Demenz - Wenn Vergesslichkeit zur Krankheit wird

Demenz zählt zu den häufigsten Alterskrankheiten. Allein in Deutschland sind etwa 1,6 Millionen Senioren erkrankt.

Der schleichende Verlust von Erinnerung und Persönlichkeit zählt zu den bekanntesten Symptomen der Erkrankung.

Was aber genau ist Demenz? Welche Symptome gibt es? Wie sehen die Behandlungsmöglichkeiten aus? Und kann man der Erkrankung vorbeugen?

Die wichtigsten Fragen und Antworten rund um das Thema Demenz hat Wohnen-im-Alter im Ratgeber zusammengestellt.



Was ist Demenz?

Demenz oder auch das demenzielle Syndrom ist ein Komplex verschiedener Symptome, die zum Abbau des Gedächtnisses sowie kognitiver, emotionaler und sozialer Fähigkeiten führen kann.

Die Ursache liegt meist im Verlust oder der Veränderung von Gehirnzellen infolge verkümmerter Nervenzellen sowie Ablagerungen oder Durchblutungsstörungen.

Der Begriff Demenz leitet sich ab von dem lateinischen de mente, was "ohne Geist" oder "von Sinnen" bedeutet.

Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) können folgende Symptome ein Hinweis auf eine beginnende Demenz sein:


Anfängliche Symptome von Demenz

  • Sprachstörungen (Aphasie)
  • Beeinträchtigung der Ausführung motorischer Fähigkeiten (Apraxie)
  • Störung des Erkennens und Wiedererkennens von Gegenständen oder Personen (Agnosie)
  • Probleme mit der Ausführung mehrstufiger Handlungen, der Planung von Abläufen oder Terminen, der Organisation und dem Einhalten von Reihenfolgen

Neben den von der WHO genannten Einschränkungen ist zudem eine große Anzahl weiterer Symptome möglich.

Demenz tritt vor allem bei Menschen höheren Alters auf. So sind in der Altersgruppe von 65 bis 69 etwa 1,6% betroffen, bei den über 90-jährigen sind 40,95% der Senioren an Demenz erkrankt. Zwei Drittel aller Demenzkranken sind über 80, wobei Frauen statistisch gesehen häufiger betroffen sind als Männer. Dies ist laut Studien aber vor allem auf die höhere Lebenserwartung zurückzuführen.

Allein in Deutschland leben rund 1,6 Millionen Menschen mit Demenz. Weltweit sind es 45 Millionen erkrankte (Stand 2016). Bis 2050 soll sich die Zahl der Erkrankungen infolge des demographischen Wandels fast verdoppeln. Etwa 70 bis 80% der Erkrankten leidet dabei an der Demenzform Alzheimer.


HINWEIS

Das Risiko an Demenz zu erkranken wächst mit dem Alter. Allerdings handelt es sich dabei um keine gewöhnliche Alterserscheinung, sondern um eine ernstzunehmende Krankheit.




Formen von Demenz

Demenz hat viele Gesichter, so gibt es viele verschiedene Formen der Krankheit.

Grundsätzlich findet bei den verschiedenen Formen eine Unterscheidung zwischen primärer und sekundärer Demenz statt. Die primäre Demenz hat ihren Ursprung im Gehirn und ist nicht heilbar, dafür aber therapierbar. Die Sekundäre Demenz dagegen tritt als Folgeerkrankung anderer Erkrankungen wie einem Vitaminmangel oder Depressionen auf, ist bei Einsatz geeigneter Therapien aber heilbar.

Die häufigste Form der Krankheit ist Alzheimer, weswegen Alzheimer häufig synonym zu dem Begriff Demenz verwendet wird. Allerdings ist dies aber nur eine spezielle Form des demenziellen Syndroms.

Die drei häufigsten Formen weltweit sind Alzheimer die vaskuläre Demenz sowie die frontotemporale Demenz, die im Folgenden kurz erläutert werden.


Alzheimer

Alzheimer ist die häufigste Form von Demenz. Die genaue Ursache ist nicht bekannt, allerdings tritt diese Form des demenziellen Syndroms oft in Kombination mit Eiweißablagerungen im Gehirn der Betroffenen auf, sodass die Vermutung nahe liegt, dass die Erkrankung auf diese Ablagerungen zurückzuführen ist.

