Pflege-Neuausrichtungsgesetz

Das Pflege-Neuausrichtungsgesetz, das in vollem Umfang zu Beginn des Jahres 2013 in Kraft trat, sieht mehr Geld zur Pflege von Demenzkranken vor. Auch Zuschüsse für Wohngruppen, in denen pflegebedürftige Personen ambulant gepflegt werden, werden ermöglicht.

Eine umfangreiche Beratung und schnelle Begutachtung der zukünftigen Begünstigten ist ebenfalls Teil des Gesetzes.

Wohnen im Alter erklärt in diesem Artikel welche Änderungen das Pflege-Neuausrichtungsgesetz (PNG) bewirkt hat und worauf besonders zu achten ist.



Was ist das Pflege-Neuausrichtungsgesetz?


Was ist das Pflege-Neuausrichtungsgesetz?

Das Pflege-Neuausrichtungsgesetz ist im Prinzip eine Regelung, um bessere Leisungen für Pflegebedürftige zu gewährleisten. Es zielt dabei besonders auf eine Gleichstellung der Leistungen für Demenzkranke ab

Bessere Leistungen für ambulante Versorgung

Durch das Pflege-Neuausrichtungsgesetz ist es für Demenzkranke erstmals möglich, Pflegeleistungen zu erhalten, wenn eine erhebliche Beeinträchtigung der Alltagskompetenz besteht.

Diese gleichen den Leistungen, die den Personen, die körperliche pflegebedürftig sind, bereits seit 1995 zur Verfügung stehen. Die Leistungen, die durch dieses Gesetz ermöglicht werden, sind im Wesentlichen in folgende Kategorien unterteilt:

  • Gutscheine für Beratung
  • Förderung von neuen Wohnformen
  • Leistungen für Demenzkranke mit beschränkter Alltagskompetenz
  • Zulagen für private Pflege Vorsorge

Beratungsgutscheine

Es ist wichtig, das Personen, die einen Antrag auf Leistung gemäß dem Pflege-Neuausrichtungsgesetz stellen, eine ausführliche Beratung erhalten. Dadurch kann sichergestellt werden, dass die zur Verfügung stehenden Leistungen in jedem individuellen Fall optimal ausgenutzt werden können. Um zu garantieren, dass eine solche Beratung so früh wie möglich erfolgen kann, sieht das Gesetz vor, dass Antragsteller entweder einen festen Beratungstermin innerhalb von zwei Wochen nach der Antragsstellung erhalten, oder aber auch einen Beratungsgutschein, der in einer Liste von angegebenen Beratungsstellen eingelöst werden kann.


Förderung von neuen Wohnformen

Eines der Ziele des Gesetzes ist es, Wohngruppen zu schaffen, die gemeinsam ambulant betreut werden können. Dazu erhält jeder Berechtigte, der an einer solchen Wohngruppe teilnimmt, eine einmalige Hilfe (Gründungszuschuss) von 2,500 Euro. Dabei gilt es jedoch, zu beachten, dass die Gesamtzuwendung pro Wohngemeinschaft auf 10,000 Euro begrenzt ist.

Auch der barrierefreie Umbau einer Wohnung wird gefördert. Aktuell machen Pflegekassen einmalig 4,000 Euro pro Personen für den altersgerechten Umbau möglich. Diese Summe kann maximal für vier Wohnungsbewohner, also bis zu 16.000 Euro, ausgezahlt werden.


Personen mit begrenzter Alltagskompetenz

Im Rahmen des Gesetztes werden die Leistungen für Personen in unterschiedlichen Pflegegraden angehoben. Im Jahr 2016 wurden alle Beträge erneut erhöht und außerdem der Pflegegrad I (vorher Pflegestufe 0) hinzugefügt.


