Barrierefreies Bad: Ausstattung, Kosten und Förderung

Barrierefreies Bad

Für pflegebedürftige oder behinderte Menschen und deren Angehörigen kann die tägliche Körperpflege zu einer Belastung werden, wenn das Bad nicht barrierefrei ausgestattet ist. Das Bad muss so umgebaut werden, dass die Pflege problemlos durchgeführt werden kann.

Ein Bad altersgerecht umbauen bedeutet heutzutage nicht, dass das barrierefreie Bad am Ende aussieht wie im Pflegeheim oder Krankenhaus. Durch die Umbauten wird das Bad sehr modern und bietet einen hohen Wohnkomfort, weshalb sich heutzutage meist schon junge Leute dazu entschließen, das Bad barrierefrei zu gestalten.

Welche Möglichkeiten zur barrierefreien Badausstattung gibt es? Wie steht es mit den Kosten? Eignet sich das eigene Bad überhaupt zum barrierefreien Umbau? Und gibt es Zuschüsse und Förderungen? Darüber informiert der Wohnen-im-Alter Ratgeber.

Der Badumbau-Ratgeber:


Definition Barrierefreies Bad

Was bedeutet Barrierefreiheit?

In den letzten Jahren rückte das Thema Barrierefreiheit im Wohnraum immer mehr in den Fokus. Gerade die demographische Entwicklung in Deutschland, die bis 2050 fast eine Verdreifachung der 80-Jährigen prognostiziert, verstärkt die Zahl der barrierefreien Umbaumaßnahmen. Barrierefrei bedeutet, dass jeder Mensch alles im Lebensraum sicher und selbstständig befahren und betreten kann.

Die Herausforderung der barrierefreien Umbaumaßnahmen sind also, alles so zu gestalten, dass ein Mensch in der eigenen Wohnung alt werden kann und er trotz eingeschränkter Mobilität selbstständig leben kann. Beim Barrierefreien Bad wird so beispielsweise auf schwellenlose Türen, einen schwellenlosen Einstieg in die barrierefreie Dusche und vor allem auch auf möglichst viel Fläche zwischen den einzelnen Badobjekten geachtet. Halte- und Stützgriffe sowie Hilfsmittel zum Duschen wie Duschsitze oder rutschfeste Bodenbeläge gehören ebenso zu den Umbaumaßnahmen für ein barrierefreies Bad, auch wenn sie streng genommen kein richtiges Merkmal für Barrierefreiheit darstellen.

Vorteile des barrierefreien Bades:

  • In erster Linie dient das barrierefreie Bad zum Erhalt der Selbstständigkeit bei eingeschränkter Mobilität.
  • Durch die Barrierefreiheit wird ein hohes Maß an Sicherheit sowohl für die pflegebedürftigen Personen als auch für pflegende Angehörige garantiert.
  • Für pflegende Angehörige bedeutet ein barrierefreies Bad, dass sie mehr Zeit haben, da sie nicht bei jedem Gang ins Bad unterstützend zur Seite stehen müssen.
  • Die barrierefreien Bäder sind heutzutage sehr modern, können von Anfang an im Eigenheim integriert werden und können bis ins hohe Alter genutzt werden.
  • Die einfache Bedienung der einzelnen Elemente sorgt für einen hohen Komfort.

Barrierefreie Badausstattung

Beim barrierefreien Bad ist vor allem darauf zu achten, dass die Bewegungsräume groß genug sind, denn häufig sind gerade diese im Bad sehr klein bemessen. Die Grundlagen für barrierefreien Badumbau werden in den DIN-Normen (DIN 18025-1 = Wohnungen für Rollstuhlfahrer, DIN 18025-2=Barrierefreie Wohnungen, DIN 18040-2) festgelegt.

Ein erwachsener Mensch nimmt für das Gehen und Drehen um die eigene Achse bereits eine Bewegungsfläche von 60 x 60 cm ein, währenddessen dies bei Personen mit Gehilfen bereits bei 120 x 120 cm und bei Rollstuhlfahrern bei 150 x 150 cm liegt. Türen sollten in barrierefreien Bädern grundsätzlich nach außen zu öffnen sein, damit auch in Notsituationen ein schneller Zugang möglich ist. Für Rollstuhlfahrer sollten Türen mindesten 90cm breit sein.

