Demenz: Finanzierung Betreuung und Pflege

Mit Einführung des Pflegeneuausrichtungsgesetzes PNG wurden die finanziellen Leistungen für Demenzkranke erhöht. Trotzdem reichen die Mittel der Pflege- und Krankenkassen meist nicht aus, um entstehende Kosten abzudecken. Dies ist der Fall, wenn beispielsweise vermehrter Beaufsichtigungsbedarf besteht und Tagespflege oder eine 24-Stunden-Pflege erforderlich werden. Deshalb wird die Pflegeversicherung als „Teilkasko-Versicherung“ bezeichnet. Die Finanzierung der Versorgung Demenzkranker muss gut überlegt werden und Sie sollten Ihre Ansprüche kennen.

 

Pflegeneuausrichtungsgesetz PNG

Das PNG verbessert vor allem die Unterstützung Demenzkranker: Im Rahmen der Pflegestufenbegutachtung wird geprüft, ob eine sogenannte eingeschränkte Alltagskompetenz vorliegt. Gemeint ist, ob Personen zusätzliche Unterstützung benötigen, um ihren normalen Lebensalltag zu meistern. Dies ist bei Fortschreiten einer Demenzerkrankung der Fall. So haben Sie Anspruch auf zweckgebundenes Betreuungsgeld. Je nach Schwere der Demenz beträgt dies 100 bzw. 200 Euro monatlich. Werden Leistungen durch einen Pflegedienst ausgeführt, entscheiden Sie selbst, in welchem Rahmen die Pflege erbracht werden soll. Sie können bestimmte Leistungen wie beispielsweise die morgendliche Körperpflege vereinbaren oder ein bestimmtes Zeitkontingent. So besteht die Sicherheit, dass Pflegekräfte eine bestimmte Zeitspanne bei dem erkrankten Menschen vor Ort sind und sich um ihn kümmern. Dadurch besteht mehr Spielraum, auf die Tagesform der demenzkranken Person einzugehen. Auch erhalten Demenzkranke einen erhöhten Satz an Pflegegeld bzw. Pflegesachleistungen.

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Pflegestufe 0

Laut Pflegeversicherung sind Menschen pflegebedürftig, wenn sie einen regelmäßigen, zeitlich messbaren Pflegebedarf haben. Bei Pflegestufe 1 sind dies 90 Minuten Unterstützungsbedarf täglich. Demenzkranke können oft ihre Körperpflege unter Anleitung oder Beaufsichtigung selbständig durchführen. Anleitung oder Beaufsichtigung werden nicht als „Pflegeminuten“ angerechnet. Wird durch den Medizinischen Dienst eingeschränkte Alltagskompetenz festgestellt, wird automatisch die Pflegestufe 0 zugestanden. Das bedeutet, dass Sie entweder 123 Euro Pflegegeld monatlich erhalten oder im Wert von bis zu 231 Euro Leistungen eines Pflegedienstes übernommen werden (Pflegesachleistungen). Auch besteht der Anspruch, dass Ihr Angehöriger während Ihres Urlaubs oder wegen Verhinderung vorübergehend in einem Altenheim versorgt werden kann.

Bei Pflegestufe 0 zahlt die Pflegeversicherung seit dem 01.01.2015:

  • Häusliche Pflege: 123 Euro Pflegegeld und maximal 231 Euro Pflegesachleistung im Monat
  • Tagespflege 231 Euro pro Monat
  • Kurzzeitpflege/Verhinderungspflege 1.612 Euro pro Jahr
  • Vollstationäre Pflege: keine Kosten-Übernahme der Pflegeversicherung bei Pflegestufe 0

Mehr Informationen zu den Pflegestufen

Pflegezusatzversicherung

Seit Einführung des PNG werden private Pflegezusatzversicherungen mit monatlich 5 Euro gefördert. 5 Euro erhält, wer eine zusätzliche Pflegeversicherung vor Eintritt einer Pflegebedürftigkeit abschließt. Dadurch soll die persönliche Vorsorge gefördert werden. Der Eigenanteil muss mindestens 10 Euro monatlich betragen. Gezahlt wird ein Pflegetage- oder -monatsgeld.

Für wen lohnt sich der Pflege-Bahr?

 

Elternunterhalt

Laut Gesetz sind Ehepartner und Verwandte ersten Grades verpflichtet, sich gegenseitig Unterhalt zu zahlen. Reichen Rente und Leistungen der Pflegekasse für Pflege- und Betreuungskosten nicht aus, können Unterhaltszahlungen für pflegebedürftige Eltern gefordert werden. Maßgeblich ist das Einkommen und Vermögen der Kinder. Pflegeleistungen werden als Unterhalt angerechnet. Kinder, die ihre Eltern pflegen oder betreuen, können von der Unterhaltspflicht befreit werden.  

Elternunterhalt: Wann müssen Kinder zahlen?

 

Sozialhilfe

Unterstützungsmöglichkeiten durch die Sozialhilfe sind die „Hilfe zur Pflege“ oder die Grundsicherung. Die Grundsicherung wird gewährt für Menschen, die über 65 oder krankheitsbedingt dauerhaft arbeitsunfähig sind. Menschen mit Demenz haben Anspruch auf Hilfe zur Pflege, wenn Rente und Pflegeversicherung für Betreuung und Pflege nicht ausreichen. Die Finanzierung umfasst die ambulante, stationäre und teilstationäre Versorgung Bedürftiger. Teilstationär bedeutet, dass der Pflegebedürftige beispielsweise nur den Tag oder die Nacht in einer Pflegeeinrichtung verbringt. Kosten für Pflegehilfsmittel, Tages- und Nachtpflege oder finanzielle Unterstützung bei dem Umzug in ein Pflegeheim werden übernommen, auch wenn keine Pflegestufe besteht. Vor Bewilligung wird durch das Sozialamt das Vermögen der Antragsteller und der Elternunterhalt geprüft.

Mehr Informationen zur Hilfe zur Pflege

 

Neuer Pflegebedürftigkeitsbegriff ab 2017

Seit Einführung der Pflegeversicherung 1995 war der Begriff der Pflegbedürftigkeit umstritten. Dieser ist entscheiden dafür, ob ein Pflegebedürftiger Leistungen aus der Pflegekasse erhält. Die Leistungshöhe wurde bisher durch die 3 Pflegestufen bestimmt.  Entscheidend bei der „Pflegebedürftigkeit im Sinne des Gesetzes“ war bisher nicht, wie schwer eine Krankheit oder eine Einschränkung ist, sondern welcher Hilfebedarf in Bezug auf die „gewöhnlichen und regelmäßig wiederkehrenden Verrichtungen im täglichen Leben“ (§14 Abs. 1SGB XI) besteht. Für die Pflegestufe wurde bisher nur der Zeitaufwand der Pflege und Betreuung ermittelt. Menschen mit einer eingeschränkten Alltagskompetenz (z.B. Demenz) erhalten deshalb oft keine Pflegestufe. Die zeitbezogenen Pflegestufen führte zur Minuten-Pflege auch “Satt-und-Sauber-Pflege” genannt, welche die Betreuung und der Erhalt der Eigenständigkeit des Pflegebedürftigen vernachlässigten. Ein neuer Pflegebedürftigkeitsbegriff soll voraussichtlich 2017 kommen. Dieser könnte deutlich Leistungsverbesserungen besonders bei eingeschränkter Alltagskompetenz bringen. So soll in Zukunft nicht mehr 3 Pflegestufen sondern 5 Pflegegrade geben:

Erfahren Sie mehr über die 5 Pflegegrade

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