Fünf Pflegegrade - die neuen Pflegestufen ab 2017

Ab dem 1. Januar 2017 gelten die neuen Pflegegrade, die die alten Pflegestufen vollständig ablösen werden.

Künftig soll nicht mehr der zeitliche Aufwand für die Pflege als Kriterium für Pflegebedürftigkeit gelten, sondern der Grad der Selbstständigkeit, also wie selbstständig die pflegebedürftige Person noch ist.

Die Pflegegrade sollen vor allem Menschen mit Demenz und psychisch Erkrankten die gleichen Pflegeleistungen ermöglichen, wie Pflegebedürftigen mit körperlichen Beeinträchtigungen.

Doch was genau ändert sich mit den Pflegegraden? Der Wohnen-im-Alter-Ratgeber bietet einen umfassenden Überblick über die neuen Pflegegrade ab 2017.

Der Pflegegrade Ratgeber im Überblick:


Definition der Pflegegrade

Neuer Pflegebedürftigkeitsbegriff ab 2017:

Seit Einführung der Pflegeversicherung 1995 war der Begriff der Pflegbedürftigkeit umstritten. Dieser ist entscheidend dafür, ob ein Pflegebedürftiger Leistungen aus der Pflegekasse erhält. Die Leistungshöhe wurde bisher durch die 3 Pflegestufen bestimmt.

Wichtig bei der „Pflegebedürftigkeit im Sinne des Gesetzes“ war bisher nicht, wie schwer eine Krankheit oder eine Einschränkung ist, sondern welcher Hilfebedarf in Bezug auf die „gewöhnlichen und regelmäßig wiederkehrenden Verrichtungen im täglichen Leben“ (§14 Abs. 1SGB XI) besteht. Für die Pflegestufe wurde bisher nur der Zeitaufwand der Pflege und Betreuung ermittelt. Menschen mit einer eingeschränkten Alltagskompetenz (z.B. Demenz) erhielten deshalb oft keine Pflegestufe.

Die zeitbezogenen Pflegestufen führte zur Minuten-Pflege, auch “Satt-und-Sauber-Pflege” genannt, welche die Betreuung und den Erhalt der Eigenständigkeit des Pflegebedürftigen vernachlässigten. Zwar gab es leichte Anpassungen, wie die Pflegestufe 0 und das Pflegeneuausrichtungsgesetz, eine deutliche Verbesserung der Pflegebedürftigen wurde aus Kostengründen bisher aufgeschoben.

Der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff soll nun den Grad der Selbstständigkeit ermitteln und nicht mehr den zeitlichen Aufwand berücksichtigen. Dabei werden nun also nicht mehr nur körperliche Aspekte mit in die Beurteilung Pflegebedürftiger einbezogen sondern vor allem auch kognitive und geistige Beeinträchtigungen, die ebenfalls zu einer eingeschränkten Alltagskompetenz führen. So soll es gelingen alle Beeinträchtigungen, die zu einer verminderten Selbstständigkeit führen gleichermaßen und pflegefachlich zu berücksichtigen.

Was sind die fünf Pflegegrade?

Die Pflegegrade sollen die neuen Pflegestufen ab 2017 darstellen. Sie werden vollständig von den Pflegegraden ersetzt. Auch ein neues Begutachtungssystem, das sogenannte NBA (= Neues Begutachtungsassessment) tritt hierzu in Kraft um die Pflegebedürftigkeit anhand des Grades der Selbstständigkeit zu beurteilen.

Die Pflegegrade sollen durch sechs festgelegte Kriterien, denen jeweils ein fester Punktwert zugeordnet ist, bestimmt werden. Das neue Pflegegrad-System wird in einer Probephase seit 2014 durchgeführt und evaluiert.

Durch die Umstellung soll niemand schlechter gestellt werden als vorher, dafür sorgt der sogenannte Bestandsschutz. Die Pflegebedürftigen, die bereits eine Pflegestufe haben, müssen für die Einordnung in die Pflegegrade nichts weiter tun. Sie werden automatisch in einen Pflegegrad eingestuft.