Zwischen den einzelnen Sanitärobjekten sowie zur Wand sollte ein Mindestabstand von 20 cm eingehalten werden. Die Fläche für eine barrierefreie Dusche sollte 120 x 120 cm betragen wobei sich diese bei Menschen mit Rollstuhl ebenso wie bei der sonstigen Bewegungsfläche auf 150 x 150 cm erweitert. Für Waschtische eignet sich ein höhenunterfahrbares Modell mit mindestens 80 cm Höhe. Die Toilette sollte in 46 bis 48 cm Höhe montiert werden.

✔ TIPP

Falls die Umbaumaßnahmen so groß sind, dass die Fläche des Bades vergrößert werden muss, ist es sinnvoll einen Architekten hinzuzuziehen. Hierbei kann die Architektenkammer helfen einen passenden Architekten zu finden.


Weitere nützliche Tipps zur barrierefreien Badausstattung:

  • Mit rutschfesten Bodenfliesen, auch in der Dusche, ist ein besserer Halt gewährleistet. Fliesen können aber auch mit einer Anti-Rutsch-Beschichtung rutschfest gemacht werden.
  • Bei Bedarf kann ein Hocker in der Dusche Abhilfe schaffen. Damit ist das Duschen gefahrlos möglich.
  • Haltegriffe und Handläufe sind wichtige Instrumente zur Gefahrenminderung. Damit kann sich die betroffene Person, wenn es nötig ist, jederzeit festhalten. Eine Beratung darüber, wo Haltegriffe ratsam sind, ist auf jeden Fall sinnvoll.
  • Eine gute Beleuchtung ist ebenfalls ein wesentlicher Faktor, der Stürzen vorbeugt.
  • Sowohl stehend als auch sitzend sollte jeder Nutzer bequem an alle Wasserhähne, Lichtschalter und andere wichtige Bedienelemente heranreichen.
  • Der Spiegel über dem Waschtisch sollte mindestens 100cm hoch sein.

Maße im Überblick - Zusammenfassung für barrierefreies Bauen nach DIN 18040-2:

Barrierefrei Rollstuhlgerecht
Bewegungsfläche 120 x 120 cm vor WC, Waschtisch, Badewanne 150 x 150 cm vor WC, Waschtisch, Badewanne
Dusche 120 x 120 cm, kann als Bewegungsfläche mit genutzt werden 150 x 150 cm, kann als Bewegungsfläche mit genutzt werden
WC/Toilette 20 cm zur Wand oder zu anderen Sanitärobjekten 90 cm Bewegungsfläche auf einer Seite, 30 cm Abstand auf der anderen Seite, Sitzhöhe: 46 – 48 cm
Waschbecken Beinfreiraum unter dem Waschtisch Beinfreiraum: 90 cm breit, 55 cm tief Unterfahrbarkeit: 67 cm Einbauhöhe: max. 80 cm Kniefreiraum in Tiefe: 30 cm
Badezimmertür 80 cm lichte Durchgangsbreite 205 cm lichte Durchgangshöhe 90 cm lichte Durchgangsbreite 205 cm lichte Durchgangshöhe

Elemente eines barrierefreien Bades

Barrierefreie Badewanne

Die Möglichkeiten eines Umbaus zur barrierefreien Badewanne sind vielfältig:

  • Wanne zur Dusche

    Wanne zur Dusche

    Insbesondere wenn wenig Platz im Badezimmer vorhanden ist, kann diese einfache Lösung des Umbaus einer Wanne zur Dusche das Leben enorm erleichtern. Dabei wird die Badewanne komplett entfernt und an gleicher Stelle eine barrierefreie Dusche eingebaut. Da hierbei nur die alte Wanne entfernt werden muss und zumeist keine neuen Fliesen benötigt werden, dauert diese Prozedur nur wenige Stunden. Die Fläche, die zuvor von der Badewanne eingenommen wurde, nimmt nun die „Duschwanne“ ein, die allerdings barrierefrei zu erreichen ist.


  • Badewannenlift

    Badewannenlift

    Wer in seiner Bewegung eingeschränkt ist, unterliegt einem erhöhten Unfallrisiko beim Benutzen der Badewanne. Um dies zu vermeiden, kann ein Badewannenlift installiert werden, der den Pflegebedürftigen mühelos und sicher in die Wanne einsteigen lässt, absenkt und wieder hochfährt. Badewannenlifter sind in vielen verschiedenen Ausführungen erhältlich.

