Lebensabend unter Palmen: Wohnen im Ausland

Den Lebensabend unter Palmen verbringen – der Traum vieler Menschen. Im Alter auszuwandern wird bei deutschen Senioren zunehmend beliebter. Was sich viele bereits während des Berufslebens vorstellen können, setzt etwa jeder zehnte deutsche Rentner im Alter um.

Doch ehe das Projekt Auswandern realisiert werden kann, ist eine gründliche Planung nötig. Wie verhält es sich beispielsweise mit Rente und Steuern im Ausland? Bin ich durch die deutsche Krankenversicherung abgesichert? Was gibt es zu beachten, wenn man im Ausland zum Pflegefall wird?

Wohnen-im-Alter hat die wichtigsten Informationen für eine erfolgreiche Erfüllung des Traums vom Lebensabend unter Palmen im folgenden Ratgeber zusammengestellt.



Rechtliches

Ein Leben im Ausland ist für viele Senioren nicht nur mit dem Traum von Sonnenschein und Palmen verbunden, sondern ist oft auch finanziell begründet. So sind die Lebenshaltungskosten in vielen Ländern Süd- und Osteuropas oder Asiens wesentlich geringer als in Deutschland.

Vor der Umsetzung des Umzugs ins Ausland ist es dennoch wichtig, sich ausgiebig über die Themen Rente, Steuern und Krankenversicherung zu informieren, um finanzielle Fallen zu umgehen. Auch über den Erhalt einer Aufenthaltsgenehmigung sollten Senioren sich im Vorfeld erkundigen.


Rente

Verlegt ein Senior seinen Wohnsitz ins Ausland, behält er trotzdem seinen vollen Rentenanspruch aus der deutschen Heimat. So wird die deutsche Rente in jedes Land der Welt ausgezahlt, wahlweise auf ein deutsches oder ein ausländisches Konto. Im letzteren Fall sollte allerdings beachtet werden, dass eventuelle Kursschwankungen nicht durch die Rentenkasse ausgeglichen werden.

Auch die private Rentenversicherung zahlt in der Regel unabhängig vom aktuellen Wohnsitz des Rentners.

Abzüge gibt es lediglich hinsichtlich der Riester-Rente. Wer innerhalb der EU und des Europäischen Wirtschaftsraumes seinen Ruhestand verbringen möchte, darf die gesetzlichen Zulagen nach einem Beschluss des Europäischen Gerichtshofes von 2010 behalten. Außerhalb dieser Länder gilt dies allerdings nicht. So müssen die jeweils erhaltenen Zulagen an den Staat zurückgezahlt werden.


HINWEIS

Wird der Riester-Vertrag schon lange bespart, können zum Zeitpunkt des Auswanderns leicht hohe Summen an Zulagen zusammengekommen sein. Diese müssen allerdings nicht auf einmal an den Staat zurückgezahlt werden. Lediglich 15% der monatlichen Rente müssen für die Deckung der Kosten abgeführt werden, bis diese beglichen sind.


Steuern

Erhält ein Senior im Ausland die deutsche Rente, muss er diese auch gemäß den geltenden Steuersätzen versteuern. Der größte Nachteil für im Ausland lebende Senioren ist dabei, dass der in Deutschland geltende Steuerfreibetrag für sie nicht gilt. Auch das Ehegattensplitting wird beim Abführen der Steuern im Ausland nicht beachtet. Wer also außerhalb von Deutschland seinen Lebensabend verbringen möchte, ist bereits ab dem ersten Euro steuerpflichtig.

Wer aber mindestens 90% der Einnahmen aus Deutschland bezieht, hat zumindest die Chance, einen Antrag auf unbeschränkte Steuerpflicht beim Finanzamt Neubrandenburg zu stellen. Wird dieser genehmigt, gelten die Steuerfreibeträge sowie das Ehegattensplitting auch weiterhin.


Versicherungen

Auch die Krankenversicherung ist ein Thema, das vor dem Umzug ins Ausland bedacht werden sollte. Im Ausland leistet die deutsche Krankenversicherung nicht immer voll oder kann teilweise sogar vollständig entfallen.