Zulagen für private Vorsorge

Die Zulagenförderung sieht vor, dass eine privat abgeschlossene Pflegetagesgeldversicherung mit 5 Euro pro Monat bezuschusst werden kann. Die Bedingungen, die erfüllt werden müssen, um von dieser Förderung zu profitieren, sind wie folgt:

  • Mindestalter 18 Jahre
  • Vorhandensein einer Pflegeversicherung
  • Die Versicherung ist noch nicht in Anspruch genommen worden

Leistungen in Anspruch nehmen

Durch das Pflege-Neuausrichtungs-Gesetz haben die Pflegebedürftigen und ihre Angehörigen, die Möglichkeit, die zeitintensive Pflege eines Demenzkranken so zu gestalten, wie es den individuellen Bedürfnissen entspricht.

In der Regel benötigen Demenzkranke schon in einem frühen und mittleren Stadium Hilfe bei der Verrichtung von täglichen Aufgaben im Haushalt sowie beim Waschen und Anziehen. Sobald die Pflege, die benötigt wird, mehr als 1,5 Stunden am Tag in Anspruch nimmt, kann ein Antrag auf bestimmte Leistungen bei der Pflegekasse gestellt werden. Nach der Antragstellung wird in der Regel im Rahmen eines Hausbesuches die Pflegebedürftigkeit festgestellt und der Patient wird in einen Pflegegrad eingestuft. Je höher der Pflegegrad ist, desto höher sind auch die Beträge, die gezahlt werden. Die Beaufsichtigung, die meistens bei Demenzpatienten rund um die Uhr notwendig ist, wird dabei jedoch nicht als erschwerend angerechnet und zählt nicht zur Einstufung in einen höheren Pflegegrad.


Diese Leistungen können erwarten werden

Wenn die Pflege des Patienten von den Angehörigen vorgenommen wird, so besteht ein Anspruch auf eine Geldleistung, die monatlich ausgezahlt wird und deren Höhe von dem jeweiligen Pflegegrad abhängt. Darüber hinaus gibt es aber auch die Möglichkeit, einen ambulanten Pflegedienst zu bestellen, wenn die Angehörigen nicht in der Lage sind, die Pflege selbst zu übernehmen. Ebenfalls kann man sich auch für die Pflege in einer Tagespflegestätte entscheiden.

In solchen Fällen spricht man von Sachleistungen. Ist die Pflegeperson selbst krank, oder in Urlaub, so besteht auch ein Anspruch auf eine sogenannte Kurzzeit- oder Urlaubspflege.

Bei der Entscheidung, einen Pflegegrad zu beantragen, sollte man auch mit dem behandelnden Arzt Absprache halten. Außerdem ist es sinnvoll, alle Dokumente bereitzuhalten, mit denen der Pflegebedarf bewiesen werden kann. Dazu gehören beispielsweise Röntgenaufnahmen, Befunde, Gutachten und ähnliche Dokumente.

Ebenfalls sollte so früh wie möglich damit begonnen werden, ein Pflegetagebuch anzulegen. Kommt dann der Tag des Begutachtungstermins des Medizinischen Dienst der Krankenversciherung (MDK), sollte der Pflegebedürftige keinesfalls alleine sein. Neben einem Angehörigen ist es ratsam, auch sachverständigen Beistand zu sichern. Dabei kann es sich beispielsweise um einen Pfleger handeln, der mit der Situation des Antragstellers vertraut ist. Das Ergebnis der Prüfung wird dann der Pflegekasse übermittelt, die dann dem Betroffenen schriftlich mitteilt, ob ein Pflegebedarf anerkannt wird und in welchen Pflegegrad der Patient eingestuft wird.


Ein Pflegetagebuch anlegen


Ein Pflegetagebuch anlegen

Sollte es in Betracht gezogen werden, einen Antrag auf Pflegeleistungen zu stellen, so ist es stets ratsam, schon einige Zeit vor dem Termin ein Pflegetagebuch anzulegen. In diesem Tagebuch werden alle Pflegeleistungen, die für den Patienten am Tag erbracht werden, eingetragen und die Zeit in Minuten vermerkt, die dazu nötig ist. Zu diesen Pflegeleistungen gehören beispielsweise: Hilfe bei der Körperpflege, bei der Nahrungsaufnahme, bei der Beweglichkeit oder auch bei notwendigen Verrichtungen im Haushalt, wenn die Pflegeperson alleine lebt.