    Ein Badewannenlifter gilt als Pflegehilfsmittel, das gleichzeitig eine Verbesserung des Wohnumfelds bewirkt. Er ermöglicht nicht nur dem Pflegebedürftigen, seine Körperpflege so weit wie möglich selbst durchzuführen, er erspart pflegenden Angehörigen oder dem Pflegedienst auch Zeit und Kraft.

    Welche Eigenschaften der Badewannenlift haben muss, entscheidet der behandelnde Hausarzt. Er verordnet das Pflegehilfsmittel und begründet dessen medizinische sowie pflegerische Notwendigkeit.


  • Badewanne mit Tür

    Badewanne mit Tür

    Falls beim Einsteigen und Aussteigen in die Badewanne Schwierigkeiten bestehen eignet sich eine Wanne, die zum Ein- und Aussteigen seitlich eine Tür hat. Damit muss nur ein sehr geringer Höhenunterschied überwunden werden und die Selbstständigkeit bleibt trotz kleinen körperlichen Einschränkungen erhalten. Sobald sich die Person über die Tür in die Wanne begeben hat, schließt sie die Tür und lässt das Wasser ein, nach dem Ablassen des Wassers kann die Tür wieder geöffnet werden und ein bequemer Ausstieg ist möglich.


  • Sitzbadewanne

    Sitzbadewanne Die Badewanne mit Tür ist unter anderem auch als Sitzbadewanne erhältlich. Hier sitzt die Person, wie der Name schon sagt in der Wanne und durch mehrere Stufen wird das bequeme Sitzen während des Badens ermöglicht. Sie eignet sich also vor allem für Personen, die Schwierigkeiten haben sich selbstständig aus einer Liegeposition aufzurichten. Da sie meist eine geringere Länge besitzt, passt so eine Badewanne auch in kleinere Badezimmer. In einer Sitzbadewanne ist das Baden im herkömmlichen Sinne möglich.

  • Duschbadewanne

    Badewannenlift Die Duschwanne verfügt über dieselben Eigenschaften wie eine Sitz- oder Liegebadewanne, doch ist hier zusätzlich ein Duschbereich integriert, der das Duschen selbstständig ermöglicht und zudem angenehm macht.





  • Badekissen/Badekissenlift

    Das Badekissen ist eine beliebte Alternative zum herkömmlichen Badewannenlift und funktioniert im Prinzip wie eine Luftmatratze. Der Badekissen-Lifter, häufig auch als Aqualift bezeichnet, funktioniert elektrisch, dabei wird der Sitz mit Luft vollgepumpt und luftentleert. Der Badende kann so in der Wanne hoch befördert und abgesenkt werden.

    Der Badewannenkissen-Lift wird meist mit Batterie betrieben und die Kissenhülle ist luftdicht und wasserabweisend. Da die Höhe des Sitzes individuell gesteuert werden kann, sind die Kissen sehr stark auf die persönlichen Bedürfnisse der Nutzer abstimmbar. Durch eine Fernbedienung kann der Badende selbst einstellen welche Sitzposition er einnehmen kann. Da die Badewannenkissen sehr leicht sind und unter 2 kg wiegen, kann das Kissen nach dem Baden leicht aus der Badewanne entfernt und bei Bedarf auch gereinigt werden.

Barrierefreie Dusche

Durch einen barrierefreien Duschbereich wird das Duschen stark erleichtert und ist weitgehend selbstständig möglich. Wenn ein Bad neu gebaut wird, empfiehlt es sich stets einen barrierefreien Duschbereich einzubauen, da es sich später lohnen kann und den Umzug in ein Pflegeheim vermeidet oder verzögert.

Fällt beim barrierefreien Badumbau die Entscheidung auf eine barrierefreie Dusche gibt es zwei Möglichkeiten, dies zu verwirklichen: Der Bereich in der Dusche kann bodengleich gefliest werden oder es erfolgt der Einbau einer bogengleichen Wanne (dies entspricht der Maßnahme „Wanne zur Dusche“). Eine Kombination aus beidem ist möglich, wobei hier eine bodengleiche Duschwanne eingebaut und der Rest der Fläche gefliest wird.