Die einzelnen Pflegegrade haben jeweils eine eigene Definition, anhand derer bereits erkennbar ist, welche Einschränkungen in Bezug auf die Selbstständigkeit vorliegen. Diese lauten im Folgenden:

  • Pflegegrad 1: Geringe Beeinträchtigung der Selbstständigkeit
  • Pflegegrad 2: Erhebliche Beeinträchtigung der Selbstständigkeit
  • Pflegegrad 3: Schwere Beeinträchtigung der Selbstständigkeit
  • Pflegegrad 4: Schwerste Beeinträchtigung der Selbstständigkeit
  • Pflegegrad 5: Schwerste Beeinträchtigung der Selbstständigkeit mit besonderen Anforderungen an die pflegerische Versorgung

Prüfverfahren und Ermittlung der Pflegegrade

Ermittlung der Pflegegrade ohne Pflegestufe

Antrag bei der Pflegekasse stellen

Eine Neueinteilung in einen Pflegegrad mit bereits vorhandener Pflegestufe geht automatisch vonstatten. Die Einteilung in einen Pflegegrad ohne vorherige Pflegestufe muss bei der jeweiligen Pflegekasse beantragt werden.

Die Leistungen der Pflegekasse werden bei Bewilligung des Pflegegrades ab dem Zeitpunkt der Antragstellung gewährt, weshalb der Pflegegrad zeitnah beantragt werden sollte. Rückwirkende Leistungen werden nicht vergeben.

Nach Antragstellung wird der MDK zu Besuch kommen und den Pflegebedürftigen begutachten. Anhand dieses Gutachtens entscheidet die Pflegekasse über den Pflegegrad.



✔ TIPP

Es ist sinnvoll sich für den MDK Besuch vorzubereiten. Ein Pflegetagebuch, in das alle Pflegemaßnahmen und deren zeitlicher Aufwand eingetragen werden, kann die Begutachtung erleichtern.



Welche Personen erhalten ab 2017 einen Pflegegrad?

Einen Pflegegrad erhalten 2017:

  • Pflegebedürftige, die 2017 erstmalig den Antrag auf Pflegeleistungen bei der Pflegekasse stellen. Erstmalige Antragsteller werden ab 2017 nach dem neuen Prüfverfahren NBA persönlich begutachtet. Der Medizinsche Dienst der Krankenversicherung (MDK) oder ein anderer privater Dienst ermittelt die Selbstständigkeit und empfiehlt daraufhin einen Pflegegrad. Letztlich entscheidet die Pflegekasse ob der Pflegegrad genehmigt und somit die Pflegeleistungen gewährt werden.
  • Pflegebedürftige, die bereits eine anerkannte Pflegestufe haben. Pflegebedürftige, die bereits vor 2017 eine anerkannte Pflegestufe (0, 1, 2, 3) haben werden nicht neu begutachtet. Sie werden folgendermaßen in die neuen Pflegegrade eingeordnet: Umstellung der Pflegestufen in Pflegegrade

Bei der Umstellung von Pflegestufen auf Pflegegrade wird niemand schlechter gestellt. Es gilt der sogenannte Bestandschutz.

Wichtige Infos:

  • Pflegebedürftige, die bereits eine Pflegestufe haben werden nicht erneut begutachtet.
  • Die Pflegebedürftigen mit Pflegestufen werden automatisch in einen Pflegegrad eingestuft, dabei erhält beispielweise ein Pflegebedürftiger mit Pflegestufe 1 automatisch Pflegegrad 2.
  • Pflegebedürftige, die zusätzlich eine eingeschränkte Alltagskompetenz bescheinigt haben, werden automatisch in einen zwei Stufen höheren Pflegegrad eingestuft, also beispielweise von Pflegestufe 1 mit eingeschränkter Alltagskompetenz in Pflegegrad 3.

Nach welchen Kriterien erhält man einen Pflegegrad ohne vorherige Pflegestufe?

Im neuen Begutachtungsassessment (NBA) werden nach Schwere der Beeinträchtigung in den Bereichen der Selbständigkeit Punkte vergeben. Mit ihnen wird dann anhand einer Skala von 0 bis 100 der Pflegegrad ermittelt. Anhand dieser Punkte erfolgt die Einteilung der Pflegebedürftigen in eine der fünf Pflegegrade. Dabei entspricht immer eine gewissen Spanne von Punkten einem Pflegegrad:

  • PG 1: 12,5 bis unter 27 Punkte
  • PG 2: 27 bis unter 47,5 Punkte
  • PG 3: 47,5 bis unter 70 Punkte
  • PG 4: 70 bis unter 90 Punkte
  • PG 5: 90 bis 100 Punkte

Je mehr Punkte der Antragsteller erhält, desto höher wird der Pflegegrad sein und daher werden die Pflege- und Betreuungsleistungen höher ausfallen.