Wichtig ist es bei den Einträgen im Tagebuch auch zu anzumerken, ob man Anleitung gibt, die Pflegeperson beaufsichtigt oder unterstützt, oder die Aufgaben vollkommen übernimmt. Ein solches Pflegetagebuch ist die beste Möglichkeit, um zu dokumentieren, welcher Pflegeaufwand täglich tatsächlich anfällt. Oft kann es nämlich geschehen, dass der Kranke am Tag des Besuchs der Prüfungskommission durch das ungewohnte Geschehen besonders motiviert ist und auf die Prüfer des MDK aktiver und selbständiger wirkt, als er in Wirklichkeit ist.


Umstellung auf Pflegegrade

Vor dem Jahr 2017 wurde zwischen drei Pflegestufen unterschieden. Seit dem 1.1. 2017 wurde dieses System jedoch von den fünf sogenannten Pflegegraden abgelöst. Mit dem neuen System ist es auch ein wenig einfacher geworden, eine Einstufung als pflegebedürftig zu erhalten. Darüber hinaus können heute Demenzkranke, die nicht körperlich behindert sind, aber trotzdem einen beeinträchtigten Grad von Selbständigkeit aufweisen, die gleichen Leistungen erwarten, die vor dem neuen Gesetz nur für körperlich behinderte Personen geleistet wurden.

Geringe Beeinträchtigung der Selbständigkeit

Der Pflegegrad 1 ist neu und besonders - er ermöglicht es auch Personen mit geringfügigen Beeinträchtigungen Pflegeleistungen zu erhalten. Da jedoch keine der alten Pflegestufen in diesen neuen Pflegegrad umgewandelt wurde, trifft er in der Regel auf solche Personen zu, die den Antrag nach dem 1.1. 2017 gestellt haben. Für Patienten mit dem Pflegegrad I steht dem Betroffenen ein Betrag von 125 Euro monatlich zu. Das reicht beispielsweise, um eine Putzhilfe oder einen Seniorenbegleiter für Unterhaltungen und Spaziergänge zu bezahlen.

Personen, die bereits in eine Pflegestufe eingestuft waren, wurden nun den entsprechenden Pflegraden zugeordnet. Dabei macht sich die Kommission, die den Zustand des Patienten bewertet, sein Punktesystem zu nutzen, das wie folgt gestaltet ist:

  • Pflegegrad 1 : 12,5 bis 27 Punkte
  • Pflegegrad 2 : 27 bis 47,5 Punkte
  • Pflegegrad 3 : 47,5 bis 70 Punkte
  • Pflegegrad 4 : 70 bis 90 Punkte
  • Pflegegrad 5 : 90 bis 100 Punkte

Im Pflegegrad-Rechner (https://www.wohnen-im-alter.de/pflegegradrechner) von Wohnen im Alter, müssen verschiedene Fragen beantwortet werden, um danach ein Ergebnis zu erhalten, das auf den Pflegegrad hindeutet. So ist es möglich sich schon vor der offiziellen Einschätzung eine Idee davon zu machen, in welchen Pflegegrad die pflegebedürftige Person eingestuft werden könnte. Ist man mit der offiziellen Einstufung nicht einverstanden, o ist es auch möglich, eine Revision zu beantragen.

Die Leistungsbeträge für die fünf Pflegegrade gestalten sich wie folgt:

Pflegegrad Pflegegeld Pflegesachleistung Leistung bei teilstationärer Pflege Leistung bei vollstationärer Pflege
1 0 €* 0 €* 0 €* 125 €
2 316 € 689 € 689 € 770 €
3 545 € 1.298 € 1.298 € 1.262 €
4 728 € 1.612 € 1.612 € 1.775 €
5 901 € 1.995 € 1.995 € 2.005€

* halbjähriger Beratungsbesuch

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