Pflege im Ausland - eine Alternative?

Den Lebensabend bei Sonnenschein unter Palmen verbringen – der Traum vieler deutscher Senioren. Doch gerade im Pflegefall scheuen viele davor zurück, so weit vom gewohnten Umfeld entfernt zu leben. Dabei ist die Pflege im Ausland häufig sogar intensiver und günstiger als in Deutschland.

Wohnen im Alter hat die größten Fragen rund um das Thema Pflege im Ausland zusammengetragen und im folgenden Ratgeber aufgearbeitet.


Pflege im Ausland – eine Alternative?

Wird ein Angehöriger zum Pflegefall, steht die Familie häufig einem Dilemma gegenüber. Einerseits ist die Unterbringung des pflegebedürftigen Seniors in einem Pflegeheim sehr teuer und für viele finanziell nicht zu realisieren, andererseits fühlen sich die Angehörigen oftmals der Mammutaufgabe Pflege nicht gewachsen.

Eine mögliche Lösung des Dilemmas kann die Pflege im Ausland sein. Diese ist aufgrund günstigerer medizinischer Versorgung und geringer Lebenshaltungskosten oftmals preiswerter als in Deutschland.

Zudem ist das Auswandern für viele Menschen ein schon während des Berufslebens geträumter Traum, den sie sich nun erfüllen können. Beliebte Länder für die Pflege im Ausland sind vor allem Polen, Spanien und Thailand.

Doch ist die Pflege im Ausland eine echte Alternative? Und welche Möglichkeiten gibt es?

Temporäre Pflege im Ausland

Wer sich im Ausland pflegen lassen möchte, muss dies nicht dauerhaft tun. Die Alternative dabei lautet: Pflegehotels.

In den letzten Jahren haben viele Reiseanbieter und Hoteliers die steigende Nachfrage nach temporären Pflegeplätzen in Urlaubsumgebung bemerkt und reagiert.

So wurde die Möglichkeit für Pflegebedürftige geschaffen, sich temporär unter der warmen Sonne ferner Länder pflegen zu lassen.

Auch haben pflegende Angehörige so nun wieder die Möglichkeit in den Urlaub zu fahren, ohne den pflegebedürftigen Senior zu Hause einem Pflegedienst zu überlassen. Stattdessen werden die alten Menschen rundum medizinisch versorgt und kommen in den Genuss der Vorzüge eines Hotelurlaubs. So wird für beide Seiten eine große Entlastung vom oft stressigen Pflegealltag geschaffen.


TIPP

Pflegehotels bietet die Möglichkeit für Pflegebedürftige und deren Angehörigen einen gemeinsamen Urlaub zu genießen und sich vom Alltag zu erholen.


Ein Vorteil der Pflegehotels ist zudem die gute medizinische Versorgung im Bedarfsfall.

Dauerhafte Pflege im Ausland

Weil die stationäre Pflege in Deutschland zu teuer ist und eine ambulante Versorgung nicht realisiert werden kann, ziehen immer mehr Senioren in Pflegeheime im Ausland. Die Pflege dort kostet häufig 30-50% weniger und ist in vielen Fällen durch die kleine Größe der Pflegeeinrichtungen intensiver.

Inzwischen gibt es auch viele Seniorenheime, die auf bestimmte Krankheiten wie beispielsweise Demenz spezialisiert sind.


TIPP

Gerade in Pflegeeinrichtungen, die auf eine bestimmte Erkrankung spezialisiert sind, findet häufig eine 1:1 Betreuung statt. So haben die pflegebedürftigen Senioren stets einen festen Bezugspunkt und sind bestens aufgehoben.


Wichtig bei einem dauerhaften Umzug in eine ausländische Pflegeeinrichtung ist jedoch auch, dass eine angemessene medizinische Versorgung gewährleistet ist. Während in Großstädten gute Krankenhäuser vorhanden sind, ist die medizinische Versorgung in ländlicheren Gebieten oftmals nicht annähernd mit deutschen Verhältnissen vergleichbar.

Auch sollten mögliche sprachliche Barrieren bedacht werden: Auch wenn vielerorts bereits deutschsprachige Pflegeheime und Seniorenresidenzen existieren, ist im Ausland nicht jeder der deutschen Sprache mächtig. In großen Städten wird zumindest aber oft Englisch gesprochen. Dennoch ist es empfehlenswert, die Sprache des neuen Heimatlandes zu lernen. Nur so kann man sich mit den Einheimischen auf jeden Fall austauschen und in die neue Kultur eintauchen.