Die Bereiche, in denen auf Selbstständigkeit überprüft wird, lassen sich in sechs Modulen darstellen:

1. Modul: Mobilität (10%) – Körperliche Beweglichkeit allgemein, z.B., ob die Person allein aufstehen und vom Bett ins Badezimmer gehen kann oder ob sie sich selbständig im Wohnbereich fortbewegen und Treppensteigen kann. Positionswechsel im Bett, stabile Sitzposition halten sowie Aufstehen und Umsetzen gehören auch zum Modul Mobilität.

2. Modul: Kognitive und kommunikative Fähigkeiten (15% zusammen mit Modul 3; Modul 2 und Modul 3 werden jeweils gleich gewichtet) - allgemein Verstehen und Reden, z.B., ob die Person sich zeitlich und räumlich orientieren kann, ob Sachverhalte verstanden werden und Personen aus dem näheren Umfeld erkannt werden, Risiken erkennen und sich an Gesprächen beteiligen, Entscheidungen im Alltagsleben treffen, elementare Bedürfnisse mitteilen sowie Aufforderungen verstehen.

3. Modul: Verhaltensweisen und psychische Problemlagen - Unter anderem nächtliche Unruhe oder Ängste und Aggressionen, die für die pflegebedürftige Person und andere belastend sind, Abwehr pflegerischer Maßnahmen, depressive Stimmung, aggressives und auch selbstschädigendes Verhalten

4. Modul: Selbstversorgung (40 % – Körperpflege, Ernährung, Selbstständiger Toilettengang, Harninkontinenz, Stuhlinkontinenz

5. Modul: Bewältigung von und selbstständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen (20%)– selbstständige Medikation, Blutzuckermessungen selbst durchzuführen und deuten, selbstständige Arztbesuche oder Besuche anderer therapeutische bzw. medizinischer Einrichtungen, Umgang mit Hilfsmittel wie Rollator oder Prothesen.

6. Modul: Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte (15%) – selbstständige Gestaltung des Tagesablaufs und Anpassung von Veränderungen, mit anderen Menschen in direkten Kontakt zu treten oder die Skatrunde ohne Hilfe zu besuchen/ Kontaktpflege, in die Zukunft gerichtete Planung übernehmen, sich im Alltag beschäftigen.

Die Module sieben (Außerhäusliche Aktivitäten) und acht (Haushaltsführung) gehören streng genommen auch noch zum NBA, welche allerdings nicht in die Einstufung der Pflegebedürftigkeit einbezogen werden sondern vielmehr Pflegekräften dienen sollen, eine individuellere Pflegeplanung zu ermöglichen.

Gewichtung der Module

Leistungen der Pflegekasse

Durch das Pflegestärkungsgesetz II und dem damit verbundenen Pflegebedürftigkeitsbegriff steigt die Zahl der Versicherten, die Anspruch auf Leistungen der Pflegekassen haben, da die Unterstützung nun durch Einführung des Pflegegrades 1 früher beginnt. Meist ist mit einer höheren Leistung im Gegensatz zu den vorherigen Pflegestufen zu rechnen.

Die Unterschiede werden in unserem Vorher-Nachher-Vergleich zusammengefasst

Alle Leistungen der Pflegekassen ab 2017 im Überblick

Alle Leistungen der Pflegekassen ab 2017 im Überblick

Pflegeleistungen ambulant für häusliche Pflege

Pflegeleistungen ambulant für häusliche Pflege

Das Pflegegeld kann bezogen werden, wenn zum Beispiel Angehörige oder Ehrenamtliche den Pflegebedürftigen versorgen und pflegen. Es kann mit den ambulanten Pflegesachleistungen kombiniert werden, wenn ein ambulanter Pflegedienst zusätzlich zur Versorgung des Pflegebedürftigen gerufen wird.


Pflegesachleistungen ambulant für häusliche Pflege

Pflegesachleistungen ambulant für häusliche Pflege

Die Pflegesachleistungen können bei Inanspruchnahme einen ambulanten Pflegedienstes bezogen werden. Ambulante Pflegesachleistungen können mit dem Pflegegeld kombiniert werden, wenn zum Beispiel Angehörige den Pflegebedürftigen zusätzlich versorgen.