Anforderungen, die sich an einen barrierefreien Duschbereich ergeben:

  • Der Duschplatz sollte möglichst eine Fläche von 120 x 120 cm haben, für Rollstuhlfahrer sogar 150 x 150 cm. Sollte der Bereich für diese Größe zu klein sein, kann eine individuellere Lösung von einem erfahrenen Sanitärbereich weiterhelfen.
  • Der Duschbereich sollte bodengleich und somit barrierefrei gestaltet sein. Die DIN 18040 hält eine maximale Absenkung von 2 cm zum angrenzenden Bodenbereich für tolerierbar.
  • Falls Duschwände eingebaut werden sollten diese flexibel nach außen und innen zu öffnen sein.
  • Für die Benutzung eines Duschklappsitzes muss die Wand so konstruiert sein, dass eine Nachrüstung möglich ist. Der komplette Duschbereich sollte so konstruiert werden, dass bei Bedarf problemlos eine Badewanne eingebaut werden kann.
  • Bei der Planung des bodengleichen Duschbereichs ist der Anschluss an das vorhandene Abflusssystem zu beachten. Da immer ein entsprechendes Gefälle der Abflussleitung für eine sichere Funktion notwendig ist, muss dieser Punkt im Voraus geklärt werden.

Barrierefreier Waschtisch

Der Waschtisch sollte so gebaut werden, dass das Waschen, Rasieren, Schminken und Zähne putzen nicht nur im Stehen sondern auch im Sitzen möglich ist. An den Armaturen sollte ein Verbrühschutz integriert sein. Oftmals können hier Armaturen aus dem Küchenbereich helfen, da diese nicht nur größer sind sondern auch oft eine ausziehbare Wasserbrause besitzen.

Es kann ein großer Vorteil für die Selbstständigkeit sein ein unterfahrbares, barrierefreies Waschbecken zu haben. Dies sollte dann in mindestens 80 cm Höhe montiert werden. Rund um das Waschbecken herum sind Ablageflächen sinnvoll und die Spiegel sollten in einer Höhe montiert sein, wo sich die betroffene Person auch vom Sitzen aussieht. Der Spiegel sollte insgesamt mindestens 100 cm hoch sein.

Barrierefreies WC

Das barrierefreie WC sollte in individuell angepasster Höhe angebracht werden. Damit kann ein leichteres Umsetzen für Rollstuhlfahrer erfolgen. Die DIN 18040-2 sieht jedoch eine Sitzhöhe von mindestens 46-48cm vor, welche allerdings für Rollstuhlfahrer nicht geeignet ist. Es gibt mittlerweile höhenverstellbare Toiletten, deren Einsatz sich lohnen kann.

Die notwendige Bewegungsfläche vor WCs beträgt 120x120cm bzw. für Rollstuhlfahrer 150x150cm. Der Abstand zwischen WC und Waschtisch sollte mindestens 20 cm betragen. Rechts und links neben dem WC sollten in 28cm über der Sitzhöhe Haltegriffe angebracht werden sowie eine Rückenstütze im Abstand von 55cm hinter der Vorderkante des WC-Beckens.


Kosten

Die Kosten für ein barrierefreies Bad hängen stark vom Umfang der Umbaumaßnahmen ab. Werden nur Stütz- und Haltegriffe und Badekissen eingebaut dann reichen schon 100 bis wenige 1000 Euro für diese Maßnahmen aus. Eine Komplettbadsanierung eines kleinen 6 Quadratmeter Bades bei mittlerer Ausstattung beträgt ca. 8000 Euro, bei 7 Quadratmeter sind es durchschnittlich bereits 10.000 Euro.* Dies ist allerdings nur ein Durchschnittswert, der sehr variabel und individuell ausfallen kann. Bei gehobener Ausstattung zum Beispiel steigt der Preis um ein Vielfaches an. Die finalen und damit tatsächlichen Kosten hängen neben der Badgröße und Qualität auch von den regional unterschiedlichen Stundenlöhnen ab. Bei einer Badrenovierung kann jedoch grob gesagt werden, dass ca. 60 % für Materialkosten und 40 % für Handwerker- und Installationskosten angesetzt werden können.

