Ratgeber Intensivpflege zu Hause

Was ist Intensivpflege?

Eine besonders anspruchsvolle Form der Krankenpflege stellt die Intensivpflege dar. Sie besteht aus einer Kombination von Grundpflege nach SGB XI und Behandlungspflege nach SGB V. Neben Körperreinigung, Umkleidung und Bewegung müssen die vitalen Funktionen des Patienten 24 Stunden lang mit einem oder mehreren Geräten unterstützt und überwacht werden, z. B. nach einer Operation, einem Unfall, im Wachkoma oder aufgrund einer neurologischen Krankheit. Häufig muss der Betroffene beatmet werden, Bronchialsekret abgesaugt bekommen und / oder künstlich ernährt werden. Auch Injektionen, Blutentnahme, Verbandswechsel, Wund-, Stoma- und Inkontinenzpflege gehören zur 1 zu 1-Versorgung, wenn diese erforderlich sind.

Intensivpflege zu Hause?

In einem geeigneten Raum, entsprechenden Geräten und mithilfe eines auf Intensivpflege qualifizierten Pflegedienstes können heute auch schwer kranke Menschen in gewohnter Umgebung verbringen. Die Nähe zur Familie oder Freunden ist gerade für diese Patienten besonders wichtig. Bereits im Krankenhaus wird die Intensivpflege vorbereitet, damit die Verlegung in den häuslichen Bereich nahtlos funktioniert. Die Pflege dürfen Sie nicht allein übernehmen, daher wird bei Bedarf rund um die Uhr eine qualifizierte Pflegekraft oder Krankenschwester zugegen sein, um den Patienten fachgerecht zu versorgen. Sie spricht auch Termine mit Ärzten und Therapeuten ab, damit der Alltag möglichst reibungslos ablaufen kann. Behandlungen wie Ergotherapie, Logopädie und Physiotherapie werden ebenfalls in die Intensivpflege integriert.

Beatmungspflege

Einige Menschen mit schwersten Erkrankungen müssen beatmet werden. Dies kann auch daheim stattfinden, braucht jedoch eine sorgfältige Planung und Durchführung. Beatmungspflege kostet sehr viel Zeit und kann nur von erfahrenem Pflegepersonal mit speziellen Medizinkenntnissen und sozialer Kompetenz durchgeführt werden. Je nach Erkrankung erfolgt die Beatmung durch die Luftröhre, über eine Maske oder durch abwechselnden Über- und Unterdruck am Brustkorb. Dazu müssen ausreichend Material und Geräte vorhanden sein, außerdem ein Ersatz für jedes Teil, falls etwas kaputt geht. Auch als Angehörige werden Sie mit den Vorgängen der Beatmung immer vertrauter werden, sodass Sie sie besser einschätzen können. 

Künstliche Ernährung

Durch die Erkrankung kann eine Situation entstehen, in der Ihr Angehöriger keine oder nicht ausreichend Nahrung schlucken oder über den Magens-Darmtrakt aufnehmen kann. Stattdessen kann er über eine Magensonde oder einen Venenkatheter mit einer Nährstofflösung versorgt werden, die direkt ins Blut geht. Da die Speziallösungen stark konzentriert sind, müssen sie über eine größere Körpervene zugeführt werden. Hierbei muss ständig darauf geachtet werden, dass sich der Zugang nicht entzündet.

Kosten/Finanzierung der Intensivpflege

Es ist günstiger, die Intensivpflege daheim durchzuführen als im Krankenhaus oder einem Heim. Die Kosten einer 24-Stundenpflege wird im Gegensatz zur ambulanten Versorgung nach Stundensätzen abgerechnet, daher ist es nicht unbedingt notwendig, dass Ihr Angehöriger einer Pflegestufe zugeteilt ist. Ist er zusätzlich demenzkrank, bekommt er weitere Zuschüsse für Betreuungsleistungen, die als Sachleistungen mit der Pflegekasse abgerechnet werden können.


Die Intensivpflege wird von der Krankenkasse vollständig bezahlt, ebenso notwendige Umbaumaßnahmen für das Pflegezimmer. Ist der Patient in einer Pflegestufe, beteiligt sich auch die Pflegeversicherung an einigen Leistungen.

Wann ein Pflegeheim besser ist

Obwohl es grundsätzlich vorteilhafter ist, einen kranken oder behinderten Menschen zu Hause zu pflegen, gibt es Situationen, in denen er in einer betreuten Wohngemeinschaft oder im Pflegeheim besser aufgehoben ist. Dies kann der Fall sein, wenn auch mit Umbaumaßnahmen kein geeignetes Pflegezimmer eingerichtet werden kann, Sie selbst gesundheitlich nicht belastbar sind oder die Pflege so aufwändig ist, dass sie mit mobilen Geräten nicht durchführbar ist. Ein weiterer Grund, einen Angehörigen nicht bei sich zu Hause intensiv pflegen zu lassen, ist, wenn Sie kein gutes Verhältnis zueinander haben.

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