Ratgeber Wohnformen im Alter

Große Vielfalt an Wohnangeboten:

In den letzten Jahrzehnten haben sich die Ansprüche an Wohneinrichtungen für Senioren sehr stark gewandelt. Die „jungen Alten“ sind heute im Durchschnitt deutlich später von Gebrechen, Hilfsbedürftigkeit und Vereinsamung betroffen als frühere Generationen. Statt der reinen „Standardversorgung“ steht mittlerweile die individuelle Lebensgestaltung im Vordergrund. Diese Entwicklung hat sich besonders auf die möglichen Wohnformen ausgewirkt: Pflege- und Altenheime haben ihre Bauweise und das Leistungsspektrum an die neuen Ansprüche angepasst. Außerdem sind etliche neue Wohnprojekte entstanden, die eine sinnvolle Alternative zum familiären Netz bieten können.

Zahlreiche Wohnformen erschweren Überblick

Die Zahl der unterschiedlichen Wohnmodelle nimmt stetig zu: Ob betreute Wohngemeinschaft, Mehrgenerationenhäuser, gemeinschaftliche Wohnprojekte, Senioren-WG oder Wohngruppen im Pflegeheim – die Möglichkeiten für bedarfsgerechtes Wohnen im Alter sind vielfältig. Wohnformen, die pflegebedürftigen Menschen eine umfassende Betreuung bieten und gleichzeitig ein möglichst selbstbestimmtes Leben erlauben, sind heute so gefragt wie nie. Sich bei dieser Vielzahl von Möglichkeiten einen genauen Überblick zu verschaffen ist schwierig, aber notwendig. Nur wer die Alternativen kennt, kann im Bedarfsfall die beste Wohnform auswählen.

Rechtliche und finanzielle Fragen im Pflegefall berücksichtigen

Bei der Beschäftigung mit den unterschiedlichen Wohnmodellen sollten alle finanziellen und rechtlichen Aspekte in einem Pflegefall vorab bekannt sein. Die Kosten für Unterbringung und Pflege müssen bei der Entscheidung für eine Wohnform berücksichtigt werden.  Auch die Frage, für welche Wohnformen das aktuelle Heimgesetz gilt, spielt eine entscheidende Rolle bei der Wahl der richtigen Pflegeeinrichtung. Hinweis: Für (betreute)Senioren WGs ist die Anwendung des Heimgesetzes eine Ermessensfrage. In der Regel kommt das Heimgesetz hier nicht zur Anwendung.


Übersicht der Wohn- und Pflege-Formen:

Altersgerechtes Wohnen

Wer auch im hohen Alter im eigenen Haus oder der eigenen Wohnung bleiben möchte, muss in der Regel einige bauliche Veränderungen vornehmen, um sich ein Leben mit möglichst wenigen Einschränkungen zu ermöglichen. Spätestens wenn es absehbar wird, dass in naher Zukunft die Beweglichkeit der Bewohner nachlässt, sollte über einen barrierefreien Umbau der Wohnung nachgedacht werden. Wie umfangreich dieser Umbau vorgenommen wird, hängt von der ursprünglichen Ausstattung der Wohnung und den individuellen Ansprüchen des Bewohners ab. 

Mehr Informationen zum altersgerechten Wohnen

Zuhause mit Pflege durch Angehörige

70 Prozent aller Pflegebedürftigen werden zu Hause gepflegt – der größte Teil davon durch Angehörige. Diese Art der Betreuung und Versorgung findet in der eigenen Wohnung des Hilfebedürftigen oder in der Wohnung der pflegenden Angehörigen statt und kann entweder von der Familie, von ehrenamtlichen Helfern oder von professionellen Pflegediensten übernommen werden. Als Vorbereitung auf die Pflege einer nahestehenden Person ist die Teilnahme an einem Pflegekurs unbedingt empfehlenswert. Die Pflegekassen bieten hierfür unentgeltliche Schulungen an, in denen alles Wissenswerte zum Thema „Pflege zu Hause“ erlernt und eingeübt werden kann.