Pflegehilfsmittel

Bis zu 40 Euro werden von der Pflegekasse für Pflegehilfsmittel erstattet. Dazu zählen zum Beispiel Betteinlagen oder Einmalhandschuhe. Pflegehilfsmittel werden allgemein als Geräte und Sachmittel bezeichnet, ohne die die Pflege zuhause nicht funktioniert. Sie können die häusliche Pflege erleichtern und für ein selbstständigeres Leben bei Pflegebedürftigkeit führen.

Verhinderungspflege

In den Pflegegraden 2-5 erhalten die Pflegebedürftigen 1.612 Euro für Kosten einer notwendigen Ersatzpflege für bis zu sechs Wochen. Diese Leistungen können bezogen werden wenn die private Pflegekraft im Urlaub ist oder krankheitsbedingt an der Pflege gehindert wird.

Von den 1.612 Euro können 50%, also 806 Euro, des Leistungsbetrags der Kurzzeitpflege für Verhinderungspflege angerechnet werden. Dies ist nur möglich wenn die Kurzzeitpflege in einem Jahr nicht genutzt wird. Pflegebedürftige mit Pflegegrad 1 erhalten keine Leistungen für die Verhinderungspflege, können aber den Entlastungsbetrag von 125 Euro monatlich anrechnen lassen.

Kurzzeitpflege

Pflegebedürftige in den Pflegegraden 2-5 erhalten 1.612 Euro für Kurzzeitpflege bis zu acht Wochen. Pflegebedürftige im Pflegegrad 1 können den Entlastungsbetrag in Höhe von 125 Euro anrechnen lassen.

Leistungen in ambulant betreuten Wohngruppen

Für die Gründung von Pflege-Wohngruppen werden einmalige Beträge gewährt:

➨ Pflegegrad 1-5: 2500€/Person bzw. 10000€/Wohngruppe

Somit bekommen auch Pflegebedürftige im Pflegegrad 1 entsprechende Leistungen. Übernimmt eine Person der Wohngruppe besondere organisatorische, betreuende oder gar hauswirtschaftliche Tätigkeiten wird ein Wohngruppenzuschlag in Höhe von 214 Euro gewährt. Dieser steht Personen in allen Pflegegraden zu.

Umbaumaßnahmen des Wohnbereiches

Der altersgerechte Umbau einer Wohnung wird durch die Pflegeversicherung ab 2017 verstärkt bezuschusst, was vor allem im Pflegegrad 1 zu bemerken ist.

Bei einer Einzelperson werden im Pflegegrad 1-5 4.000 Euro gewährt. Wenn mehrere Antragsberechtigte zusammenwohnen bezuschusst die Pflegeversicherung mit 16.000 Euro. Hierzu zählt zum Beispiel auch der barrierefreie Badumbau oder die Integrierung eines Treppenlifts.

Tages- und Nachtpflege

Die Tages- und Nachtpflege bezeichnet die teilstationäre Pflege und findet zeitweise im Tagesverlauf in einer Pflegeeinrichtung statt.

Die Leistungen für Tages-/Nachpflege können seit Januar 2015 zusätzlich zu den ambulanten Pflegesachleistungen und dem Pflegegeld in Anspruch genommen werden. Die Leistungen werden also nicht mehr angerechnet. Ab 2017 haben Pflegebedürftige der Pflegegrade 2-5 Anspruch auf Tages- und Nachtpflege. Personen mit Pflegegrad 1 können den Entlastungsbeitrag dafür einsetzen.

Leistungsbeitrag für Tages- und Nachtpfelge innerhalb der Pflegegrade

Vollstationäre Pflege

Die Leistungen für die vollstationäre Pflege im Pflegeheim werden ab 2017 neu gestaffelt. Für Pflegebedürftige, die bereits eine anerkannte Pflegestufe haben, gilt der sogenannte Bestandschutz. Das bedeutet, dass sie durch die Pflegegrade nicht schlechter gestellt werden sofern der Eigenanteil ab Januar 2017 höher ist als noch im Jahr 2016. Dadurch erhalten Pflegebedürftige, die schon lange eine Pflegestufe haben nicht weniger Leistungen.

Neu ist auch, dass der einrichtungseinheitliche Eigenanteil ein fester Betrag sein wird, der nicht durch eine Höherstufung im Pflegegrad erhöht wird.



