Pflegefall: Umziehen oder Pflege zu Hause?

Ein Seniorenumzug ist wie alle anderen Umzüge auch oft stressig und teuer. Allerdings kann ein Umzug ins Pflegeheim oder zu den eigenen Kindern das Leben der älteren Menschen signifikant verbessern.

Was aber bringt ein Umzug ins Pflegeheim mit sich? Was sollte bei einem Umzug zur Familie beachtet werden? Und welche Punkte müssen vor und nach dem Umzug erledigt werden?

Wohnen-im-Alter erklärt im Ratgeber, wie der Umzug im Alter am besten klappt.


Umzug ins Pflegeheim

Im Alter das gewohnte Umfeld zu verlassen, ist für viele ältere Menschen nur schwer vorstellbar. So möchte der Großteil der Senioren den Lebensabend im eigenen Zuhause verbringen. Dennoch ist in vielen Fällen ein Umzug ins Pflegeheim ratsam und immer wieder sogar unumgänglich.


Wann ist ein Umzug ins Pflegeheim ratsam?

Es gibt viele Gründe, die für einen Umzug in ein Pflegeheim sprechen. Neben der mit der Zeit wachsenden Hilfsbedürftigkeit aufgrund des fortschreitenden Alters stehen eine ganze Reihe praktischer Gründe. Dazu zählen beispielsweise:

  • Eine große Wohnung oder ein Eigenheim mit Garten können schnell zur Last werden, wenn die eigenen Kräfte schwinden und für die Instandhaltung nicht mehr ausreichen.
  • Gerade wenn der eigene Partner bereits verstorben ist, droht älteren Menschen alleine im Haus die Vereinsamung.
  • Der Umzug in eine kleinere und preiswertere Wohnung kann die eigenen finanziellen Spielräume erweitern und die Erfüllung lang gehegter Wünsche ermöglichen.
  • Für den Fall, dass einmal mehr Unterstützung benötigt wird, ist rechtzeitig vorgesorgt. Ein weiterer Umzug im Pflegefall ist dann nicht mehr erforderlich.
  • Wenn die gewählte Wohnform wider Erwarten nicht zu den eigenen Bedürfnissen passt, bleibt immer noch genügend Zeit, um sich nach Alternativen umzuschauen.
  • Die Pflegebedürftigkeit ist bereits so weit fortgeschritten, dass ein Leben im eigenen Zuhause aufgrund des notwendigen Umfangs der Pflege nicht mehr oder nur noch schwer realisiert werden kann.

Ein Umzug ins Pflegeheim bringt viele Vorteile mit sich, von welchen die älteren Menschen profitieren können.


Vor- und Nachteile eines Umzugs

Ein Umzug ins Pflegeheim wirkt oftmals zuerst einmal abschreckend auf ältere Menschen. Gerade mit steigendem Alter und wachsender Pflegebedürftigkeit kann ein Leben im Pflegeheim aber viele Vorteile mit sich bringen.

Ein geregelter Tagesablauf, Kontakt mit gleichaltrigen Menschen, eine gesicherte medizinische Versorgung und viele verschiedene Aktivitäten sind nur einige Beispiele von den Vorzügen, die ein Leben im Pflegeheim mit sich bringt. So wird der Vereinsamung älterer Menschen entgegengewirkt. Auch die Versorgung pflegebedürftiger Senioren ist gesichert.

Ein weiterer Vorteil des Lebens im Pflegeheim gegenüber dem Leben bei der Familie besteht darin, dass die gemeinsame Zeit mit dem pflegebedürftigen Angehörigen nicht mit dessen Versorgung ausgefüllt ist, sondern gemeinsam intensiv genutzt werden kann.

Vor- und Nachteile des Pflegeheims

Den Umzug erleichtern

Ein Umzug in ein Pflegeheim ist sowohl für die Betroffenen als auch für ihre Angehörigen ein großer Einschnitt im Leben. Häufig ist der bevorstehende Wohnortwechsel mit zahlreichen Ängsten und Sorgen verbunden und fällt dadurch allen Beteiligten schwer.

Daher ist es besonders wichtig, den Umzug ins Pflegeheim gut zu organisieren. Ein geplanter Umzug sollte möglichst offen angesprochen werden – je eher, desto besser. Die frühzeitige Auseinandersetzung mit dem Thema ermöglicht es allen Beteiligten, sich langfristig auf die neue Situation vorzubereiten.

Auch die Entscheidung für ein Pflegeheim sollte gemeinsam getroffen werden. Dabei ist es wichtig, sich im Vorfeld ausgiebig über verschiedene Einrichtungen zu informieren, um so diejenige zu finden, die am besten zu dem pflegebedürftigen Senior passt.


