Die Pflegezusatzversicherung - eine sinnvolle Police?

2015 gab es 2,9 Millionen Pflegebedürftige in Deutschland, 27% davon mussten vollstationär in Pflegeheimen versorgt werden. Tritt ein Pflegefall ein, stellt sich häufig die Frage nach den Kosten für die Pflege an oberer Stelle. Ist ein Pflegegrad vorhanden, hilft die gesetzliche Pflegeversicherung bei der Finanzierung der Pflegekosten mit dem Pflegegeld oder den Pflegesachleistungen. Somit muss die Pflege nicht allein finanziell gestemmt werden.

Allerdings decken die Leistungen der Pflegeversicherung nur einen Teil der Kosten, nämlich etwa ein Drittel, ab. Die verbleibenden Beträge müssen durch den Pflegebedürftigen selbst beglichen werden. Hierbei kann eine Pflegezusatzversicherung hilfreich sein.

Doch was genau ist eine Pflegezusatzversicherung und wie wird sie eingesetzt? Ist sie sinnvoll? Welche Varianten gibt es? Und worauf muss beim Abschluss einer solchen Police geachtet werden?


Die Pflegezusatzversicherung – eine Teilkaskoversicherung

Die gesetzliche Pflegeversicherung zählt wie unter anderem auch die Krankenversicherung zu den Pflichtversicherungen in Deutschland. Aus gutem Grund: Rund 15% aller Senioren hierzulande werden zum Pflegefall, die Tendenz steigt durch den demographischen Wandel rapide an.

Die Kosten im Pflegefall können schnell das eigene Einkommen übersteigen und die gesetzliche Pflegeversicherung übernimmt nur rund ein Drittel der anfallenden Zahlungen. Dabei leistet sie abhängig von der Art der Versorgung mit dem Pflegegeld oder der Pflegesachleistung. So wird die Finanzierung ambulanter Pflege durch Angehörige oder Bekannte mit dem Pflegegeld unterstützt und die Pflegeheim-Finanzierung sowie die Finanzierung häuslicher Pflege durch einen Pflegedienst mit den Pflegesachleistungen bezuschusst. Die genaue Höhe der Hilfe ist abhängig vom jeweiligen Pflegegrad des Pflegebedürftigen.


Pflegesachleistungen Pflegegeld
Pflegegrad 1 0,- € 0,- € *
Pflegegrad 2 689,- € 316,- €
Pflegegrad 3 1.298,- € 545,- €
Pflegegrad 4 1.612,- € 728,- €
Pflegegrad 5 1.995,- € 901,- €

Als Faustregel gilt jedoch immer: Die Leistungen der Pflegekasse decken nur einen Bruchteil der entstehenden Pflegekosten ab.

Die Pflege in einem deutschen Pflegeheim kostet durchschnittlich 3.500€. Bei einem vorhandenen Pflegegrad 3 bezuschusst die gesetzliche Pflegeversicherung die Pflegebedürftigen mit lediglich 1.298€. Die restlichen 2.202€ müssen als Eigenanteil selbst getragen werden.

Häufig übersteigt dieser Eigenanteil die eigene Rente. Um zu verhindern, dass das Eigenheim oder das persönliche Vermögen angetastet oder die Kinder durch den Elternunterhalt für die eigenen Eltern haften müssen, ist es sinnvoll, möglichst früh eine Pflegezusatzversicherung abzuschließen und privat vorzusorgen.


Was ist eine Pflegezusatzversicherung?

Die Pflegezusatzversicherung im Überblick

Reichen die finanziellen Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung nicht zur Finanzierung der Pflege aus, kann eine abgeschlossene Pflegezusatzversicherung – auch private Pflegeversicherung genannt – helfen.

Eine solche Police ist in verschiedenen Varianten möglich:

  • Pflegetagegeldversicherung
  • Pflegekostenversicherung
  • Pflegerentenversicherung

Eine weitere Möglichkeit stellt der sogenannte Pflege-Bahr dar. Dabei handelt es sich um eine gesetzlich geförderte Pflegezusatzversicherung.