Entlastungsbetrag

Ab Januar 2017 erhalten alle Pflegebedürftigen mit anerkanntem Pflegegrad in häuslicher Pflege einen Entlastungsbetrag von monatlich 125 Euro, welcher zur Finanzierung einer teilstationären Tages- oder Nachtpflege, einer Kurzzeitpflege oder für Leistungen von ambulanten Pflegediensten verwendet werden kann.

Der Entlastungsbetrag wird zusätzlich gewährt und wird somit nicht mit den sonstigen Leistungen verrechnet. Beträge, die nicht vollständig verbraucht wurden können entweder mit in den Folgemonat oder ins folgende Kalenderjahr übertragen werden.

✔ TIPP

Angehörigen und Pflegebedürftigen in allen Pflegegraden stehen kostenlose Beratungsbesuche und Pflegekurse zu.



Vergleich der wichtigsten Leistungen Pflegestufen und Pflegegrade

Vergleich: Geldleistung bei häuslicher Pflege bis 2016 bei Pflegestufen und ab 2017 bei den Pflegegraden

Vergleich: Geldleistung bei häuslicher Pflege bis 2016 bei Pflegestufen und ab 2017 bei den Pflegegraden

Vergleich: Pflegesachleistung bei Pflege durch einen ambulanten Pflegedienst bis 2016 mit Pflegestufe und ab 2017 mit Pflegegrad

Vergleich: Pflegesachleistung bei Pflege durch einen ambulanten Pflegedienst bis 2016 mit Pflegestufe und ab 2017 mit Pflegegrad

Vergleich: Leistungsbetrag bei vollstationärer Pflege bis 2016 mit Pflegestufe und ab 2017 mit Pflegegrad

Vergleich: Leistungsbetrag bei vollstationärer Pflege bis 2016 mit Pflegestufe und ab 2017 mit Pflegegrad

Das Prinzip „ambulant vor stationär“ wird durch das Pflegestärkungsgesetz 2 weiterhin stark verfolgt. Hierbei werden zuerst alle Möglichkeiten der ambulanten Vesorgung bei Pflegebedürftigkeit ausgenutzt, bevor die pflegebedürftige Person voll- oder teilstationär gepflegt wird.

Dieses Prinzip hat zweiseitige positive Auswirkungen. Zum Einen kann der Pflegebedürftige länger zuhause wohnen bleiben und zum anderen sind die Kosten für die Finanzierung einer ambulanten Versorgung wesentlich günstiger als bei der vollstationären Pflege.


Pflegegrade: Definition, Leistungen und Angebote

Pflegegrad 1:

Definition & Voraussetzung

Mit dem Pflegestärkungsgesetz 2 wird es zukünftig einfacher sein eine Pflegebedürftigkeit festzustellen, da die Gutachter eine „Geringe Beeinträchtigung der Selbstständigkeit“ feststellen müssen, welche durch nur leichte Einschränkungen im Alltag bereits erreicht wird. Diese „Geringe Beeinträchtigung der Selbstständigkeit“ bekommt, wer im Neuen Begutachtungsassessment mindestens 12,5 Punkte erreicht.

Den Pflegegrad 1 gab es nach dem alten System der Pflegestufen noch nicht, weshalb es zu mehr Ansprüchen ab 2017 kommen wird.

Leistungen

Pflegebedürftige, die den anerkannten Pflegegrad 1 haben, bekommen weder Pflegegeld noch Pflegesachleistungen aus der Pflegeversicherung. Sie erhalten jedoch den Entlastungsbetrag von monatlich 125 Euro.

Den Entlastungsbetrag können Pflegbedürftige im Pflegegrad 1 für die Finanzierung von stationärer Pflege, Kurzzeitpflege, Verhinderungspflege sowie Tages-und Nachtpflege anrechnen lassen, da Personen mit Pflegegrad 1 keinen generellen Anspruch auf diese Leistungen haben.

Passende Angebote zu Pflegegrad 1

Essen auf Rädern E-Mobile Treppenlifte

Pflegegrad 2:

Definition & Voraussetzung

Personen, die ab 2017 den Pflegegrad 2 zugewiesen bekommen haben laut dem Gutachten des MDK eine „Erhebliche Beeinträchtigung der Selbstständigkeit“. Personen mit Pflegestufe 0 mit Demenz und Pflegestufe 1 werden 2017 in den Pflegegrad 2 überführt. Bei dem neuen Begutachtungsassessment müssen mindesten 27 und höchsten 47,5 Punkte erreicht werden, um den Pflegegrad 2 zu bekommen.