Durchschnittliche Kosten im Überblick
Umbaumaßnahme Kosten
Komplettbadsanierung, 6 Quadratmeter Bad ca. 8000 Euro
Klassischer Badewannenlift Die günstigen Modelle gibt es bereits ab 350 Euro; die teuren Modelle kosten bis zu 900 Euro.
Badewannenkissen Beim Badekissen liegen die Preise zwischen 1000 Euro und 1500 Euro.
Sitzbadewanne Ohne Montage liegen die Kosten bei etwa 1000 - 3000 Euro.
Wanne zur Dusche 2000 - 5500 Euro
Barrierefreie Dusche mit neuen Fliesen: ab ca. 5000 Euro

*Dabei handelt es sich um eine Komplettbadsanierung mit dem Einbau einer barrierefreien Dusche, die Montage eines höhenangepassten WCs mit Stützgriffen, Montage eines flachen Waschtisches mit Beinfreiraum, rutschfester Bodenbelag, Maler-, Fliesen-, Elektro- und Heizungsarbeiten.


Zuschüsse und Förderung

Ein barrierefreies Bad ist mit höheren Kosten im Vergleich zu einem herkömmlichen Badezimmer verbunden. Doch bei vorhandener Pflegestufe (ab dem 01.01.2017 gelten die neuen Pflegegrade) werden alle barrierefreien Lösungen im Bad als wohnumfeldverbessernde Maßnahme angesehen und werden somit durch Krankenkassen, Pflegekassen oder die Bundesländer gefördert.

Kranken- und Pflegekasse

Die Pflegekasse gewährt beim Umbau eines barrierefreien Bades bis zu 4000 Euro Zuschuss. Diese Zuschüsse werden ohne einen Eigenanteil des Pflegebedürftigen gewährt. Falls nicht der komplette Betrag von 4000 Euro für eine Maßnahme verwendet wird, verfällt der Rest nicht, sondern kann für andere Anpassungen genutzt werden. Wohnen mehrere Pflegebedürftige zusammen, kann jeder den vollen Förderbetrag von bis zu 4.000 Euro für die Anpassung des gemeinsamen Bades erhalten. Als Obergrenze gilt in diesem Fall ein Betrag von bis zu 16.000 Euro.

Info: Als „eine Maßnahme“ gelten zum Teil verschiedene Einzelmaßnahmen innerhalb einer Pflegesituation auch wenn mit diesen unterschiedliche Ziele erreicht werden. Insofern sich die Pflegesituation ändert und weitere Maßnahmen notwendig werden, werden neue Zuschüsse gewährt.

✔ TIPP

Um den Zuschuss zu erhalten, sollte dieser vor Beginn der veränderten Maßnahme mit einem Kostenvoranschlag bei der Pflegekasse beantragt werden. Wichtig: Kein Baubeginn vor Antragsstellung!


Die Krankenkasse stellt bei Beantragung Hilfsmittel, wie zum Beispiel Haltegriffe neben dem WC, Boden-Decken-Stangen, einen Badewannenlift oder ein Duschstuhl zur Verfügung. Um diese Hilfsmittel zu erhalten muss sie der Arzt verschreiben, dann kann ein Antrag für Zuschüsse oder Kostenübernahme bei der Krankenkasse gestellt werden.

Wie kann der Pflegekostenzuschuss beantragt werden?

Der Antrag auf Zuschuss wird direkt durch den Pflegebedürftigen bei seiner Pflegekasse, die seiner Krankenkasse angegliedert ist, gestellt. Abhängig vom Einkommen des Antragstellers und der Umbaukosten wird ermittelt, ob und in welcher Höhe der Zuschuss gewährt wird. Falls ein Mietverhältnis besteht ist die Zustimmung des Wohnungseigentümers oder Vermieters nötig um den Umbau beginnen zu können. Unter Umständen ist auch eine Genehmigung der Baubehörde nötig. Für die Zustimmung und Genehmigung ist der Antragsteller verantwortlich. Durch eine Vollmacht kann eine Vertrauensperson beauftragt werden.

Die benötigten Formulare sind häufig auf der Internetseite der Pflege-und Krankenkasse oder direkt in deren Geschäftsstellen erhältlich. Inwiefern die Voraussetzungen für eine Bezuschussung erfüllt sind, wird in jedem Fall auch noch einmal durch den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) geprüft. Für die Beurteilung des MDK können auch Skizzen über den Zustand vorher und nachher bzw. Fotos hilfreich sein. Der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) spricht eine Empfehlung für die Verbesserung des individuellen Wohnumfelds aus und gibt diese an die Pflegekasse weiter. Die Pflegekasse nimmt dann Kontakt zur Beratung mit dem Antragssteller auf.

