilt und woran Sie denken müssen:

  • Wo finde ich eine gute Beratung?

    Seit 2008 haben Pflegebedürftige einen gesetzlichen Anspruch auf kostenlose und unabhängige Beratung. Pflegestützpunkte und unabhängige Pflegeberater bieten eine umfassende Pflegeberatung an. Ebenfalls beraten können ambulante Pflegedienste und Krankenkassen, wobei diese Beratung nicht immer neutral sein muss. Auch Internetseiten wie Wohnen-im-Alter.de bieten Unterstützung bei der Suche nach Pflegeangeboten.

    Zur Pflege-Beratung
  • Wie beantrage ich Leistungen bei der Pflegeversicherung und was ist eine Pflegestufe?

    Liegt eine Pflegebedürftigkeit nach Gesetz vor, kann ein Antrag bei der Krankenversicherung gestellt werden. Diese leitet die weiteren Schritte ein und beauftragt den Medizinischen Dienst der Krankenkassen mit einer Begutachtung. Aufgrund dieser Begutachtung erteilt die Pflegekasse ein Pflegestufe, welche die Höhe der Leistungen bestimmt.

    Zum Pflege-Antrag
    Zu den Pflegestufen
  • Wie kann ich Pflege finanzieren?

    Mit Erteilung einer Pflegestufe wird ein Teil der Pflege-Kosten von der Pflegekasse übernommen. Je nach Art der Pflege muss der Betroffene aber einen Teil der Kosten selber tragen. Dieser Eigenanteil kann mehrere tausend Euro im Monat betragen. Sollte der Pflegebedürftige den Eigenanteil nicht tragen können und kein Vermögen besitzen, kann dieser „Hilfe zur Pflege“ bei der Sozialhilfe beantragen. Das Sozialamt prüft zuerst, ob Angehörige ersten Grades zu Unterhalt verpflichtet werden können. Wenn keine Unterhaltspflicht besteht, übernimmt das Sozialamt die restlichen Kosten.

    Zur Pflege-Finanzierung / Vorsorge
  • Wo wird gepflegt?

    Kann die eigene Wohnung pflege- und altersgerecht angepasst  werden? Oder sollte die Wohnsituation verändert werden?

      Pflegefall: Umziehen oder zu Hause
  • Wer übernimmt die Pflege?

    Kann die Pflege von einem Angehörigen übernommen werden oder wird zusätzliche Unterstützung durch einen ambulanten Pflegedienst oder eine Betreuungskraft benötigt? Eine Alternative kann auch eine vorübergehende Betreuung in einer Kurzzeitpflege oder eine Tagespflege sein. In bestimmten Fällen ist die vollstationäre Pflege die beste Lösung.
    Wie Sie die passende Betreuung finden, erfahren Sie unter

    Pflege zu Hause
  • Kann ich selber Pflegen?

    Wenn Sie selber Pflegen wollen, können Sie nach dem Pflegezeitgesetz (ab 2012 Familienpflegezeitgesetz) ihre Arbeitszeit verringern oder den Beruf bis zu sechs Monate unterbrechen. In Pflegekursen können Sie die wichtigsten Handgriffe zur Pflege lernen. 
    Lesen Sie mehr unter

    Pflege zu Hause
  • Was ist, wenn eine Rundum-Betreuung notwendig wird?

    Mit zunehmender Pflegebedürftigkeit kann es notwendig werden, dass der Betroffene den ganzen Tag betreut werden muss. Entweder muss der Betroffene dann in ein Pflegeheim oder eine 24 Stunden Betreuung muss ins Haus kommen.

  • Ist die Wohnung für Pflege geeignet?

    Nicht jede Wohnung ist altersgerecht und barrierefrei. Häufigstes Hindernis sind Treppen oder Stufen. Eine nicht barrierefreie Wohnung kann durch Unfälle die Pflegebedürftigkeit noch verschlimmern. Mehr dazu finden Sie in unserem Ratgeber altersgerechtes Wohnen und im Treppenlift-Vergleich 

  • Kommt ein Pflegeheim im Ausland in Frage?

    Pflegeheime im Ausland können im Einzelfall günstiger sein, sind aber nicht für jeden Fall geeignet. 
    Mehr unter

    Pflege im Ausland
  • Um was muss ich mich noch kümmern?

    Klären Sie rechtzeitig rechtliche Fragen wie Vertretung des zu Pflegende, Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht.

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