Leistungen

Betroffene mit Pflegegrad 2 erhalten sowohl Pflegegeld von monatlich 316 Euro bei häuslicher Pflege als auch Pflegesachleistungen von monatlich 689 Euro durch einen ambulanten Pflegedienst. Die Pflegesachleistungen rechnet der ambulante Dienst automatisch mit den Pflegekassen ab. Pflegegeld und Pflegesachleistungen können auch kombiniert werden, wobei dann der Anteil an Pflegegeld geringer ausfällt. Daneben haben Pflegebedürftige mit Pflegegrad 2 ebenfalls Anspruch auf den Entlastungsbetrag von 125 Euro monatlich.

Für die Kurzzeitpflege sind im Pflegegrad 2 für bis zu 28 Tage im Jahr maximal 1.612 Euro vorgesehen. Dabei gilt, dass bei nicht genutztem Anspruch der Verhinderungspflege sogar bis zu 3.224 Euro für bis zu acht Wochen Kurzzeitpflege im Jahr genutzt werden kann.

Für Verhinderungspflege kann ein Zuschuss von 1.612 Euro gewährt werden. Hier gilt auch, dass im Falle der Nichtnutzung der Kurzzeitpflege ein Anspruch auf 2.418 Euro besteht. Ab 2017 erhalten Personen mit Pflegegrad 2 nur noch 770 Euro für die vollstationäre Pflege, damit besteht eine Leistungsminderung zu den vergangenen Jahren. Für die Tages- und Nachtpflege können 689 Euro im Pflegegrad 2 angerechnet werden.

Passende Angebote zu Pflegegrad 2

Demenz-GPS Hausnotruf Stundenweise Betreuung Ambulanten Pflegedienst finden

Pflegegrad 3

Definition & Voraussetzungen

Wenn der Pflegegrad 3 festgestellt wird, liegt eine „Schwere Beeinträchtigung der Selbstständigkeit“ vor. Im Neuen Begutachtungsassessment wird der Pflegegrad 3 ab 47,5 bis 70 Punkte vergeben. Personen mit Pflegestufe 1 mit Demenz und Pflegestufe 2 werden ab 2017 automatisch in den Pflegegrad 3 eingegliedert.

Leistungen

Personen mit Pflegegrad 3 können sowohl Pflegegeld in häuslicher Pflege als auch Pflegesachleistungen in Verbindung mit einem ambulanten Dienst erhalten. Das Pflegegeld beträgt bei diesem Pflegegrad 3.545 Euro monatlich und die Pflegesachleistungen 1.298 Euro pro Monat. Pflegegeld und Pflegesachleistungen können auch kombiniert werden, wobei dann der Anteil an Pflegegeld geringer ausfällt.

Daneben haben Pflegebedürftige mit Pflegegrad 3 ebenfalls Anspruch auf den Entlastungsbetrag von 125 Euro monatlich. Für die Kurzzeitpflege sowie für die Verhinderungspflege stehen im Jahr 1.612 Euro zur Verfügung. Wird nur die Kurzzeitpflege, nicht aber die Verhinderungspflege beansprucht kann für die Kurzzeitpflege sogar einen Zuschuss von 3.224 Euro für bis zu acht Wochen erhalten werden. Wird nur die Verhinderungspflege, nicht aber die Kurzzeitpflege genutzt, kann bis zu 2.418 Euro jährlich erhalten. Zusätzlich kann die Hälfte des Pflegegeldes, also 272,50 Euro für sechs Wochen bei Verhinderungspflege und acht Wochen bei Kurzzeitpflege bezogen werden.

Personen mit Pflegegrad 3 erhalten für die Tages- und Nachtpflege 1.298 Euro pro Monat. Für die stationäre Pflege in Pflegeheimen gibt es ab 2017 nur noch 1.262 Euro pro Monat.

Hinweis: Die Handhabung mit dem Eigenanteil im Pflegeheim ändert sich ab 2017 dahingehen, dass dieser nun nicht mehr steigt, sofern ein höherer Pflegegrad erreicht wird, sondern er bleibt innerhalb eines Pflegeheims gleich. Dies bedeutet jedoch nicht, dass der Eigenanteil in allen Pflegeheimen gleich ist. Er wird sich dennoch unterscheiden, da jedes Pflegeheim unterschiedliche Preise hat. Neben dem Eigenanteil für die Pflege müssen Bewohner weiterhin Kosten für Unterkunft, Verpflegung und anteilige Investitionskosten selbst tragen.