Eine ärztliche Verschreibung ist für den Pflegekostenzuschuss nicht erforderlich. Wichtig ist in jedem Fall vor Beginn des Umbaus den Zuschuss zusammen mit einem Kostenvoranschlag zu beantragen. Die Pflegekasse darf nur Zuschüsse genehmigen, wenn kein anderer Leistungsträger (Beispiel: Versorgungsamt, Unfallversicherungsträger) diese zu erbringen hat. Die Bearbeitung erfolgt schnellstmöglich und unverzüglich. Voraussetzung für eine zügige Bearbeitung ist, dass alle nötigen Unterlagen (z. B. Kostenvoranschläge etc.) vorliegen. Zusätzlich prüft der MDK die Notwendigkeit der baulichen Maßnahmen.

KfW-Bank

Die staatliche KfW-Bank bietet mit den Programmen 159 und 455 „Altersgerecht Umbauen“ eine Förderung für barrierefreie Bäder an. Das Programm 159, welches bei der Hausbank beantragt wird, beinhaltet einen Kredit, beim Programm 455 wird ein Investitionszuschuss von 12,5% der verbleibenden Kosten gewährt. Dieses wird direkt bei der KfW-Bank beantragt.

Programm 155 = Kredit Programm 455 = Zuschuss
Ab 0,75 % effektiver Jahreszins Bis zu 12,5 % der förderfähigen Kosten
Bis zu 50.000 Euro Kredit pro Wohneinheit Maximal 6.250 Euro pro Wohneinheit

➤ Person ist Eigentümer oder Vermieter einer Immobilie oder Eigentumswohnung

➤ Person ist Ersterwerber einer sanierten Immobilie oder Eigentumswohnung

➤ Person ist in einer Wohnungseigentümergemeinschaft

➤ Person ist Eigentümer eines Ein- oder Zweifamilienhauses mit maximal 2 Wohneinheiten

➤ Person ist Ersterwerber eines sanierten Ein- oder Zweifamilienhauses oder einer sanierten Wohnung

➤ Person ist Mitglied einer Wohnungseigentümergemeinschaft aus Privatpersonen

➤ Person ist Mieter (mit Zustimmung des Vermieters zu den Umbaumaßnahmen)

Weitere Informationen gibt es auf www.kfw.de

Zwingend ist hierbei die Einhaltung der DIN-Norm 18040-2 oder der Mindestanforderungen für barrierefreies Bauen der KfW-Bank. Die Förderung durch die KfW-Bank ist altersunabhängig.

Für die Förderung der KfW-Bank stehen jährlich Beträge zur Verfügung. Sobald diese aufgebraucht sind, werden für das laufende Jahr keine weiteren Anträge durch die KfW-Bank angenommen. Deshalb ist es wichtig, den Antrag so früh es geht zu stellen. Nach einem Beschluss des Bundestages sind für 2017 wieder Zuschüsse und Kredite bei der KfW-Bank möglich.

Wie kann der KfW Investitionszuschuss beantragt werden?

Ein Antrag kann über das KfW-Zuschussportal gestellt werden und ist zwingend vor Beginn der Umbaumaßnahmen durchzuführen. Dazu kann auch ein Bevollmächtigter den Antrag stellen.

Zur Antragstellung sollten folgende Informationen vorliegen:
  • Kopie der Vollmacht zur Antragsstellung wenn der Zuschussempfänger vom Antragssteller abweicht oder eine Wohnungseigentümergemeinschaften (WEG) besteht. Dazu ist ebenfalls eine Liste der antragstellenden Eigentümer (natürliche Personen) mit Namen, Anschrift, Geburtsdatum (nur angeben, wenn ein Eigentümer mehr als 25 % der Miteigentumsanteile auf sich vereint) notwendig.
  • Bei Vermietung der zu fördernden Wohneinheiten: die Bescheinigungen über bereits erhaltene Beihilfen aus dem laufenden und den 2 vergangenen Kalenderjahren. Folgende Informationen werden aus der Bescheinigung benötigt:
    • Beihilfegeber
    • Beihilfewert
    • Bewilligungsdatum
    • Aktenzeichen

Sobald die Zusage zur Förderung der KfW-Bank eingegangen ist, können die Baumaßnahmen begonnen werden. Über das KfW-Zuschussportal werden die Gesamtkosten vom Antragssteller erfasst. Wichtig: Die Gesamtkosten müssen durch Rechnungen belegt werden! Hierbei muss auch die Einhaltung der DIN-Normen betätigt werden. Dies kann über ein weiteres Formular der KfW-Bank geschehen. Anschließend wird der Investitionszuschuss ausgezahlt.