Mehr Information zur Pflege durch Angehörige

Zuhause Wohnen mit Unterstützung durch einen ambulanten Diensten

Um Überforderung vorzubeugen, sollten pflegende Angehörige sich unbedingt nach Möglichkeiten zur Unterstützung erkundigen. Die Pflegeversicherung bietet zu diesem Zweck eine ganze Reihe von entlastenden Diensten an, zum Beispiel ambulante Pflegedienste, Haushaltshilfen oder „Essen auf Rädern“. In Deutschland gibt es mittlerweile überall ambulante Pflegedienste. Der ambulante Pflegedienst unterstützt Pflegebedürftige und ihre Angehörigen bei der Pflege zu Hause. Er bietet Familien Unterstützung und Hilfe im Alltag, damit pflegende Angehörige zum Beispiel Beruf und Betreuung besser organisieren können. Das Personal des Pflegedienstes kommt zu den Pflegebedürftigen nach Hause und hilft fach- und sachkundig bei der täglichen Pflege.

Mehr Informationen zu Pflegediensten

Zuhause Wohnen mit Unterstützung privater Betreuungskräfte

Mehr als 200.000 Pflegerinnen und Haushaltshilfen aus Osteuropa betreuen mittlerweile in Deutschland pflegebedürftige Senioren. Die Mehrzahl von ihnen arbeitet dabei schwarz. Der Grund für die riesige Zahl der illegalen Hilfskräfte sind die hohen Kosten, die eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung durch einen ambulanten Pflegedienst sonst verursachen würde. Dennoch kommt ein Pflegeheim für viele nicht in Frage – oft sind es allgemeine Vorurteile gegenüber der Heimunterbringung, die Betroffene davor zurückschrecken lassen. Die Beschäftigung einer illegalen Pflegekraft ist jedoch eine Straftat, die bei ihrer Entdeckung mit hohen Bußgeldern geahndet werden kann. Für eine legale Hilfskraft müssten Pflegebedürftige und ihre Angehörigen zwischen 1.500 und 2.500 Euro pro Monat zahlen.

Mehr über 24H-Pflege-Kräfte

Tages-/Nacht-Pflege

Die Tagespflege findet nicht bei dem Pflegebedürftigen zu Hause statt, sondern in einer besonderen Einrichtung, die der Betroffene mehrere Stunden am Tag aufsuchen kann. In dieser Zeit sorgen die Pflegekräfte vor Ort für die Betreuung, während die Angehörigen ihren beruflichen oder anderweitigen Verpflichtungen nachgehen können. Häufig gibt es auch spezielle Angebote für Menschen mit Demenz oder anderen psychischen Veränderungen. Die Nachtpflege verfolgt ähnliche Ziele wie die Tagespflege, wobei sie sich insbesondere an Menschen richtet, die abends nicht allein sein wollen oder unter einem gestörten Tag-/Nachtrhythmus leiden.

Mehr Informationen zur Tagespflege

Kurzeitpflege/Verhinderungspflege

Wenn eine teilstationäre Pflege als Ergänzung zur häuslichen Pflege nicht ausreicht, kann für einen begrenzten Zeitraum auch Kurzzeitpflege in Anspruch genommen werden. Für eine Übergangszeit nach einem Krankenhausaufenthalt oder in Krisensituationen übernimmt die Pflegekasse dann die Unterbringung in einer stationären Pflegeeinrichtung. Als Krisensituationen gelten insbesondere Zeiten der Krankheit, des Urlaubs oder sonstiger Verhinderung der Pflegepersonen. Auch eine kurzfristige erhebliche Verschlimmerung der Pflegebedürftigkeit kann als Krisensituation gewertet werden. Macht die private Pflegeperson Urlaub oder ist sie durch Krankheit vorübergehend an der Pflege gehindert, übernimmt die Pflegeversicherung die Kosten einer Ersatzpflege für längstens vier Wochen je Kalenderjahr, die sogenannte Verhinderungspflege. Ein Anspruch auf Verhinderungspflege besteht erst, wenn die Pflegeperson den Pflegebedürftigen mindestens sechs Monate in seiner häuslichen Umgebung gepflegt hat.