Die Pflege im Ausland

Die Pflege im Ausland bietet vor allem in finanzieller Hinsicht viele Vorteile, dennoch sollte man sich im Vorfeld gut über die Kosten und die mögliche Finanzierung informieren, da die Pflegekasse im Ausland nicht immer zahlt.


Kosten

Die Kosten für eine Pflege im Ausland liegen meistens weit unter den Beiträgen, die für ein deutsches Pflegeheim fällig werden würden.

Bei einem vorliegenden Pflegegrad 2 werden monatlich etwa 2.600 € für die stationäre Pflege fällig. In Thailand dagegen fallen lediglich etwa 1.800€ und in Polen nur noch 1.400€ an. Genaue Preise können allerdings nicht pauschal genannt werden, da diese im Ausland wie auch in der Heimat von verschiedenen Faktoren wie dem Standard der Pflegeeinrichtung sowie deren Lage abhängen.

Somit kann ein Lebensabend unter Palmen auch bares Geld sparen. Aber Achtung: Nicht immer gibt es im Ausland finanzielle Unterstützung durch die Pflegekasse.


Finanzierung

Auch wenn Kosten für ausländische Pflegeheime oft weit unter deutschen Verhältnissen liegen, kann der Lebensabend unter Palmen schnell zur Schuldenfalle werden, wenn die Pflegekasse nicht die vollen Leistungen zahlt oder mit Abzügen von der Rente gerechnet werden muss.

Die deutsche Pflegeversicherung ist nicht verpflichtet, die Pflege im Ausland zu bezahlen. Bei einem Leben in einem Mitgliedstaat der EU, der Schweiz oder einem Vertragsstaat des Abkommens über den Europäischen Wirtschaftsraum, zahlt die gesetzliche Pflegeversicherung lediglich das Pflegegeld aus. Bei einem vorübergehenden Aufenthalt von bis zu sechs Wochen im Kalenderjahr, wie beispielsweise einem Urlaub, wird auch in einem anderen Land das Pflegegeld weiter bezahlt.


Höhe des Pflegegeldes
Pflegegrad 1 -
Pflegegrad 2 316€
Pflegegrad 3 545€
Pflegegrad 4 728€
Pflegegrad 5 901€

Wer seinen Wohnsitz dauerhaft ins Ausland verlegt und gegebenenfalls sogar die Staatsangehörigkeit annimmt, kann die jeweilige finanzielle Unterstützung im Pflegefall des neuen Heimatlandes beziehen. Ob und unter welchen Umständen Ansprüche bestehen, sollte man im Vorfeld abklären.

Eine private Pflegeversicherung kann außerdem helfen, die Pflege im Ausland zu finanzieren. Während die gesetzliche Pflegeversicherung im Ausland – wenn überhaupt – nur bedingt leistet, zahlt die private Pflegeversicherung meistens unabhängig vom Wohnsitz des Versicherten.

Die Rente wird jedoch voll ausgezahlt, sofern die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten bleibt. Lediglich gilt es hier zu beachten, dass eventuelle Kursschwankungen nicht ausgeglichen werden.

Genaue Informationen zur Finanzierung der Pflege im Ausland können auch in der gesetzlich vorgeschriebenen Pflegefachberatung erfragt werden.


Checkliste für die Pflege im Ausland


Checkliste für die Pflege im Ausland

Wer plant, sich im Ausland pflegen zu lassen, muss vieles beachten und sollte sich schon im Voraus über Formalitäten und Finanzielles ausgiebig informieren. Hierbei ist eine Checkliste häufig hilfreich. Wohnen im Alter hat einige wichtige Punkte zusammengestellt, die diese enthalten sollte:

  • Pflegeheim: Die Suche nach dem passenden Pflegeheim oder der passenden Seniorenresidenz ist das Herzstück der Planung einer Pflege im Ausland. In den letzten Jahren haben sich viele auf die Pflege im Ausland spezialisierte Agenturen gegründet, die seriöse Seniorenheime außerhalb von Deutschland vermitteln. Auch bei Wohnen im Alter sind solche Angebote zu finden beispielsweise für Polen, Spanien oder Thailand.