Grundsätzlich ist es ratsam, eine Pflegezusatzversicherung möglichst früh abzuschließen. Im höheren Alter steigen Beiträge, zudem kann es bei bereits vorhandenen Erkrankungen zu Risikozuschlägen oder sogar Ablehnungen durch die Versicherung kommen.

Doch auch im fortgeschritteneren Alter kann sich eine Pflegezusatzversicherung noch lohnen.


Wann lohnt sich eine Pflegezusatzversicherung?

Grundsätzlich empfiehlt sich der Abschluss einer Pflegezusatzversicherung für jeden. Egal ob durch Unfall, Krankheit oder Alter: Jeder Mensch kann unerwartet zum Pflegefall werden.

Zudem wird in den kommenden Jahren die Zahl der Pflegebedürftige infolge des demographischen Wandels stark ansteigen, während immer weniger jüngere Menschen in die Pflege- und Rentenkasse einzahlen.

Besonders empfehlenswert ist eine private Pflegeversicherung für Frauen. Diese haben eine höhere Lebenserwartung und verfügen oft über eine geringere Rente als Männer.



Varianten der Pflegezusatzversicherung

Wer eine Pflegezusatzversicherung abschließen möchte, hat die Wahl zwischen mehreren Optionen. So gibt es die Pflegetagegeldversicherung, die Pflegekostenversicherung, die Pflegerentenversicherung sowie den staatlich geförderten Pflege-Bahr.

Wie aber unterscheiden sich diese Varianten von einander? Und welche Vor- und Nachteile haben die Möglichkeiten jeweils?


Die Pflegetagegeldversicherung

Die Pflegetagegeldversicherung zahlt pro Tag eine festgelegte Summe, die mit Abschluss der Police unabhängig von konkreten Pflegeleistungen vereinbart wird. Dabei handelt es sich üblicherweise um eine Summe von etwa 10 – 100€ je nach Pflegegrad.

Dabei kommt das Pflegetagegeld unabhängig von der jeweiligen Versorgungsform zum Einsatz und kann somit sowohl bei ambulanter Pflege als auch bei einer stationären Unterbringung in Anspruch genommen werden.

Die Höhe der Auszahlung des Pflegetagegeldes hängt wie auch bei der gesetzlichen Pflegeversicherung von dem Pflegegrad und der Höhe der monatlich gezahlten Versicherungsbeiträge ab.

Ein Nachweis der erbrachten Leistungen etwa in Form von Rechnungen ist bei der Pflegetagegeldversicherung nicht notwendig. Allerdings sollte bei der Auswahl des Tarifs darauf geachtet werden, dass die Versicherung nicht nur im Pflegeheim, sondern auch bei ambulanter Pflege durch Angehörige oder einen Pflegedienst zahlt.

In der folgenden Tabelle sind die Vor- und Nachteile einer Pflegetagegeldversicherung dargestellt.

Vorteile Nachteile
✔ Beitragshöhe kann individuell angepasst werden ✖ Möglichkeiten von Risikozuschlägen oder Ausschluss bei Vorerkrankungen
✔ Freie Verfügung über finanzielle Mittel ✖ Beitragshöhe kann durch die Versicheurng angepasst werden
✔ Selbständige Festlegung es Leistungsumfangs ✖ Keine Beitragsrückzahlung bei Tod oder vorzeitiger Kündigung

Die Pflegekostenversicherung

Die Pflegekostenversicherung stockt die gesetzliche Pflegeversicherung um einen bestimmten Prozentsatz oder einen vorab festgelegten jährlichen Höchstbetrag auf.

Da kein fester Betrag ausgezahlt wird, ist ein Nachweis der erbrachten pflegerischen Leistungen nötig. Die Versicherten müssen also Rechnungen sammeln und diese der Versicherung vorlegen, um Leistungen zu erhalten.