Mehr über die Kurzzeitpflege

Betreutes Wohnen

Im Betreuten Wohnen leben die Bewohner in einer eigenen, barrierefreien, altersgerechten Wohnung mit Betreuungsservice. Diese Wohnform eignet sich in erster Linie für Senioren, die noch verhältnismäßig selbstständig leben können und gleichzeitig sicher sein möchten, bei Bedarf schnell und zuverlässig Hilfe zu erhalten. Betreute Wohnungen sind gewöhnlich altersgerecht ausgestattet und in eine Wohnanlage integriert, die soziale Kontakte der Bewohner untereinander fördert. Der Umzug in eine Betreute Wohnung hat den Vorteil, dass zusätzlich zur Unterkunft verschiedene Betreuungsleistungen angeboten werden. In der Regel leben im Betreuten Wohnen ältere Menschen, die ihren Haushalt noch weitgehend allein führen können. Die Zusatzleistungen dienen dazu, das eigenständige Wohnen zu erleichtern und vorhandene Fähigkeiten möglichst lang zu erhalten.

Ratgeber betreutes Wohnen

Neue Wohn- und Pflegeformen

Neue Heimgesetze in verschiedenen Bundesländern ermöglichen immer mehr neue Wohn- und Versorgungsformen. Während es früher nur die Möglichkeit zwischen „Pflegeheim“ und „Pflegedienst. Neue Formen der Pflege, wie ambulant betreute Wohngemeinschaften, bieten eine neue Art der Pflege. Diese Wohngemeinschaften können als Senioren-, Demenz-, oder Pflege-WG betrieben werden. Auch klassische Pflegeheime bieten neue Pflegeformen an. So gibt es viele Heime, die in Wohngruppen organisiert sind oder in denen Seniorengerechtes Wohnen in der eigenen Mietwohnung sowie Tagesbetreuung und ambulante Pflege individuell kombiniert werden.

Senioren WGs, Mehrgenerationenhäuser und gemeinschaftliche Wohnprojekte

Pflegeheime

Das Pflegeheim richtet sich an Senioren mit einer dauerhaften Pflegebedürftigkeit, die nicht mehr imstande sind ihren Haushalt eigenständig zu führen. Neben Unterkunft und Verpflegung erfahren die Bewohner die notwendige Pflege und Betreuung. Die zu entrichtenden Leistungen, der Pflegesatz, wird mit der Pflegekasse abgerechnet. Das klassische Alten- und Pflegeheim ist besonders geeignet für ältere Menschen mit Pflegestufe, die einen eigenen Haushalt nicht mehr führen können oder wollen. Hilfsbedürftige Bewohner erhalten rund um die Uhr medizinische und pflegerische Betreuung. Dazu kommen in der Regel unterschiedliche Kontakt- und Freizeitmöglichkeiten, die den Pflegebedürftigen aus ihrer häufig isolierten Situation heraushelfen und für Abwechslung sorgen.

Ratgeber Pflegeheime

Seniorenresidenzen

Seniorenresidenzen sind die luxuriöse Variante von betreuten Wohnanlagen. Diese Wohnmodelle erinnern eher an ein Hotel als an ein Altenheim und gelten als besonders noble Form des Wohnens im Alter. Die Wohnungen befinden sich meist in bester Lage und sind qualitativ hochwertig ausgestattet. Allerdings sind sie in der Regel auch ziemlich teuer. Die meisten Seniorenresidenzen verfügen über ein eigenes Schwimmbad, eine Sauna, ein hausinternes Fitnessstudio und eine Bibliothek, verschiedene Veranstaltungsräume und ein Restaurant oder Café. Das Service- und Betreuungsangebot ist wesentlich umfangreicher als bei anderen Wohnformen.

Seniorenresidenz, Seniorendomizile und gehobene Seniorenwohnanlagen

Wohnen im Alter im Ausland

Auswandern im Alter ist im Trend. Laut einer der Statistik der Deutschen Rentenversicherung von 2011 leben etwa 200.000 Deutsche Rentner dauerhaft im Ausland. Die meisten Senioren zieht es ins europäische Ausland – über 50.000 leben alleine in Spanien und Portugal. Aber auch die USA und exotische Ziele wie die Philippinen und Thailand zählen zu begehrten Zielen für den Lebensabend. Wer im Alter im Ausland leben möchte, sollte rechtzeitig die wichtigsten Fragen klären: Wird ein Visum benötigt? Muss ich meine Rente versteuern? Was ist im Krankheits- oder Pflegefall?


Wohnen im Alter im Ausland


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