  • Pflege: Ist das Seniorenheim in der Lage, die Pflege des Pflegebedürftigen zu stemmen? Ist bei einer speziellen Erkrankung auch das Pflegeheim darauf auslegt, diese zu versorgen? Inzwischen gibt es überall auf der Welt Pflegeheime, die sich auf die Pflege bestimmter Krankheiten ausgerichtet haben. Hierzu gehören unter anderem Dialyse, Intensivpflege oder Demenz.

  • Medizinische Versorgung: Nicht immer ist die medizinische Versorgung im Ausland mit der in Deutschland zu vergleichen. Daher ist es wichtig, sich bereits im Vorfeld zu informieren, ob in der Nähe des künftigen Heims gute Krankenhäuser vorhanden sind oder ein schneller Transport in eines gewährleistet werden kann. Krankenhäuser mit einem hohen medizinischen Standard sind vor allem in Großstädten zu finden.

  • Krankenversicherung: Die deutsche Krankenversicherung gilt nicht überall im Ausland und ist häufig auch nur für eine begrenzte Dauer gültig. Über diese Modalitäten sollten im Vorfeld Informationen eingeholt werden um sicherzustellen, dass man nicht letztlich auf den im Ausland entstandenen medizinischen Kosten sitzen bleibt. Auch wenn die Kosten für Pflege und medizinische Versorgung im Ausland geringer sind, können bei längeren Krankenhausaufenthalten oder Operationen schnell hohe Beträge zusammenkommen. Daher ist es ratsam eine Auslandskrankenversicherung oder bei kurzen Aufenthalten eine Reiseversicherung abzuschließen.

  • Verfahren im Todesfall: Möchte man seinen Lebensabend im Ausland verbringen, sollte man regeln, wie im Todesfall verfahren werden soll. Hierbei kann die Wahl getroffen werden zwischen einer Beerdigung vor Ort oder einer Rückführung nach Deutschland zur dortigen Beisetzung. Zudem sollte geklärt werden, welche Formalitäten es im Todesfall zu beachten gibt.

  • Vollmachten: Müssen Vollmachten für den Notfall erteilt werden? Ist eine Patientenverfügung sinnvoll? Wie bei der Pflege in Deutschland ist auch das Thema der Vollmachten sehr wichtig. So sollte man sich überlegen, ob die Erteilung von Vollmachten und Verfügungen sinnvoll ist und welche von diesen verfasst werden sollen. Außerdem sollte die Gültigkeit dieser im jeweiligen Pflegeland abgeklärt werden.

  • Aufenthaltsgenehmigung: Wird für einen Aufenthalt oder den Umzug in das jeweilige Land eine Aufenthaltsgenehmigung benötigt? Falls ja: Mit welchen Auflagen ist diese verbunden und wo kann man sie beantragen?

  • Steuern: Auch im Ausland lebende Senioren müssen die Rente aus Deutschland in der Regel versteuern. Dabei gibt es einiges zu beachten. Beispielsweise haben Senioren im Ausland keinen Steuerfreibetrag. Zudem müssen gegebenenfalls die Zuschläge zur Riester-Rente zurückgezahlt werden. Um nicht in eine finanzielle Falle zu tappen, sollte man sich im Vorfeld ausgiebig darüber informieren, wie die Steuer im jeweiligen Pflegeland verrechnet wird.

  • Infrastruktur: Nicht immer ist die Infrastruktur im Ausland so weit entwickelt wie in Deutschland. Um sich dennoch beispielsweise mit öffentlichen Verkehrsmitteln sofern möglich unabhängig und frei bewegen zu können, sollte man sich mit der Infrastruktur im jeweiligen Pflegeland befassen.

  • Internet: Das Internet vernetzt Menschen überall auf der Welt miteinander. Auf diese Weise wird es Pflegebedürftigen möglich, auch bei einer Pflege im Ausland Kontakt mit den Angehörigen zu Hause zu halten. Hierfür verfügen viele Pflegeeinrichtungen über Internet mit der Möglichkeit zu Chat oder Videotelefonie.

  • Besuchsmöglichkeiten: In der Regel verlagert nur der Pflegebedürftige und gegebenenfalls dessen Ehegatte seinen Wohnsitz ins Ausland, während die Angehörigen zu Hause in Deutschland bleiben. Um diese aber hin und wieder in die Arme schließen zu können, sollten die Möglichkeiten für eventuelle Besuche und die damit verbundenen Kosten recherchiert werden.

