Kurzzeitpflege: Anspruch, Kosten und Finanzierung

Die Kurzzeitpflege ist eine Variante der vollstationären Pflege. Häufig kommt sie nach einem Krankenhausaufenthalt oder bei einer kurzfristigen Verschlechterung des Gesundheitszustandes des Pflegebedürftigen zum Einsatz.

Anders als die Verhinderungspflege wird die Kurzzeitpflege lediglich im stationären Bereich durchgeführt.

Die Kurzzeitpflege wird von der Pflegekasse finanziell bezuschusst und kann sowohl für die Pflegenden als auch für die Pflegebedürftigen eine Entlastung darstellen.

Wohnen-im-Alter hat die wichtigsten Informationen zur Kurzzeitpflege im Ratgeber zusammengetragen.



Definition: Was ist Kurzzeitpflege?

Die Kurzzeitpflege ist eine Form der vollstationären Pflege, die ab Pflegegrad 2 über einen begrenzten Zeitraum im Jahr hinweg in Anspruch genommen werden kann.

Oft geht dieser Pflegeform eine kurzfristige Verschlechterung des Gesundheitszustandes voraus, sodass die häusliche Pflege durch Angehörige eine optimale Versorgung des Pflegebedürftigen nicht mehr gewährleisten kann. Auch im Anschluss an einen Krankenhausaufenthalt wird die Kurzzeitpflege häufig in Anspruch genommen.

Diese Variante der vollstationären Pflege ist auf eine Dauer von bis zu 4 Wochen im Jahr beschränkt.

Diese Tage sollten von den Pflegenden auch dann genutzt werden, wenn die Kurzzeitpflege eigentlich nicht nötig wäre. Auf diese Weise können sich pflegende Angehörige auch einmal vom anstrengenden Pflegealltag erholen und neue Kraft für die weitere Versorgung des Pflegebedürftigen sammeln.

Anders als die Verhinderungspflege ist die Kurzzeitpflege lediglich als vollstationäre Betreuung möglich und kann nicht ambulant durchgeführt werden.


Einsatz der Kurzzeitpflege

Die Kurzzeitpflege kann der Entlastung der Pflegenden vom Pflegealltag dienen, kann aber auch als Überbrückung genutzt werden, wenn eine Pflege zu Hause nicht möglich ist.

So kommt die Kurzzeitpflege beispielsweise in folgenden Fällen zum Einsatz:

  • Im Anschluss an einen Krankenhausaufenthalt, für Zeit der Umstellungsphase bis eine sachgerechte Pflege organisiert ist oder der Senior wieder allein leben kann
  • Während einer Erkrankung des pflegenden Angehörigen
  • Zur vorübergehenden physischen und psychischen Entlastung der Pflegenden vom oft harten Pflegealltag
  • Zur Überbrückung bei einem kurzfristig eingetretenen Pflegefall, wenn die Wohnung zuerst altersgerecht umgebaut werden und die Pflege organisiert werden muss
  • Im Fall einer kurzfristigen Verschlimmerung der Pflegebedürftigkeit, wenn die Pflege durch Angehörige keine optimale Versorgung mehr gewährleisten kann

Möglichkeiten zur Kurzzeitpflege

Wer auf die Kurzzeitpflege zurückgreifen möchte, hat verschiedene Möglichkeiten zur Auswahl. Dazu zählen:

  • Spezielle Kurzzeitpflegeeinrichtungen
  • Kurzzeitpflegestationen im Pflegeheim
  • Kurzzeitpflegewohnbereich, innerhalb einer stationären Altenhilfeeinrichtung oder eines Krankenhauses

Wichtig ist bei der Auswahl, dass die jeweilige Einrichtung über eine Zulassung zur pflegerischen Versorgung nach Sozialgesetzbuch (SGB) XI verfügt.

In Ausnahmefällen ist allerdings auch eine Unterbringung in einer Vorsorge- oder Rehabilitationseinrichtungen ohne diese Zulassung möglich, wenn der pflegende Angehöriger diese selbst in Anspruch nimmt.


Leistungen der Kurzzeitpflege

Die Leistungen der Kurzzeitpflege sind vergleichbar mit der der stationären Pflege. Dazu zählen:

  • Die sogenannten Hotelkosten, also Kosten für Unterkunft und Verpflegung
  • Grundpflege und Behandlungspflege, also Körperpflege, Verbandswechsel, Messen von Blutdruck und so weiter
  • Teilnahme an Therapie- und Beschäftigungsangeboten
  • Nutzung der Angebote der Einrichtung

Leistungen der Kurzzeitpflege

Dabei werden allerdings nicht alle Kosten von der Pflegekasse getragen, wie auch bei stationärer Pflege müssen Hotelkosten selbst gezahlt werden.