Wer nicht auf den medizinischen Kosten, die vor allem bei größeren Operationen oder Untersuchungen schnell sehr hoch werden können, sitzen bleiben möchte, sollte sich frühzeitig über eine Krankenversicherung vor Ort oder eine Auslandskrankenversicherung beraten lassen.

Auch eine Pflegezusatzversicherung kann sich lohnen. Wird ein Senior im Ausland zum Pflegefall, erhält er in der Regel nicht die vollen Leistungen der Pflegekasse. Hier kann sich die Pflegezusatzversicherung lohnen. Diese zahlt unabhängig vom Wohnort des Versicherten und kann so helfen, ein Pflegeheim zu finanzieren.

TIPP

Eine Private Pflegezusatzversicherung kann sich im Pflegefall lohnen!


Aufenthaltsgenehmigung

Wer im Ausland leben möchte, muss sich im Vorfeld des Auswanderungs-Projektes zudem um eine Aufenthaltsgenehmigung im jeweiligen Wunschland bemühen. In einigen Ländern wie beispielsweise Thailand ist dies mit Auflagen verknüpft wie einer bestimmten Rentenhöhe oder einer festgelegten Höhe des persönlichen Vermögens.

BEISPIEL

Wer seinen Lebensabend in Thailand verbringen möchte, muss eine monatliche Rente von mindestens 1.200 € nachweisen können. Erhält ein Senior eine niedrigere Rente, so muss er weitere Vermögensnachweise erbringen.

Weitere Informationen dazu gibt es auf der Webseite des thailändischen Konsulats.


Genauere Informationen zur Aufenthaltsgenehmigung können über die Botschaft des jeweiligen Landes eingeholt werden. Für Senioren, die ihren Wohnsitz innerhalb der EU wechseln, entfällt dieser Schritt in der Regel. Innerhalb der EU ist kein gesondertes Visum notwendig.


Beliebte Ziele

Die Urlaubsländer Südeuropas wie Spanien, Portugal und die Türkei zählen nach wie vor zu den beliebtesten Zielen für deutsche Senioren.

Durch vorausgehende Urlaube im Vorfeld des Umzuges sind die Länder oftmals schon bekannt und häufig existieren kleine, aber lebendige deutsche Gemeinschaften. So finden Senioren schnell Anschluss unter der Sonne Südeuropas. Auch die gute Erreichbarkeit spricht viele Rentner an. So kann die Familie aus Deutschland mit einer vergleichsweise kurzen Anreise regelmäßig die Auswanderer besuchen.

Doch auch Ziele außerhalb Europas werden zunehmend beliebter bei deutschen Senioren. Auch die USA und Thailand werden immer häufiger zu einem neuen zuhause für diese.


Beliebte Ziele

Doch nicht nur die warme Sonne und die Strände dieser Länder locken. Auch der Lebensunterhalt ist häufig günstiger als in Deutschland. Dies zeigt auch ein Blick auf den Lebenshaltungskostenindex (Stand 2016). Ein Auszug ist im Folgenden dargestellt.


Land Lebenshaltungsindex
Schweiz 161,4
Norwegen 142,5
Dänemark 133,3
Frankreich 106,0
Italien 103,1
Deutschland 100,0
Spanien 88,2
Portugal 79,4
Türkei 53,1
Thailand 59,8
Polen 53,2

Nicht immer wählen Senioren einen dauerhaften Umzug. Einige zieht es lediglich während der kalten Monate in wärmere Länder. Auf diese Weise kann der Erstwohnsitz in Deutschland erhalten und gegebenenfalls können einige formale Hürden eingespart werden. Da auch die Immobilienpreise in vielen Ländern unter deutschen Verhältnissen liegen, ist dies finanziell durchaus realisierbar. Auch Einrichtungen für betreutes Wohnen bieten zeitlich befristete Unterkünfte an.

TIPP

Eine Auswanderung muss nicht immer vollständig erfolgen. Viele Rentner überwintern lediglich in wärmeren Ländern.


Was tun im Pflegefall?

Auch die Möglichkeit, im Ausland ein Pflegefall zu werden oder bereits vorhandene Einschränkungen sollten vor einer Auswanderung bedacht werden.