Allerdings kommt diese Form der Pflegezusatzversicherung nicht für die sogenannten Hotelkosten auf. Die Unterbringung und Verpflegung im Pflegeheim müssen somit eigenständig finanziert werden.

Zudem können die ausgezahlten Beträge nicht frei verwendet werden. Ein Einsatz ist nur für die Leistungen möglich, die auch im Leistungskatalog der gesetzlichen Pflegekasse enthalten und professionell erbracht worden sind. Damit ist die Pflegekostenversicherung nicht für eine Pflege durch Angehörige geeignet.

Die Pflegekostenversicherung stellt somit lediglich eine Aufstockung der Leistungen der gesetzlichen Pflegekasse dar.

In der folgenden Tabelle sind die Vor- und Nachteile einer Pflegekostenversicherung dargestellt.

Vorteile Nachteile
✔ Abdeckung der pflegerischen Kosten auch wenn diese steigen ✖ Pflegerische Kosten müssen mit Rechnungen belegt werden
✔ Gezielte Unterstützung von professioneller Pflege ✖ Finanzielle Mittel können nicht frei verwendet werden
✔ Aufstockung der gesetzlichen Pflegeversicherung ✖ Keine Übernahme von Hotelkosten

Die Pflegerentenversicherung

Die Pflegerentenversicherung funktioniert nicht wie eine klassische Pflegezusatzversicherung, sondern ähnelt im Aufbau eher einer Lebensversicherung.

Dabei wird Kapital angespart, das ausgehend von einer vorab vereinbarten Höhe im Pflegefall ausgezahlt wird. Dabei kann wie bei der Pflegetagegeldversicherung frei über die finanziellen Mittel verfügt werden. Somit ist der Einsatz der Leistungen für eine Pflege zu Hause wie auch im Pflegeheim möglich.

Die Höhe der Leistungen hängt vom Pflegegrad des jeweils Versicherten ab, die Leistungen steigen dabei angepasst an den Pflegegrad.

Auch die Höhe des angesparten Vermögens ist ausschlaggebend für die Zahlung der Leistungen. Dabei wird allerdings ein Mindestbetrag garantiert. Bei einer erfolgreichen Kapitalanalage sind zudem auch Überschusszahlungen möglich, wenn auch nicht garantiert.

In der folgenden Tabelle sind die Vor- und Nachteile einer Pflegerentenversicherung dargestellt.

Vorteile Nachteile
✔ Garantierter Mindestbetrag ✖ Häufig vergleichsweise teuer
✔ Überschusszahlungen möglich ✖ Höhe des finalen Kapitals ist nicht absehbar
✔ Freie Verfügung über finanzielle Mittel ✖ Volle Auszahlung der Mittel erst bei höchstem Pflegegrad

Der Pflege-Bahr

Der Pflege-Bahr steht außerhalb der klassischen Pflegezusatzversicherungen. Benannt nach dem ehemaligen Gesundheitsminister Daniel Bahr lässt sich dieser als geförderte Form des Pflegetagegeldes definieren.

Besonders ist dabei, dass der Gesundheitszustand des Bewerbers bei der Aufnahme in die Versicherung nicht mitberücksichtigt werden darf. Auf diese Weise sollen auch Menschen mit bestehenden Vorerkrankungen, ältere Menschen sowie Menschen mit einem geringeren Einkommen die Möglichkeit zur privaten Pflegevorsorge erhalten.

Ein weiterer Vorteil ist die staatliche Förderung. Wer mindestens einen Beitrag von 10€ im Monat zahlt, wird mit 5€ durch den Staat bezuschusst.

Achtung: Während der Gesundheitszustand bei Abschluss der Versicherung keine Rolle spielen darf, ist es der Versicherung erlaubt, das Alter des Bewerbers zu bewerten und ausgehend davon gegebenenfalls höhere Beiträge zu bemessen.

Außerdem verfügt der Pflege-Bahr nur über einen beschränkten Leistungsumfang und reicht selten aus, um die Versorgungslücke zu schließen.