Anspruch auf die Kurzzeitpflege

Ein Anspruch auf die Kurzzeitpflege besteht ab einem vorliegenden Pflegegrad 2. Diese Leistung kann für eine Zeit von bis zu 4 Wochen im Jahr genutzt werden.

Die Nutzung der Kurzzeitpflege schließt dabei eine Inanspruchnahme der Verhinderungspflege nicht aus. Diese kann ebenfalls innerhalb des Jahres genutzt werden.


Kurzzeitpflege ohne Pflegegrad

In Ausnahmefällen kann die Kurzzeitpflege seit dem 1. Januar 2016 auch ohne einen Pflegegrad beantragt werden. Beispielsweise nach Unfall oder bei einer schweren Erkrankung, bei der ein Senior plötzlich pflegebedürftig wird. Oftmals schließt sich die Kurzzeitpflege auch akut nach einem Krankenhausaufenthalt an.

Anders als bei einem vorhandenen Pflegegrad kann die Kurzzeitpflege ohne Pflegegrad allerdings nicht zur Entlastung pflegender Angehöriger eingesetzt werden, sondern lediglich bei pflegerischen Engpässen.

Im Fall der Kurzzeitpflege ohne Pflegegrad zahlt die Kosten zudem nicht die Pflegekasse, sondern die Krankenkasse. Entsprechend muss auch der Antrag auf diese Leistung bei der Krankenkasse gestellt werden.


Kosten für die Kurzzeitpflege

Die Kosten für die Kurzzeitpflege setzen sich aus mehreren Faktoren zusammen:

  • Hotelkosten: Kosten für Unterkunft und Versorgung
  • Investitionskosten: Kosten für die Instandhaltung etc.
  • Pflegekosten: Kosten für pflegerische Leistungen

Dabei werden die anfallenden pflegerischen Kosten durch die Leistungen der Pflegekasse abgedeckt. Die verbleibenden Kosten müssen durch den Pflegebedürftigen selbst getragen werden. Was viele allerdings nicht wissen: Zur Deckung dieser anfallenden Kosten kann der sogenannte Entlastungsbetrag von 125€ monatlich verwendet werden.

TIPP

Der Entlastungsbetrag kann zur Finanzierung der Kurzzeitpflege verwendet werden.


Finanzierung der Kurzzeitpflege

Die Finanzierung der Kurzzeitpflege muss nicht durch die Pflegebedürftigen allein gestemmt werden. Die Pflegekasse unterstützt diese ab einem anerkannten Pflegegrad 2 mit bis zu 1.612€ jährlich.


Unterstützung durch die Pflegekasse

Eine umfassende Pflege ist teuer, dies gilt auch für die Kurzzeitpflege. Damit die Pflegebedürftigen nicht allein die Finanzierung stemmen müssen, erhalten sie eine Unterstützung durch die Pflegekasse.

Voraussetzung hierfür ist unter anderem die Zulassung der Pflegeeinrichtung zur Kurzzeitpflege durch die Kasse. Daher sollte bei der Auswahl der Einrichtung darauf geachtet werden, dass diese vorhanden ist, d a die Leistungen der Pflegekasse sonst nicht in Anspruch genommen werden können.

Eine weitere Voraussetzung ist das Vorhandensein eines anerkannten Pflegegrades. So haben alle Pflegebedürftigen, die mindestens in einen Pflegegrad 2 eingestuft sind einen Anspruch auf bis zu 1.612€ für höchstens 4 Wochen jährlich für die Kurzzeitpflege. Dabei sind die jeweiligen Beiträge für jeden Pflegegrad gleich hoch und werden unabhängig vom Pflegegrad ausgezahlt.

Höhe der Leistungen
Pflegegrad 1 1.612 €
Pflegegrad 2 1.612 €
Pflegegrad 3 1.612 €
Pflegegrad 4 1.612 €
Pflegegrad 5 1.612 €

Pflegebedürftige mit einem Pflegegrad 1 haben keinen Anspruch auf Leistungen durch die Pflegekasse zur Finanzierung der Kurzzeitpflege. Allerdings kann der monatliche Entlastungsbetrag von 125€ für diese verwendet werden.