Während pflegebedürftige Senioren in Deutschland bei einer Pflege im Pflegeheim mit den Pflegesachleistungen finanziell unterstützt werden, zahlt die Pflegekasse im Ausland lediglich das niedrigere Pflegegeld.


Höhe des Pflegegeldes
Pflegegrad 1 -
Pflegegrad 2 316 €
Pflegegrad 3 545 €
Pflegegrad 4 728 €
Pflegegrad 5 901 €

Doch neben den Lebenshaltungskosten ist auch die Pflege im Ausland wesentlich günstiger als in Deutschland. Daher ist der Trend, den Lebensabend unter Palmen zu verbringen, längst auch bei Pflegebedürftigen angelangt. Auch außerhalb von Deutschland gibt es eine Vielzahl von Pflegeheimen und Seniorenresidenzen, die eine gute Pflege anbieten.

Aber auch die medizinische Versorgung in der neuen Heimat gilt es zu beachten. Einerseits zahlt die Krankenkasse häufig nur begrenzt, weswegen eine Auslandskrankenversicherung ratsam ist. Andererseits ist der medizinische Standard im Ausland häufig nicht mit dem in Deutschland zu vergleichen. Daher ist es wichtig, sich bereits im Vorfeld nach guten Krankenhäusern und Ärzten umzusehen, um im Ernstfall eine Anlaufstelle zu haben.


Checkliste für den Lebensabend unter Palmen


Checkliste für den Lebensabend unter Palmen

Wer plant, seinen Ruhestand im Ausland zu verbringen, sollte dies gut planen und organisieren. Dabei ist eine Checkliste häufig hilfreich:

  • Wohnen: Eigene Immobilie oder Betreutes Wohnen? Egal worauf die Wahl fällt – die Preise für Unterkünfte im Ausland liegen oft weit unter den deutschen Verhältnissen.

  • Rente: Vor der Auswanderung sollte ein Beratungsgespräch mit der Rentenversicherung stattfinden, um eventuelle Abzüge von der Rente bereits im Vorfeld zu klären. Steht der Umzug dann unmittelbar bevor, muss außerdem die neue Adresse übermittelt werden.

  • Krankenversicherung: Die deutsche Krankenversicherung zahlt im Ausland oft nur begrenzt, da sie sich am Leistungskatalog des jeweiligen Landes orientiert. Um nicht auf medizinischen Kosten sitzen zu bleiben, ist eine Auslandskrankenversicherung oder eine Versicherung vor Ort häufig sinnvoll.

  • Aufenthaltsgenehmigung: Wird eine Aufenthaltsgenehmigung für die neue Heimat benötigt? Und wenn ja – mit welchen Auflagen ist das Visum gegebenenfalls verbunden? Diese Informationen können bei dem jeweiligen Konsulat erfragt werden.

  • Medizinische Versorgung: Die medizinische Versorgung ist vor allem in ländlicheren Gebieten häufig nicht mit der in Deutschland zu vergleichen. Um im Ernstfall aber dennoch angemessen versorgt zu werden, ist es ratsam, bereits vor der Auswanderung gute Krankenhäuser und Ärzte ausfindig zu machen.

  • Vollmachten: Müssen Vollmachten erstellt werden? Ist eine Patientenverfügung sinnvoll? Vor einem Umzug ins Ausland ist es wie auch bei einem Verbleib in Deutschland wichtig, sich mit dem Thema Vollmachten zu befassen und gegebenenfalls entsprechende Dokumente aufzusetzen.

  • Verfahren im Todesfall: Verbringt ein Senior seinen Lebensabend unter Palmen, verbringt er häufig auch die letzten Tage seines Lebens im Ausland. Um sicherzustellen, dass im Todesfall wie gewünscht verfahren wird, sollte frühzeitig festgelegt werden, ob eine Beerdigung vor Ort oder eine Rückführung nach Deutschland gewünscht ist.

Der Lebensabend unter Palmen sollte gut geplant und vorbereitet werden, um eventuelle Fallstricke zu vermeiden. Dann aber kann der Traum vom Leben unter der Sonne warmer Länder für deutsche Senioren wahr werden und hat neben einer gesteigerten Lebensqualität auch finanzielle Vorteile zu bieten.



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