Anleitung: Wie man ein Pflegetagebuch richtig führt

In einem Pflegetagebuch wird festgehalten, wie viel Zeit Sie täglich für die Pflege Ihres Angehörigen benötigen. Dazu gehören die Unterstützung bei der Körperpflege, Bewegung, Ernährung, Darm- und Blasenentleerung sowie die Versorgung im Haushalt.

Medizinische Behandlungen wie Verbandwechsel oder Gabe von Medikamenten müssen Sie dagegen nicht notieren.

Das Pflegetagebuch ist eine entscheidende Hilfe für den Gutachter des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK). Um die Pflegebedürftigkeit Ihres Angehörigen umfassend einschätzen zu können, reicht ein Besuch nicht aus. Die Dokumentation des täglichen Pflegeaufwands ist daher unerlässlich.

Eine Vorlage für ein Pflegetagebuch können Sie hier herunterladen:



Zeitaufwand bei der Pflege durch einen Laien

Ein Laie pflegt anders als eine professionelle Pflegekraft. Halten Sie die Zeiten für sämtliche Pflegetätigkeiten bis auf die Minute genau fest. Wenn Sie den Pflegeaufwand nur schätzen, können Sie sich schnell vertun. Außerdem machen ungenaue Angaben keinen guten Eindruck auf den Gutachter des MDK.Um eine realistische Pflege-Einstufung vornehmen zu können, muss er wissen, wie viel Zeit Sie für die Unterstützung der einzelnen Verrichtungen des Pflegebedürftigen brauchen.

Damit Sie das Pflegetagebuch korrekt ausfüllen, finden Sie in den entsprechenden Vorlagen Anleitungen zur Art, Zeit und Dauer des Hilfebedarfs. Außerdem sind Orientierungswerte angegeben, die durch das XI. Sozialgesetzbuch vorgeschrieben sind. Wenn Sie mehr Zeit aufgrund pflegeerschwerender Faktoren wie starkes Übergewicht, mangelhafte Beweglichkeit oder fehlende Kooperationsbereitschaft brauchen, müssen Sie dies notieren.

Wie werden Pflegezeiten erfasst?

Die Pflegezeiten setzen sich aus den Pflegetätigkeiten bei der Körperpflege, Mobilität, Ernährung und Hauswirtschaft zusammen. Für jeden einzelnen Vorgang innerhalb dieser Bereiche sind bestimmte Zeiten vorgegeben, daher müssen Sie alles separat erfassen.

  • Die Körperpflege beinhaltet Waschen, Duschen, Haarewaschen, Kämmen, Zahnpflege, Gesichtspflege inklusive Rasieren und Darm-/Blasenentleerung. Für eine Ganzkörperwäsche sind zum Beispiel 20 bis 25 Minuten vorgesehen
  • Unter Mobilität versteht man Aufstehen und Zubettgehen, An- und Auskleiden, Gehen und Treppensteigen, Verlassen und Wiederaufsuchen der Wohnung. Für das gesamte Ankleiden werden zum Beispiel 8 bis 10 Minuten berechnet
  • Die Ernährung umfasst alle Tätigkeiten, die sich um die mundgerechte Zubereitung und Aufnahme der Nahrungsmittel drehen. Auch die Versorgung mit Sondenkost zählt dazu. Für eine normale Hauptmahlzeit werden zum Beispiel 15 bis 20 Minuten veranschlagt
  • Die hauswirtschaftliche Versorgung beinhaltet Einkaufen, Kochen, Wohnungsreinigung, Spülen, Wechseln und Waschen der Kleidung sowie das Beheizen der Wohnung. Hier sind keine Orientierungszeiten vorgegeben, da die Bedingungen in jedem Haushalt unterschiedlich sind.

Jeder Vorgang wird noch einmal in einzelne Verrichtungen unterteilt. Dies ist sicher ungewohnt, wenn Sie bisher noch kein Pflegetagebuch geführt haben. Lassen Sie sich bei Bedarf von einem Pflege-Berater unterstützen.

Formen der Hilfeleistung

Hilfeleistungen können recht unterschiedlich aussehen und daher mehr oder weniger Zeit kosten. Sie müssen im Pflegetagebuch also ebenfalls notieren, in welcher Form Sie Ihren Angehörigen zum Beispiel beim Essen unterstützt haben. Wenn Sie die Nahrung nur in mundgerechte Stücke zerschneiden müssen, braucht diese Tätigkeit weniger Zeit, als wenn Sie Ihrem Angehörigen das Essen anreichen. Der Gesetzgeber unterscheidet zwischen fünf Formen der Hilfeleistungen:

U für Unterstützung

  • U müssen Sie im Pflegetagebuch ankreuzen, wenn Ihr Angehöriger eine Tätigkeit noch selbst durchführen kann, jedoch Unterstützung bei der Vor- oder Nachbereitung benötigt. Beispiel: Der Pflegebedürftige kann zwar allein duschen, braucht jedoch Ihre Hilfe beim Einrichten des Duschhockers, Bereitlegen der Duschutensilien sowie Handtücher und beim Aufräumen nach dem Duschen

TÜ für Teilweise Übernahme

  • Teilweise Übernahme bedeutet, wenn Ihr Angehöriger eine Verrichtung nur teilweise selbstständig erledigen kann und Ihre Hilfe zur vollständigen Durchführung benötigt.

VÜ für Vollständige Übernahme

  • Diese Form der Hilfeleistung beinhaltet die komplette Verrichtung einer Tätigkeit, wenn der Pflegebedürftige nicht mehr in der Lage ist, sie eigenständig auszuführen. Dies sollte jedoch nur geschehen, wenn es gar nicht mehr anders möglich ist.

A für Anleitung

  • Diese Art der Hilfestellung soll den Pflegebedürftigen zu einer Verrichtung anleiten und motivieren.

B für Beaufsichtigung

  • Durch eine Beaufsichtigung wird die selbstständige und vollständige Ausführung einer Tätigkeit durch den Pflegebedürftigen kontrolliert und abgesichert. Dies gilt vor allem für Aktivitäten mit Verletzungsgefahren, wie sie beim Rasieren oder Kochen auftreten können.

Ziele von Anleitungen und Beaufsichtigungen

Die beiden Hilfsformen Anleitung und Beaufsichtigung sind besonders für geistig und seelisch Behinderte, psychisch Kranke und geistig verwirrte Menschen erforderlich. Dabei sollen vorhandene Fähigkeiten erhalten und gefördert werden. Unsachgemäßer Umgang mit Wasser, Strom oder offenem Feuer soll vermieden werden. Ängste und Aggressionen sollen abgebaut und die Orientierungsfähigkeit unterstützt werden.

✔ TIPP

Die aktivierende Pflege ist immer der Übernahme von Tätigkeiten vorzuziehen. Zur aktivierenden Pflege zählen die Hilfsformen der Anleitung, Beaufsichtigung und Unterstützung. Die aktivierende Pflege fördert die Selbständigkeit und Gesundheit des Pflegebedürftigen. Für die aktivierende Pflege wird mehr Zeit benötigt als für die Hilfsform der Übernahme. Aktivierende Pflege kann in einigen Fällen zu einer höheren Pflegestufe führen.


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