Landesförderprogramm und kommunale Förderprogramme

Jedes Bundesland hat eigene Regelungen zur Förderung für barrierefreie Umbauten. Die Zuschüsse variieren je nach Standort und Maßnahmen und sind recht komplex. Hierbei lohnt sich ein Blick auf das Bundesministerium für Arbeit und Soziales.

Es gibt auch kommunale Förderprogramme. Dazu muss beim örtlichen kommunalen Amt nachgefragt werden. Sowohl die Landesförderprogramme als auch kommunale Förderprogramme bedingen ebenso wie die KfW-Bank die Umbauten strikt nach den DIN-Normen auszurichten.

Stiftungen

Die Zuschüsse von Stiftungen orientieren sich nicht an den DIN-Normen sondern an dem jeweiligen, notwendigen Bedarf. Bei der Auswahl der Stiftung sollte darauf geachtet werden, ob die Stiftung solch eine Baumaßnahme überhaupt fördert oder nur ein bestimmter Personenkreis, wie beispielsweise Rollstuhlfahrer, angesprochen werden. Es sollte auf jeden Fall eine Begutachtung durch eine Beratungsstelle stattfinden, die den Umbau befürwortet.

Sozialhilfeträger

Empfänger von Arbeitslosengeld oder Grundsicherung können beim Jobcenter oder dem Amt für Grundsicherung einen Antrag auf behindertengerechten Umbau stellen. Schriftliche Kostenvoranschläge sind notwendig, wobei die anderen Kostenträger Vorrang haben. Es muss ein Nachweis vorliegen, dass keine andere barrierefreie Wohnung zur Verfügung steht. Ein Mitarbeiter des örtlichen Gesundheitsamtes muss den Bedarf bestätigen.

✔ TIPP: Altersgerechter Umbau von der Einkommenssteuer absetzen

Beim Vorliegen bestimmter Voraussetzungen können nach Paragraph 33 EstG die Kosten für den altersgerechten Umbau der Wohnung von der Einkommenssteuer abgesetzt werden. Grundsätzlich muss der Antragsteller oder das Familienmitglied seine Schwerbehinderung nachweisen und vor Beginn der Baumaßnahmen ein ärztliches Attest, unter gewissen Umständen sogar ein amtsärztliches Attest vorlegen. Auch hier gilt, die notwendigen Informationen stets vor Baubeginn einzuholen, und die Baumaßnahme vom zuständigen Finanzamt vorher als außergewöhnliche Belastung für die Einkommenssteuererklärung anerkennen zu lassen.


Weitere Kostenträger einer solchen Maßnahme können die Pflegeversicherung, das Integrationsamt, aber auch die Deutsche Rentenversicherung oder die Berufsgenossenschaft sein, falls die Pflegebedürftigkeit oder Behinderung durch einen Arbeitsunfall zustande gekommen ist.

Adressen barrierefreier Umbau

Über die Möglichkeiten des barrierefreien Umbaus beraten die örtliche Wohnberatung oder auch Seniorenberatung. Die regionalen Pflegestützpunkte bieten ebenfalls eine Wohnberatung im Pflegefall an. In vielen Kommunen gibt es inzwischen Seniorenberatungsstellen. Eine weitere gute Adresse für die Beratung sind die örtlichen Verbraucherzentralen. Vor dem Beginn eines solchen Projektes ist es zwingend ratsam Informationen darüber einzuholen und zusammenzutragen. Nur so kann gut geplant werden und der Badumbau nachhaltig funktionieren.

Egal welcher Kostenträger letztlich in Frage kommt, ist Folgendes in jedem Fall unabdingbare Voraussetzung für die Bewilligung von Zuschüssen oder Krediten: Mit der Baumaßnahme darf niemals vor der Antragstellung begonnen werden!



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