Absprache mit der Pflegeeinrichtung

Auch eine ausführliche Absprache mit dem zukünftigen Pflegeheim erleichtert den Umzug für alle Beteiligten. Ist die Wahl endgültig auf ein bestimmtes Pflegeheim gefallen und der Umzug naht, sollte das Pflegepersonal vor Ort ausführliche Informationen über den neuen Bewohner erhalten. Dabei sollten die Wünsche, Fähigkeiten und Bedürfnisse des Pflegebedürftigen hinsichtlich alltäglicher Grundbedürfnisse möglichst genau bekannt sein.


Checkliste zur Absprache mit dem Pflegeheim

  • Wie groß ist der Pflegebedarf zurzeit? Welche täglichen Handgriffe kann der Betroffene noch selbstständig vornehmen und wo braucht er Hilfe?
  • Welche Vorlieben und Abneigungen – auch hinsichtlich Essen und Trinken – sind vorhanden?
  • Was unternimmt der Pflegebedürftige gern in seiner Freizeit? Womit kann man ihm eine Freude machen?
  • Welche Medikamente werden aktuell benötigt? Welche Krankheitsbilder liegen vor? Wer sind die behandelnden Haus- und Fachärzte?
  • Gibt es eine Patientenverfügung, Vollmachten oder gesetzliche Betreuer?

Die Pflegeheime sind verpflichtet, aus all diesen Informationen einen individuellen Pflegeplan zu entwickeln und dessen Umsetzung zu dokumentieren.

Nur wenn die Mitarbeiter möglichst umfangreich über den Patienten Bescheid wissen, können sie im Krisenfall richtig reagieren. Zudem gibt eine umfassende Absprache sowohl den Familienmitgliedern des Pflegebedürftigen als auch dem betroffenen Senior selbst ein erhöhtes Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit.


Schrittweise ins neue Leben

Um den Pflegebedürftigen den Übergang in eine vollstationäre Einrichtung zu erleichtern, kann zunächst auf ein Angebot zur Kurzzeitpflege zurückgegriffen werden. Dabei zieht der Pflegebedürftige erst einmal nur für einige Tage in die Pflegeeinrichtung und kommt danach wieder nach Hause. Wichtig ist dabei, eine geeignete Einrichtung auszuwählen.

Wenn dann der endgültige Umzug ansteht, ist eine einfühlsame Begleitung unbedingt notwendig. Die ersten Wochen im neuen Zuhause sollten der Eingewöhnung und dem Einleben dienen. Angehörige und Pflegekräfte können dem neuen Bewohner das Ankommen erheblich erleichtern, wenn sie ihn bei diesem Schritt zuverlässig zur Seite stehen. Außerdem kann die Vereinbarung regelmäßiger Besuchszeiten dem Pflegebedürftigen das Gefühl geben, dass er trotz der veränderten Lebenssituation nicht allein gelassen wird.




Umzug zur Familie

Mit dem Alter steigt oft auch der Wunsch nach der Nähe der Familie. Gerade wenn der eigene Partner bereits verstorben ist, sehnen sich viele ältere Menschen danach, ihr Leben mit den eigenen Kindern und Enkelkindern zu teilen. Daher entscheiden sich viele pflegebedürftige Senioren zu einem Umzug zur Familie.


Wie ein Zusammenleben funktionieren kann

Das Zusammenleben mehrerer Generationen unter einem Dach stellt häufig eine Herausforderung für alle Beteiligten dar. Denn während das Leben als Großfamilie den Senioren häufig noch aus der eigenen Kindheit und Jugend bekannt ist, sind jüngere Generationen häufig mit dem Zusammenleben mehrerer Generationen nicht vertraut.

Um das gemeinsame Familienleben erfolgreich zu gestalten und Enttäuschungen auf beiden Seiten zu vermeiden, sollten vor dem Umzug die Wünsche und Bedürfnisse aller Beteiligten betrachtet und verschiedene Bedingungen mit einbezogen werden.