Das Krankheitsbild ist geprägt durch Gedächtnis- und Orientierungsstörungen, Sprachstörungen, Störungen des Denk- und Urteilsvermögens sowie Veränderungen der Persönlichkeit. Die jeweiligen Symptome sind bei einzelnen Betroffenen unterschiedlich stark ausgeprägt und können bis zum völligen Verlust der Eigenständigkeit führen.

Insgesamt führt Alzheimer zu einem fortschreitenden geistigen Abbau. Durch gezielte Therapie lässt sich der Krankheitsverlauf allerdings verzögern.


Vaskuläre Demenz

Die zweithäufigste Form von Demenz ist die vaskuläre Demenz. Sie bezeichnet eine Gruppe von Demenzformen, deren Ursache Durchblutungsstörungen des Hirns sind.

Ausgelöst wird die vaskuläre Demenz häufig durch Rauchen, zu hohe Cholesterinwerte, Diabetes und Bluthochdruck, kann aber auch in Zusammenhang mit einem Schlaganfall oder einem Unfall plötzlich auftreten.

Die ersten Anzeichen sind eine langsame Reaktion des Betroffenen sowie Denkprobleme und Stimmungsschwankungen. Das Krankheitsbild ist geprägt durch Veränderungen der Persönlichkeit, Gedächtnisschwierigkeiten, Orientierungsprobleme, Sprachstörungen, Denkprobleme und ein nachlassendes Urteilsvermögen.

Wie auch bei Alzheimer findet ein Abbau geistiger Fertigkeiten statt. Doch auch im Fall der vaskulären Demenz ist eine Verzögerung des Krankheitsverlaufes durch gezielte Therapie möglich.


Frontotemporale Demenz

Bei der frontotemporalen Demenz – auch Pick-Krankheit genannt – findet ein Abbau von Nervenzellen zunächst im Stirn- und Schläfenbereich statt.

Diese spezielle Form des Syndroms tritt in der Regel früher auf als andere Formen der Demenz und hat bei Neuerkrankungen eine breite Altersspanne von 20 bis 85 Jahren.

Das Krankheitsbild ist gekennzeichnet durch die Veränderung der Persönlichkeit und des Sozialverhaltens des betroffenen Seniors, Problemen bei der Kontrolle von Emotionen und später auch der Beeinträchtigung des Gedächtnisses, dies allerdings nicht so stark wie beispielsweise im Fall von Alzheimer.

Aufgrund der Symptome findet häufig eine Verwechslung mit psychischen Störungen wie Depressionen oder Schizophrenie statt. Auch die Therapie gestaltet sich häufig schwierig. Grund dafür ist die oft geringe Therapiebereitschaft der Betroffenen und die durch unbekannte Ursachen kaum vorhandenen Therapiemöglichkeiten. Dadurch wird vor allem eine medikamentöse Therapie angewendet.


Neben den drei erläuterten Formen gibt es auch noch die primären Demenzformen wie Lewy-Körperchen-Demenz, Creutzfeldt-Jakob Krankheit sowie weitere sekundäre Demenzformen wie toxische Demenz oder traumatische Demenz.

Formen von Demenz

Quelle: Alzheimer Forschung Initiative e. V.




Symptome von Demenz

Die Demenz ist gekennzeichnet durch viele verschiedene Symptome, daher stammt auch der Name „demenzielles Syndrom“. Ein Syndrom beschreibt die Zusammenkunft mehrerer verschiedener Symptome, die das jeweilige Krankheitsbild prägen.

Im Fall des demenziellen Syndroms sind die Symptome vor allem abhängig von der jeweiligen Form der Demenz und dem jeweiligen Betroffenen, da die Krankheitsbilder sehr individuell ausgeprägt sind.

Jedoch gibt es einige grundlegende Symptome, die die meisten Formen gemeinsam haben. Dazu zählen:


  • Gedächtnisstörungen
  • Orientierungsstörungen
  • Veränderung der Persönlichkeit
  • Denkstörungen und vermindertes Urteils- und Entscheidungsvermögen
  • Auffassungsprobleme
  • Konzentrationsschwächen
  • Wahrnehmungsveränderungen
  • Gestörter Tag-Nacht-Rhythmus

Die betroffenen Senioren durchlaufen im Verlauf der Krankheit verschiedenen Stadien, in denen die Symptome sich jeweils verstärken und einzelne Symptome hinzukommen können. Dies kann so weit gehen, dass die Betroffenen die eigenen Angehörigen nicht mehr erkennen und letztlich einer Betreuung rund um die Uhr bedürfen, da kaum noch Kontrolle über das eigene Leben besteht.