Die beliebtesten Ziele für die Pflege im Ausland


Beliebte Ziele zur Pflege im Ausland

Die Pflege im Ausland wird bei deutschen Senioren und ihren Angehörigen immer beliebter. Die Kosten für die Pflege sind häufig weit günstiger als in Deutschland und viele Pflegebedürftige träumen von einem Lebensabend unter Palmen. Zudem sind die Einrichtungen im Ausland häufig kleiner, sodass eine intensivere Pflege möglich wird.

Die beliebtesten Ziele für eine Pflege im Ausland sind weltweit vorzufinden. Im Folgenden sind einige von diesen zusammengestellt.

Pflege in EU-Ländern

Innerhalb der EU sind vor allem Urlaubsländer wie Spanien, Portugal und Griechenland sehr beliebt. Auch für die Pflege entscheiden sich viele Senioren für ein Leben unter der Sonne Südeuropas. Beispielsweise leben aktuell etwa 50.000 Senioren in Spanien.

Zwar gibt es gerade in Spanien nur wenige Pflegeeinrichtungen, dafür ist der Standard in den Pflegeheimen und Seniorenresidenzen sehr hoch. Häufig gibt es auch Heime, in denen deutschsprachiges Personal eingesetzt wird. In den beliebten Urlaubsregionen findet man zudem viele gut ausgestattete Pflegehotels.

Ähnlich sieht es auch in anderen EU Ländern aus. Eine intensive Recherche nach dem passenden Pflegeheim kann sich also durchaus lohnen! Zudem besteht in einigen Ländern der EU für Pflegebedürftige Anspruch auf Pflegeleistungen der dortigen Pflegeversicherung.

Pflege in Osteuropa

Aufgrund der Nähe zur deutschen Grenze sind osteuropäische Länder wie Polen und Tschechien für die Pflege sehr beliebt. Auch die niedrigen Lebenshaltungs- und Pflegekosten sowie die gute Ausbildung der Pflegekräfte machen Osteuropa zu einer geeigneten Alternative. Bisher wurden osteuropäische Pflegerinnen vor allem für die häusliche Pflege in Deutschland eingesetzt, inzwischen gibt es jedoch viele oft grenznahe Angebote in der stationären Pflege.

In den osteuropäischen Ländern gibt es außerdem unterschiedliche Leistungsansprüche, die zum Teil mit dem deutschen Pflegegeld verrechnet werden.

Pflege in Südostasien

Aufgrund häufiger Berichte in den Medien ist Thailand das bekannteste Pflegeziel für Deutsche in Südostasien geworden. Doch auch in den Philippinen gibt es mehrere Pflege-Angeboten und Seniorenresidenzen. Das Angebot an deutschsprachigen Pflegeeinrichtungen und Residenzen insbesondere mit Demenz-Betreuung ist dort in den letzten Jahren stark gestiegen. Die meisten Einrichtungen bieten eine günstige und gute Pflege an, die häufig aufgrund der geringen Patientenzahl weitaus intensiver ist als die in der Heimat. Zudem haben sich viele Pflegeeinrichtungen auf bestimmte Krankheiten wie beispielsweise Demenz spezialisiert.

Doch auch Länder Afrikas wie Kenia und Namibia oder die USA sind bei Pflegebedürftigen sehr beliebt.


Die Pflege im Ausland kann in vielen Fällen eine geeignete Alternative zur Pflege in Deutschland sein, wenn diese sich nur schwer finanzieren lässt. In vielen Ländern Europas wie auch außerhalb dieser finden sich inzwischen viele Pflegeheime und Seniorenresidenzen, die auf Pflegebedürftige aus dem Ausland ausgelegt sind. Zudem ist die Pflege dort häufig weitaus günstiger als in Deutschland.

Wichtig ist bei einem geplanten Umzug in ein ausländisches Pflegeheim vor allem, sich im Vorfeld ausreichend zu informieren und gut vorzubereiten, um ein böses Erwachen zu vermeiden und den Lebensabend unter Palmen genießen zu können.


Weiterführende Informationen

Zum Thema Ausland

Hat Ihnen der Artikel gefallen?