TIPP

Kombiniert man den Pflege-Bahr mit einer weiteren Pflegezusatzversicherung, kann sowohl die staatliche Förderung genutzt als auch die Lücke der Beihilfe geschlossen werden. Hierfür gibt es spezielle Kombinationsangebote!


Zudem müssen nach Abschluss der Police mindestens 5 Jahre vergehen, ehe auf Leistungen der Versicherung zurückgegriffen werden kann.

Die folgende Tabelle stellt die Vor- und Nachteile des Pflege-Bahr dar

Vorteile Nachteile
✔ Staatliche Förderung ✖ Geringer Leistungsumfang
✔ Geringe Beiträge ✖ Keine Schließung der Versorgungslücke
✔ Keine Prüfung des Gesundheitszustandes ✖ Fünfjährige Wartezeit vor Leistungszahlung nach Vertragsabschluss

Kosten

Die Frage nach den Kosten für eine Pflegezusatzversicherung kann nicht pauschal beantwortet werden. Grund dafür ist, dass die Beitragshöhe von vielen verschiedenen Faktoren wie dem Eintrittsalter und dem Gesundheitszustand des Bewerbers abhängt.

Grundsätzlich gilt, dass die Beitragshöhe für eine Pflegeversicherung mit dem Alter steigt. Ein frühzeitiges Abschließen lohnt sich also.


BEISPIEL

Ein 25-jähriger Mann zahlt bei bester Gesundheit für eine Pflegetagegeldversicherung mit einer vereinbarten Auszahlungshöhe von durchschnittlich 50€ Pflegetagegeld 20€ im Monat, während ein 20 Jahre älterer Mann bei gleichem Gesundheitszustand für die selbe Police 50€ im Monat zahlt.



Worauf sollte beim Abschluss einer Pflegezusatzversicherung geachtet werden?

Bei Abschluss einer Pflegezusatzversicherung gibt es einige Punkte zu beachten. Die wichtigsten hat Wohnen-im-Alter in der folgenden Checkliste zusammengestellt:

  • Versorgungsart: Zahlt die Pflegezusatzversicherung sowohl bei ambulanter als auch bei stationärer Pflege?
  • Wartezeit: Muss nach Vertragsabschluss zuerst eine festgelegte Zeitspanne verstreichen ehe die Leistungen der Versicherung in Anspruch genommen werden können?
  • Demenz-Versicherung: Sichert der Tarif auch die Pflege bei Demenz mit ab?
  • Leistungsumfang: Ist der gesetzliche Leistungskatalog Basis der Versicherung oder gehen die Leistungen im Pflegefall darüber hinaus?
  • Beitragspause: Sind Beitragspausen möglich oder entfällt der Versicherungsschutz, sobald die Prämie nicht mehr gezahlt wird?
  • Beiträge im Pflegefall: Müssen auch im Pflegefall weiterhin die monatlichen Beiträge gezahlt werden?
  • Pflege im Ausland: Zahlt die Versicherung auch bei einer Pflege im Ausland?

Insgesamt gibt es eine große Auswahl an Tarifen für Pflegezusatzversicherungen von verschiedenen Versicherern. Für Laien ist es dabei nicht immer leicht, sich durch den Versicherungsdschungel zu kämpfen. Daher ist es ratsam, sich von einem unabhängigen Versicherungsexperten beraten zu lassen, um die Police zu finden, die bestmöglich passt.


Auch wenn die Pflegezusatzversicherung gerade von jungen Menschen gerne hintenangestellt wird, sollte sie spätestens im Rahmen der Altersvorsorge abgeschlossen werden.

Im Pflegefall lohnt sich eine abgeschlossene Pflegezusatzversicherung. Auf diese Weise kann die Kostenlücke geschlossen werden ohne das persönliche Vermögen oder die Immobilien anzurühren oder die Kinder mit dem Elternunterhalt zur Kasse zu bitten.


Hat Ihnen der Artikel gefallen?