Voraussetzungen für ein harmonisches Großfamilienleben

  • Gegenseitige Sympathie: Eine der wichtigsten – wenn auch scheinbar banalsten – Bedingungen für ein funktionierendes Zusammenleben besteht darin, dass alle Beteiligten sich gegenseitig mögen und untereinander verstehen. Nur so kann ein harmonisches Familienleben stattfinden.
  • Toleranz: Zusammenleben erfordert ein hohes Maß an Toleranz. Jeder muss in der Lage sein, den anderen so zu akzeptieren, wie er ist und ihm die notwendigen Freiräume zugestehen.
  • Verständnis: Die älteren Familienmitglieder sollten nicht erwarten, dass sich das Familienleben ausschließlich um ihre Bedürfnisse dreht. Ihre Kinder haben Berufe und verfügen nur über ein bestimmtes Maß an Freizeit. Diese Strukturen können nicht immer einfach so geändert werden.
  • Eigenständigkeit: Auch bei einem Leben in einer Großfamilie, sollten die Senioren ein größtmögliches Maß an Eigenständigkeit bewahren. Dazu gehört zum Beispiel, dass sie ihren eigenen Freundeskreis pflegen und ihre Interessen verfolgen.

Tipp

Häufig ist es sinnvoll einen Kompromiss zu schließen. So bietet es sich beispielsweise an, dass die älteren Familienmitglieder nicht mit den Angehörigen unter einem Dach leben, sondern sich eine Wohnung in deren Nähe suchen.


Die Familie bei der Pflege entlasten

Ist der ältere Angehörige pflegebedürftig, so sollte im Vorfeld des Umzugs die Betreuung geklärt werden. Auch wenn sich ein Familienmitglied dazu bereit erklärt, die Pflege zu übernehmen, sollten alle Beteiligten bedenken, dass ein Mensch allein diese Aufgabe nicht bewältigen kann. Daher ist es ratsam, zusätzlich einen ambulanten Pflegedienst zu engagieren, um die Familie bei der Pflege zu entlasten.

Auch wenn noch keine Pflegebedürftigkeit vorliegt, so sollte bei einer Entscheidung für ein Leben als Großfamilie im Vorfeld geklärt werden, wie im eventuellen Pflegefall die Versorgung aussehen soll.




Den Umzug organisieren

Steht der Umzug unmittelbar bevor, ist es wichtig, sich Gedanken über die Organisation zu machen. Was muss alles erledigt werden? Und wie soll der Umzug angegangen werden? Dabei hilft vor allem eine sorgfältige Planung.


Planung ist die halbe Miete

Ein Umzug ist anstrengend und kostet Geld. Gerade Senioren sind oft nicht mehr so belastbar oder sogar chronisch krank, sodass eine Wohnveränderung eine besondere Herausforderung bedeutet. Auch die Kosten sollten möglichst geringgehalten werden, da nicht jedem älteren Menschen ausreichend Geld zur Verfügung steht.

Umso wichtiger ist es, den Umzug rechtzeitig und sorgfältig zu planen. Hierbei hilft eine Checkliste mit allen Punkten, die erledigt werden müssen. Dabei sollte die Termine großzügig eingeplant werden, um Stress zu vermeiden.

Den Seniorenumzug planen

Haushaltsauflösung organisieren

Mit an oberster Stelle der Checkliste steht der Punkt der Haushaltsauflösung. Dabei sollten folgende Punkte erledigt werden:

  • Erinnerungs- und Wertgegenstände zur Seite legen: Steht ein Umzug ins Pflegeheim bevor, sollten die Senioren gemeinsam mit Hilfe durch die Familie eine Aufstellung der Dinge machen, die mitgenommen werden sollen. Dazu gehören auch Wertgegenstände wie Kunst und Schmuck, die alternativ in einem Banktresor untergebracht werden können.

  • Verkaufen, Verschenken oder Entrümpeln: Anschließend sollte überlegt werden, welche Möbel, Hausrats- und Kleidungsstücke verkauft oder verschenkt werden können, bevor die Entsorgung beginnen kann. Sind diese Aufgaben zu viel, kann alternativ eine Firma für Haushaltsauflösungen beauftragt werden, die gewünschten Gegenstände abzuholen oder die Wohnung komplett leerzuräumen.

  • Sperrmüll anmelden: Für kaputte Möbel, Haushaltsmaschinen und anderen Hausrat vereinbaren sollte ein Sperrmülltermin vereinbart werden. Dinge, die noch in Ordnung sind, können per Kleinanzeige, in Versteigerungsportalen im Internet oder auf Flohmärkten veräußert werden.

  • Verträge durchgehen und kündigen: Zeitgleich müssen alle Papiere des Seniors durchgesehen werden, um Versicherungs- und andere Verträge sowie Abonnements zu kündigen. Bei der Kündigung des Mietvertrags sollte ausreichend zeitlicher Spielraum für eine Renovierung eingeplant werden. Vor einem Umzug ins Pflegeheim besprechen Sie mit Ihrem Angehörigen, welche Versicherungen und Abonnements noch sinnvoll sind. Oftmals gilt im Fall eines Umzugs ein sogenanntes Sonderkündigungsrecht, das auch bei Verträgen mit einer Mindestlaufzeit ein kurzfristiges Kündigen ermöglicht.