Zusätzlich wird für alle Pflegegrade auch während der Kurzzeitpflege das Pflegegeld bis zu vier Wochen weiter ausgezahlt. Auch dies bietet eine weitere Möglichkeit, die Kosten der Kurzzeitpflege zu decken.

TIPP

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Kombination von Verhinderungs- und Kurzeitpflege

Eine weitere Möglichkeit zur Finanzierung der Kurzzeitpflege bietet die Möglichkeit der Kombination der Leistungen von Kurzzeitpflege und Verhinderungspflege.

Wurden im entsprechenden Kalender noch nicht die gesamten 6 Wochen der Verhinderungspflege aufgebraucht, können diese auch für eine Erweiterung der Kurzzeitpflege verwendet werden. Damit können bis zu 3.224€ für die Kurzzeitpflege eingesetzt und diese auf bis zu 8 Wochen im Jahr ausgedehnt werden.

Kombination von Kurzzeit- und Verhinderungspflege

Diese Gleichung funktioniert auch im Umkehrschluss: So können auch die ungenutzten Zeiten der Kurzzeitpflege auf die Verhinderungspflege umgelagert werden. Dabei ergibt sich ein Höchstbetrag von 2.418€, der für die Verhinderungspflege eingesetzt werden kann.

Pflegebedürftige, die einen Pflegegrad 1 besitzen können neben dem monatlichen Entlastungsbetrag von 125€ ebenfalls die noch nicht verwendeten Mittel der Verhinderungspflege zur Finanzierung der Kurzzeitpflege einsetzen. Somit ergibt sich ein Leistungsbetrag von bis zu 3.224€ im Jahr für die Kurzzeitpflege, die Leistungen können maximal verdoppelt werden.

Es lohnt sich also, die beiden Formen zu kombinieren!

Sind die verbleibenden Kosten der Kurzzeitpflege dennoch zu hoch und können nicht durch den Pflegebedürftigen getragen werden, kann der Elternunterhalt zum Einsatz kommen oder die sogenannte Hilfe zur Pflege beim zuständigen Sozialamt beantragt werden.


Kurzzeitpflege oder Verhinderungspflege?

Innerhalb desselben Kalenderjahres können sowohl die Kurzzeitpflege als auch die Verhinderungspflege in Anspruch genommen werden. Die größten Unterschiede zwischen den beiden Formen liegen dabei in folgenden Punkten:

  • Die Verhinderungspflege kann nur dann in Anspruch genommen werden, wenn der Pflegebedürftige mindestens für einen Zeitraum von sechs Monaten zuvor durch eine Pflegeperson im häuslichen Umfeld gepflegt wurde (sog. Vorauspflege)
  • Verhinderungspflege wird ambulant durchgeführt, Kurzzeitpflege stationär
  • Bei der Kurzzeitpflege besteht keine Frist der Vorauspflege

Kurzzeitpflege beantragen

Der Antrag auf die Kurzzeitpflege muss durch den Pflegebedürftigen oder dessen gesetzlichen Vertreter oder Betreuer unterschrieben werden. Bei der Antragsstellung können aber auch die Pflegekasse oder der Sozialdienst einer Pflegeeinrichtung, eines Krankenhauses oder einer Reha-Einrichtung unterstützend zur Seite stehen.

Die Antragsformulare sind bei der Pflege- sowie bei der Krankenkasse erhältlich.

Im Optimalfall sollte eine Beantragung kurz vor Beginn der Kurzzeitpflege stattfinden. Allerdings kann die Kurzzeitpflege aber auch kurzfristig notwendig werden, beispielsweise bei einer unvorhersehbaren Verschlechterung des Zustands des Pflegebedürftigen oder im Anschluss an einen ungeplanten Krankenhausaufenthalt. In diesem Fall ist Aussage der Pflegeperson oder des Pflegedienstes ausreichend, die die Notwendigkeit der Kurzzeitpflege belegen.


Die Kurzzeitpflege kann für Pflegebedürftige und Pflegende eine Entlastung vom harten Pflegealltag bringen. Daher sollten die zu Verfügung stehenden Tage unbedingt genutzt werden! Ist eine stationäre Versorgung nicht gewünscht, können die Leistungen der Pflegekasse für die Kurzzeitpflege auch für die Verhinderungspflege verwendet werden.


Weiterführende Informationen

Pflegeformen im Überblick

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