Hilfe zur Pflege: Wenn das Pflegegeld nicht reicht

Finanzielle Eigenleistung im Pflegefall

Grundsätzlich übernimmt die Pflegekasse einen Teil der Kosten für ambulante Pflege, häusliche Pflege oder den Aufenthalt im Pflegeheim. Wenn die Kosten für eine Unterbringung im Seniorenheim oder die tägliche Versorgung zu Hause höher sind als die Leistungen der Pflegekasse, muss der Pflegebedürftige sie zunächst einmal selbst übernehmen. Vor allem Sonderleistungen, die nicht unmittelbar mit der Pflege zusammenhängen, werden von der Pflegekasse häufig nicht erstattet. Es bleibt also in der Regel eine Restsumme, die von Ihnen oder Ihren Angehörigen aufgebracht werden muss.

Anrechnung von Rente und Vermögen

Die zusätzlichen Kosten für die Heimunterbringung oder den ambulanten Pflegedienst müssen zunächst mithilfe der Rente beglichen werden. Im Fall eines Heimaufenthalts wird das gesamte Einkommen bis auf einen kleinen Barbetrag (Taschengeld von derzeit 100,98 Euro) mit einbezogen. Bei der ambulanten Pflege gilt eine Einkommensgrenze von 748 Euro zuzüglich der Nettokaltmiete.
Alles was darüber liegt, muss als Eigenanteil für die Pflegekosten eingebracht werden. Wenn Ihre Rente nicht ausreicht, wird Ihr Vermögen zur Finanzierung herangezogen. Hierbei werden alle Ersparnisse und Vermögenswerte berücksichtigt, über die Sie verfügen. Lediglich ein Schonvermögen von 2.600 Euro bleibt unangetastet.

Unterhaltspflicht von Angehörigen

Wenn sowohl Rente als auch Vermögen für Ihre Versorgung aufgebraucht sind, werden Ihre Kinder als mögliche Unterhaltspflichtige überprüft. Ob diese für Sie aufkommen müssen, hängt von deren eigener finanzieller Situation ab. Wann genau die Unterhaltspflicht wirksam wird, erfahren Sie im Beitrag Elternunterhalt.

Wann gilt Anspruch auf Hilfe zur Pflege?

Wenn die ausgezahlten Pflegeleistungen nicht ausreichen, um die Kosten für die Pflege zu bezahlen, haben Sie als Pflegebedürftiger nach §§ 61 ff. Sozialgesetzbuch Buch XII einen Anspruch auf die sogenannte Hilfe zur Pflege. Dabei spielt es keine Rolle, ob Sie in einem Pflegeheim betreut oder durch ambulante Pflege versorgt werden.
Entscheidend ist, dass die Möglichkeiten der Versorgung durch die Familie erschöpft sind und die eigenen finanziellen Mittel nicht ausreichen. Leistungen der Hilfe zur Pflege bekommen Sie auf Antrag bei Ihrem Sozialamt. Sie bestehen nicht aus einem festen Betrag wie die Pflegeleistungen, sondern werden dem tatsächlichen Bedarf angepasst.

Besondere Voraussetzungen für die Hilfe zu Pflege

Hilfe zur Pflege erhalten nicht nur dauerhaft erkrankte Senioren, sondern alle Menschen, die körperlich, geistig oder seelisch krank beziehungsweise behindert sind und daher umfangreiche Hilfe für die Verrichtungen des Alltags benötigen. Die Voraussetzungen, Hilfe zur Pflege zu bekommen, sind die gleichen wie für die zur Erlangung einer Pflegestufe.
Zu den besonders pflegebedürftigen Personen gehören Menschen mit Erkrankungen und Behinderungen, die durch Lähmungen, Funktionsstörungen oder Amputationen entstanden sind, außerdem Funktionsstörungen innerer Organe, Sinnesorgane, des Zentralen Nervensystems oder andere Krankheiten, die zur Pflegebedürftigkeit führen.

Hilfe zur Pflege rechtzeitig beantragen

Zeichnet sich eine dauerhafte Pflegebedürftigkeit ab oder steht ein Heimaufenthalt bevor, sollte die Frage nach der Finanzierung so früh wie möglich geklärt werden. Wenn absehbar ist, dass weder das eigene Vermögen noch der Unterhalt Ihrer Angehörigen für die Pflegekosten reichen werden, sollten Sie oder Ihr gesetzlicher Vertreter bereits vor dem Umzug ins Pflegeheim einen Antrag auf Hilfe zur Pflege stellen. Der Grund: Diese Form der Sozialleistung wird nicht rückwirkend ausgezahlt, sondern erst wenn das Sozialamt Kenntnis von Ihrer Pflegebedürftigkeit bekommen hat. Der Antrag kann formlos an das Amt für Soziales der zuständigen Stadt, Gemeinde oder des Kreises gestellt werden.

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