  • Umzug organisieren: Auch der Umzug selbst sollte im Vorfeld organisiert werden. Je nach Größe und Menge des Umzugsguts, das mit ins Pflegeheim oder zur Familie genommen werden soll, muss unter Umständen im Vorfeld ein Kleintransporter gemietet werden. Alternativ kann auch ein Umzugsunternehmen mit dem Umzug beauftragt werden. Diese kümmern sich von der Verpackung der Möbelstücke und weiteren Besitztümern bis zum Transport ins neue Zuhause um alles sicher und zuverlässig. Auf diese Weise kann der Seniorenumzug unkompliziert über die Bühne gebracht werden.

  • Renovierung und Übergabe der Wohnung: Vor der Übergabe der Wohnung sollte diese renoviert werden. Dies kann entweder mit Hilfe der Familie oder von Handwerkern erledigt werden. Von den benötigten Handwerken sollten im Vorfeld Kostenvoranschläge eingeholt und die Termine für Renovierungsarbeiten so gelegt werden, dass die Wohnung bereits geräumt ist. Der Übergabetermin für die Wohnung sollte mit dem Vermieter so vereinbart werden, dass er nicht zu dicht hinter der Renovierung liegt, falls noch etwas nachzubessern ist.

  • Ummelden nicht vergessen: Ist der Umzug geschafft, müssen sämtliche Ummeldungen vorgenommen werden. Bei denen kann Hilfe von außen in Anspruch genommen werden. Wahlweise können sämtliche Ummeldungen selbst zum Beispiel online bei der Deutschen Post erledigt werden, die kostenlos allen Kontakten die neue Adresse mitteilt. Besonders wichtig ist die Ummeldung bei der Rentenversicherung, vor allem, wenn sich die Bankverbindung geändert hat. Dies kann online bei der Deutschen Rentenversicherung vorgenommen werden.


Tipps für den Seniorenumzug

Bei einem Umzug gilt es viele Dinge zu beachten. Um das gesamte Unterfangen etwas zu vereinfachen, hat Wohnen-im-Alter einige wertvolle Tipps auf einen Blick zusammengefasst.


Tipps für den Seniorenumzug

  • Vor dem Umzug entrümpeln: Bei einem Umzug von einer Wohnung oder einem Haus in ein Pflegeheim können meist nicht alle Habseligkeiten mitgenommen werden. Daher sollte im Vorfeld des Umzugs entrümpelt werden.

  • Kostenvoranschläge einholen: Ob Umzugsunternehmen oder Handwerker – in jedem Fall sollten Kostenvoranschläge für den benötigten Service eingeholt und verglichen werden.

  • Günstig verpacken: Umzugskartons sind teuer und oft nicht sehr stabil. Alternativ können alte Obst- und Gemüse oder Bücherkisten verwendet werden. Sind diese nicht vorhanden, können gebrauchte Umzugskartons im Internet günstig erworben werden.

  • Studenten zur Umzugshilfe: Wer kein Geld für ein teures Umzugsunternehmen ausgeben möchte, kann im Internet Studenten als Umzugshilfe engagieren.

  • Finanzielle Unterstützung durch das Sozialamt: Ist das eigene Vermögen sehr gering und der Umzug so nur schwer zu realisieren, kann ein Antrag auf finanzielle Unterstützung beim Sozialamt gestellt werden. Auch wenn kein genereller Anspruch auf Zuschüsse besteht, sollte die Möglichkeit ausgeschöpft werden.

  • Umzugskosten von der Steuer absetzen: Zahlt der umziehende Senior Einkommenssteuer, so können Gebühren wie Ummeldegebühren, Kosten für Wohnungsannoncen, Ausgaben für den Auf- und Abbau von Haushaltsgeräten, Trinkgelder und Verpflegungskosten für Möbelpacker sowie für private und berufliche Umzugshelfer und Schönheitsreparaturen in der alten Wohnung als Werbungskosten und haushaltsnahe Dienstleistungen beim Finanzamt geltend gemacht werden. Voraussetzung dafür ist, dass der Umzug aus gesundheitlichen Gründen stattfindet und die Lebensbedingungen verbessert hat.


Ein Umzug im Alter ist eine Belastung für den Senior und dessen Angehörigen. Jedoch kann ein Wohnortwechsel viele Vorteile mit sich bringen. Auch der Umzug kann vergleichsweise entspannt vonstattengehen, wenn einige Tipps beachtet werden.





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