Familienpflegezeit und Pflegezeit

 Mehr Zeit für die Pflege

Wenn Angehörige pflegebedürftig werden, stehen vor allem Berufstätige vor einer organisatorischen Herausforderung. Seit dem 01. Januar 2015 gibt es das neue Gesetz zur Familienpflegezeit, das Arbeitnehmern die Pflege von Angehörigen erleichtern soll. Das ursprüngliche Familienpflegezeitgesetz trat bereits 2012 in Kraft, wurde aber nur selten in Anspruch genommen. Die Familienpflegezeit erlaubt es Erwerbstätigen, ihre Arbeitszeit für maximal zwei Jahre zu reduzieren, wobei die verbleibende Arbeitszeit mindestens 15 Stunden pro Woche betragen muss. Während der Familienpflegezeit wird das entfallende Gehalt in Höhe von 50 Prozent vom Arbeitgeber aufgestockt. Kleines Rechenbeispiel: Verringert der Arbeitnehmer seine Arbeitszeit von 100 Prozent auf 50 Prozent, erhält er weiterhin 75 Prozent seines Lohns. 

Gehaltsvorschuss muss zurückgezahlt werden

Nach der vollständigen Rückkehr zur alten Arbeitszeit, wird den pflegenden Angehörigen solange weiterhin das reduzierte Gehalt gezahlt, bis der Vorschuss wieder ausgeglichen ist. Finanziert wird die Familienpflegezeit durch zinslose Darlehen, die betroffene Unternehmen von der Kreditanstalt für Wiederaufbau erhalten können. Mit dem neuen Gesetz seit 2015 haben Angehörige einen Rechtsanspruch auf Familienpflegezeit. Während der Familienpflegezeit gilt ein besonderer Kündigungsschutz für den Arbeitnehmer. Dieser Rechtsanspruch gilt aber nur für Unternehmen ab 25 Mitarbeiter. Bei Unternemen mit weniger als 25 Mitarbeiter, kann die Familienpflegezeit nur als freiwillige Vereinbarung zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern genommen werden. Stimmt der Arbeitgeber nicht zu, können die Beschäftigten keine Familienpflegezeit nehmen.

Was ist Pflegezeit?

Das Gesetz zur Familienpflegezeit ist eine Ergänzung zu dem bereits seit 2008 bestehenden Pflegezeitgesetz. Im Gegensatz zur Familienpflegezeit haben betroffene Angehörige im Pflegefall immer einen Rechtsanspruch darauf, die „klassische“ Pflegezeit zu nehmen. Tritt ein akuter Pflegefall ein, können Arbeitnehmer kurzfristig bis zu zehn Tage der Arbeit fern bleiben, um für ihre Angehörigen eine bedarfsgerechte Pflege zu organisieren. Wenn Sie einen nahen Angehörigen, der bereits eine Pflegestufe hat, in der häuslichen Umgebung selbst pflegen, können Sie sich bis zu sechs Monate von der Arbeit freistellen lassen. Eine Zustimmung des Arbeitgebers ist für diesen Zeitraum nicht notwendig. Diese sechsmonatige Pflegezeit kann ebenfalls durch zinslose Darlehen finanziert werden, welches nach Beendigung in Raten zurückgezahlt werden muss. Während der Pflegezeit gilt ein besonderer Kündigungsschutz.  Neu seit 2015 ist das Pflegeunterstützungsgeld in der Pflegezeit: Für die zehntägige Auszeit, die Beschäftigte zur Organisation der Pflege nehmen können, wenn sie Pflege organisieren müssen, erhalten Pflegende seit dem 01. Januar 2015 Lohnersatzleistung vom Staat. 

 

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