Verhinderungspflege: Anspruch, Kosten und Finanzierung

Die Verhinderungspflege ist eine Form der ambulanten Pflege.

Sie kommt zum Einsatz, wenn die Hauptpflegeperson beispielsweise aufgrund einer Erkrankung, beruflichen Verpflichtungen oder wegen eines Urlaubs vorübergehend nicht der Versorgung des pflegebedürftigen Seniors nachkommen kann.

In diesem Fall kommt die Verhinderungspflege zum Tragen. Mit dieser finanziert die Pflegekasse eine Ersatzpflege für die Zeit des Ausfalls der Hauptpflegeperson.


Definition der Verhinderungspflege

Die Verhinderungspflege ist eine Form der ambulanten Pflege und gleichzeitig eine Ersatzpflege, wenn die eigentliche Person, die mit der Aufgabe der häuslichen Pflege betraut ist, vorübergehend ausfällt.

In diesem Fall kann mit der Verhinderungspflege eine temporäre Versorgung des Pflegebedürftigen durch eine weitere Person finanziert werden.

Die Verhinderungspflege kann bis zu 6 Wochen im Jahr in Anspruch genommen werden und finanziert Pflegeleistungen in einer Höhe von maximal 1.612€ jährlich. Zudem unterliegt die Verhinderungspflege bestimmten Voraussetzungen. So haben nur die Pflegebedürftigen Anspruch auf die Verhinderungspflege, die bereits über einen Zeitraum von einem halben Jahr im häuslichen Umfeld gepflegt worden sind. Dies bezeichnet man als Vorauspflege.

Einsatz der Verhinderungspflege

Die Verhinderungspflege ist eine Ersatzpflege, wenn die Hauptpflegeperson aufgrund einer Erkrankung, eines Krankenhausaufenthaltes, beruflicher Verpflichtungen oder aufgrund eines Urlaubs ausfällt. In diesem Fall kann eine Ersatzpflegeperson organisiert werden und mit der Verhinderungspflege finanziert werden.

TIPP

Nutzen Sie das jährliche Kontingent der Verhinderungspflege aus! Auch ohne Krankheitsfall oder größeren Urlaub hilft eine Auszeit von der Pflege immer, neue Kräfte zu tanken.

Möglichkeiten zur Verhinderungspflege

Anders als die Kurzzeitpflege wird die Verhinderungspflege im häuslichen Rahmen durchgeführt. Aber auch hier gibt es verschiedene Möglichkeiten.

So kann die Versorgung des pflegebedürftigen Seniors entweder von einem Angehörigen oder einem außenstehenden Freiwilligen übernommen. Aber auch ein Pflegedienst kann einspringen, bis die Hauptpflegeperson wieder verfügbar ist.

  • Verhinderungspflege durch Angehörige oder Bekannte: Wird ein Senior pflegebedürftig, sind es meist die nahen Angehörigen, die zur Pflege einspringen. Wenn diese verhindert sind, wird die Pflege oftmals auch innerhalb der Familie weitergegeben. Auf diese Weise bleibt der Pflegebedürftige nicht nur in seinem gewohnten Umfeld, sondern hat auch weiter bekannte Menschen um sich. Allerdings ist nicht jeder für die Pflege geeignet. Daher sollten nur die Angehörigen mit der Versorgung des Pflegebedürftigen betraut werden, die sich die Mammutaufgabe Pflege zutrauen. Auch über die Verwandtschaft können Nachbarn, Bekannte oder Ehrenamtliche Helfer die Pflege des Seniors übernehmen.
  • Verhinderungspflege durch einen Pflegedienst: Nicht immer findet sich in der Verwandtschaft oder darüber hinaus eine geeignete Person, die die Pflege übernehmen kann. In diesem Fall kann auch ein externer Pflegedienst mit der Versorgung des Pflegebedürftigen beauftragt werden.

Die Verhinderungspflege kann von vielen verschiedenen Personen durchgeführt werden. Voraussetzung sollte dabei stets sein, dass die Übergangspflegeperson der Aufgabe gewachsen ist und sich diese zutraut. In jedem Fall profitiert der Pflegebedürftige allerdings von dem Verbleib im gewohnten Umfeld.


Leistungen der Verhinderungspflege

Die Leistungen der Verhinderungspflege sind abhängig von dem jeweiligen Umfang der Pflegebedürftigkeit des Seniors und dessen individuellen Bedürfnissen. Zu den Leistungen zählen:

  • Grundpflege
  • Hauswirtschaftliche Versorgung
  • Tagesgestaltung

Die medizinische Behandlungspflege kann allerdings nicht durch die Verhinderungspflege abgedeckt werden. Stattdessen wird diese von einem Arzt verordnet und muss durch eine examinierte Pflegekraft erbracht werden.


Anspruch auf die Verhinderungspflege

Kann die pflegende Person aufgrund einer Erkrankung oder aus anderen Gründen die Pflege nicht Leistungen und ist für einen absehbaren Zeitraum verhindert, so kann mit der Verhinderungspflege eine Ersatzpflege finanziert werden.

Anspruch auf die Verhinderungspflege haben pflegebedürftige Senioren, welche mindestens seit 6 Monaten über eine anerkannte Pflegebedürftigkeit in Form eines Pflegegrads (ab Pflegegrad 2) verfügen und Pflegegeld zur Finanzierung der ambulanten Pflege bezieht.

Zudem muss die Voraussetzung der sogenannten Vorauspflege erfüllt sein. So muss der Pflegebedürftige bereits über einen Zeitraum von 6 Monaten im häuslichen Umfeld gepflegt worden sein.