Passende Angebote zu Pflegegrad 3

Pflegehilfsmittel 24h-Betreuung finden Ambulanten Pflegedienst finden

Pflegegrad 4

Definition & Voraussetzungen

Um den Pflegegrad 4 zu erhalten muss nachweislich eine „Schwerste Beeinträchtigung der Selbstständigkeit“ vorliegen. Im neuen Begutachtungsassessment muss die zu begutachtende Person mindestens 70 bis höchstens 90 Punkte zugeteilt bekommen. Ab 2017 erhalten so neue Antragsteller nach Überprüfung falls notwendig den Pflegegrad 4, und außerdem auch Personen mit Pflegestufe 2 mit eingeschränkter Alltagskompetenz sowie mit Pflegestufe 3.

Leistungen

Pflegebedürftige mit Pflegegrad 4 haben Anspruch auf 728 Euro Pflegegeld sowie Pflegesachleistungen in Höhe von 1.612 Euro pro Monat. Zusätzlich haben sie Anspruch auf den Entlastungsbetrag von 125 Euro monatlich.

Für die Kurzzeitpflege sowie für die Verhinderungspflege stehen im Jahr 1.612 Euro zur Verfügung. Wird nur die Kurzzeitpflege, nicht aber die Verhinderungspflege beansprucht, kann für die Kurzzeitpflege sogar ein Zuschuss von 3.224 Euro für bis zu acht Wochen beantragt werden. Wird nur die Verhinderungspflege, nicht aber die Kurzzeitpflege genutzt, kann man bis zu 2.418 Euro jährlich erhalten. Zusätzlich kann die Hälfte des Pflegegeldes, also 364 Euro für sechs Wochen bei Verhinderungspflege und acht Wochen bei Kurzzeitpflege bezogen werden.

Personen mit Pflegegrad 4 erhalten für die Tages- und Nachtpflege 1.298 Euro pro Monat. Für die stationäre Pflege in Pflegeheimen wird eine Leistung von 1.775 Euro gewährt.

Passende Angebote zu Pflegegrad 4

24h-Betreuung finden Ambulanten Pflegedienst finden Pflegeheim finden

Pflegegrad 5

Definition & Voraussetzung

Mit dem 5. und damit höchsten Pflegegrad werden die höchsten Leistungen von den Pflegekassen an Pflegeversicherte gewährt. Pflegebedürftige müssen von den Gutachtern des MDK eine „Schwerste Beeinträchtigung der Selbstständigkeit“ bescheinigt bekommen und damit im Neuen Begutachtungsassessment eine Mindestpunktzahl von 90 Punkten erreichen.

Pflegebedürftige mit bisheriger Pflegestufe 3 mit Demenz oder die „Härtefälle“ werden automatisch in den Pflegegrad 5 eingruppiert.

Leistungen & Angebote

Bei häuslicher Pflege durch Angehörige erhalten Pflegebedürftige mit Pflegegrad 5 ein monatliches Pflegegeld von 901 Euro. Bei der Pflege durch einen ambulanten Pflegedienst erhalten sie 1.995 Euro. Pflegegeld und Pflegesachleistungen sind auch in diesem Pflegegrad kombinierbar. Auch hier ist der Entlastungsbetrag von 125 Euro pro Monat gültig.

Für die Kurzzeitpflege wie für die Verhinderungspflege stehen im Jahr 1.612 Euro zur Verfügung. Wird nur die Kurzzeitpflege, nicht aber die Verhinderungspflege beansprucht kann für die Kurzzeitpflege sogar einen Zuschuss von 3.224 Euro für bis zu acht Wochen erhalten. Wird nur die Verhinderungspflege nicht aber die Kurzzeitpflege genutzt, gibt es bis zu 2.418 Euro jährlich. Zusätzlich kann die Hälfte des Pflegegeldes, also 364 Euro für sechs Wochen bei Verhinderungspflege und acht Wochen bei Kurzzeitpflege bezogen werden.

Personen mit Pflegegrad 5 erhalten für die Tages- und Nachtpflege 1.995 Euro pro Monat. Im Pflegegrad 5 wird die stationäre Pflege in Pflegeheimen ab 2017 mit 2.005 Euro bezuschusst.

Passende Angebote zu Pflegegrad 5

Pflegeheim finden Umzug planen Immobilie verkaufen

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