Allerdings kann die Verhinderungspflege nicht eingesetzt werden, wenn ein Verwandter bis zweiten Grades die Versorgung des Pflegebedürftigen übernimmt. Auch wenn der Ersatzpflegende im gleichen Haushalt lebt, kann die Verhinderungspflege nicht in Anspruch genommen werden. In diesem Fall können allerdings zumindest Aufwendungen für Fahrtkosten und Verdienstausfälle bis zu 1.470 Euro pro Jahr geltend gemacht werden.

Ein Anspruch auf die Leistungen Verhinderungspflege besteht für einen Zeitraum von bis zu 6 Wochen im Jahr. Reicht dieser Zeitraum nicht aus, können zusätzlich die Leistungen der Kurzzeitpflege genutzt werden.

Anspruch auf die Verhinderungspflege


Kosten der Verhinderungspflege

Die Höhe der Kosten für die Verhinderungspflege ist von mehreren Faktoren abhängig:

  • Umfang der Pflege
  • Zeitlicher Aufwand
  • Region

Die pflegerischen Kosten der Verhinderungspflege werden dabei bis zu einem bestimmten Limit durch die Pflegekasse abgedeckt. Auf diese Weise kann die Verhinderungspflege finanziert werden.


Finanzierung der Verhinderungspflege

Leistungen der Pflegekasse

Die Finanzierung der Verhinderungspflege übernimmt die Pflegekasse bis zu einer Höhe von 1.612 € im Jahr. Dabei können die Leistungen maximal über einen Zeitraum von 6 Wochen jährlich in Anspruch genommen werden.

Pflegegrad Höhe der Leistungen
Pflegegrad 1 1.612 €
Pflegegrad 2 1.612 €
Pflegegrad 3 1.612 €
Pflegegrad 4 1.612 €
Pflegegrad 5 1.612 €

Zusätzlich wird auch das Pflegegeld über eine Dauer von höchstens 4 Wochen weiterhin ausgezahlt und kann für die Finanzierung der Verhinderungspflege eingesetzt werden.

Pflegegrad Höhe der Leistungen
Pflegegrad 1 Anspruch auf Beratungstermin
Pflegegrad 2 316 €
Pflegegrad 3 545 €
Pflegegrad 4 728 €
Pflegegrad 5 901 €

Die Leistungen für die Finanzierung der Verhinderungspflege können im Vorfeld bei der Pflegekasse beantragt werden. Alternativ können sämtliche Rechnungen und Nachweise zu den Aufwendungen für die Verhinderungspflege gesammelt und im Nachgang bei der Pflegekasse eingereicht werden.

Kombination von Verhinderungspflege und Kurzzeitpflege

Geht der Bedarf über die Höhe der Leistungen hinaus, können zusätzlich die Leistungen der Kurzzeitpflege – sofern diese nicht bereits aufgebraucht wurden – verwendet und zur Finanzierung der Verhinderungspflege umgelagert werden. Auf diese Weise stehen zusätzlich 806 € zur Finanzierung der Verhinderungspflege zur Verfügung. Insgesamt können die Leistungen der Kurzzeitpflege so auf 2.418 € erhöht werden.

Dies funktioniert auch in umgekehrter Folge. So können auch die Leistungen der Kurzzeitpflege durch noch nicht verwendete Bezüge der Verhinderungspflege aufgestockt werden.



Verhinderungspflege oder Kurzzeitpflege?

Verhinderungspflege oder Kurzzeitpflege? Diese Fragen stellen sich Pflegende häufig, wenn sie aus einem bestimmten Grund für einen absehbaren Zeitraum verhindert sind und der Pflege des Angehörigen nicht nachkommen können.

Die größten Unterschiede zwischen der Verhinderungspflege und der Kurzzeitpflege liegen in zwei Punkten:

  • Vorauspflege: Die Verhinderungspflege kann nur in Anspruch genommen werden, wenn die Bedingung der Vorauspflege erfüllt ist. Mit der Vorauspflege ist gemeint, dass der Pflegebedürftige bereits über 6 Monate hinweg zu Hause gepflegt worden ist. Die Kurzzeitpflege unterliegt nicht der Bedingung der Vorauspflege.
  • Ort: Während die Verhinderungspflege ambulant erbracht wird, findet die Kurzzeitpflege ausschließlich im stationären Rahmen statt.

Wer die Verhinderungspflege in Anspruch nehmen möchte, muss an erster Stelle die erläuterte Voraussetzung erfüllen. Letztlich hängt die Wahl der Ersatzpflege vor allem aber vom gewünschten Pflege Ort ab.

Möchte der Pflegende im eigenen Zuhause bleiben, so bietet sich die Verhinderungspflege an. Ist dies aus bestimmten Gründen nicht möglich oder soll die stationäre Pflege als Alternative zur häuslichen Pflege getestet werden, kann auf die Kurzzeitpflege zurückgegriffen werden.


Verhinderungspflege beantragen

Der Antrag auf die Verhinderungspflege kann direkt bei der Pflegekasse gestellt werden. Diese ist dazu verpflichtet, den Antrag auf Verhinderungspflege zu bewilligen, sofern ein Anspruch besteht. Somit kann innerhalb kürzester Zeit mit Leistungen gerechnet werden.


Fazit Verhinderungspflege

Ist die Hauptpflegeperson aus einem bestimmten Grund für einen absehbaren Zeitraum verhindert und kann der Versorgung des Pflegebedürftigen nicht nachkommen, kann die Verhinderungspflege beantragt werden. Mit der Verhinderungspflege wird die Ersatzpflege für den entsprechenden Zeitraum finanziert. Zudem kann die Versorgung weiterhin im ambulanten Rahmen gewährleistet werden.

Weiterführende Informationen

Pflegeformen im Überblick

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