Demenz ist nicht heilbar, allerdings können die Symptome durch verschiedene Therapien und Medikamente behandelt werden, was den Krankheitsverlauf abschwächt und verzögert.




Wie wird Demenz festgestellt?

Demenz beginnt oft schleichend und in vielen Fällen werden die jeweiligen Symptome als „normale“ Alterserscheinungen abgetan. Werden die Symptome aber erst einmal als Symptome erkannt, ist die Diagnose anhand von vergleichsweise einfachen Testverfahren recht sicher zu stellen.


Testverfahren

Bereits zu Hause können Angehörige ihre Vermutung überprüfen, ob bei einem Angehörigen eine Demenz vorliegen könnte. Hierbei hilft der sogenannte Uhrentest. Bestätigt sich die Vermutung, sollte unbedingt ein Arzt aufgesucht werden!

Zur ärztlichen Feststellung der Krankheit Demenz und der Früherkennung dieser existieren eine Reihe neurologischer Tests. Hierbei findet eine Überprüfung der Gehirnleistung durch eine Untersuchung der Merkfähigkeit, Orientierung, Aufmerksamkeit, Rechenfähigkeit, Erinnerung und Sprache statt.

Darüber hinaus gibt es weitere Tests zur Basisdiagnostik. Dazu zählen Blutuntersuchungen, die Computertomografie (CT), die Magnetresonanztomografie (MRT) sowie das Elektrokardiogramm (EKG). Bei spezifischen Formen von Demenz können zudem weitere Untersuchungen wie beispielsweise eine Hirnwasseruntersuchung nötig werden.


Warum eine Diagnose so wichtig ist

Tauchen die ersten Symptome auf, besteht häufig eine Verunsicherung bei Betroffenen und Angehörigen. Sind dies schon Symptome für Demenz oder lediglich „normale“ Alterserscheinungen? Zudem scheuen sich viele Senioren bei Auftauchen der ersten Symptome der Erkrankung zum Arzt zu gehen, aus Angst vor der Diagnose Demenz.

Allerdings ist eine frühzeitige Diagnose wichtig, um gezielte Therapien einzuleiten, die den Krankheitsverlauf verzögern.

Demenz ist in der Regel nicht heilbar, kann allerdings gut behandelt werden. Sind die Symptome erst einmal in ausgeprägter Form da, lassen sie sich in der Regel nicht rückgängig machen. Allerdings existieren verschiedene Therapieansätze, sodass die Beeinträchtigungen für den Betroffenen eingedämmt werden können.

Daher ist es wichtig, rechtzeitig einen Arzt aufzusuchen, oder als Angehöriger den betroffenen Senior zu einem Arztbesuch motivieren, um frühzeitig Hilfe zu bekommen.




Behandlung bei Demenz

Ist die Diagnose Demenz erst einmal gestellt, kann der behandelnde Arzt gezielte Therapien einleiten. Diese ist nicht nur bei den heilbaren sekundären Formen wichtig, sondern auch bei primären nicht heilbaren Formen.

Zwar gibt es keine Heilung der Erkrankung, dafür kann aber der Krankheitsverlauf verzögert und die Beschwerden gelindert werden.

Allgemeine Ziele der Behandlung sind bei der Demenz-Therapie:


  • Linderung von Symptomen
  • Verzögerung des Fortschreitens der Erkrankung
  • Mehr Zeit und Lebensqualität für Betroffene

Dabei existieren verschiedene Behandlungsmethoden. Einerseits werden verschiedene Therapien angewendet, andererseits gibt es Medikamente zur Therapie. In schweren Fällen kann sogar eine umfassende Pflege nötig werden.


Therapiemöglichkeiten

Bei der Behandlung von Demenz gibt es sowohl medikamentöse als auch therapeutische Behandlungsansätze, abhängig von der Form der Demenz und dem individuellen Fall.

Der Einsatz von Medikamente findet vor allem im frühen und mittleren Stadium der Demenz statt. In den meisten Fällen werden sie gegen Symptome wie Gedächtnisprobleme verschrieben. Zudem findet häufig eine Medikation gegen Depressionen statt, da diese psychische Beeinträchtigung eine häufige Begleiterscheinung von Demenz ist und sich negativ auf den Krankheitsverlauf auswirken kann. Insgesamt führt der Einsatz von Medikamenten zu einem Gewinn von mehr Zeit und höherer Lebensqualität für die Betroffenen.

Im Fall der Therapiemöglichkeiten hängt der Einsatz der jeweiligen Therapieform vom Stadium der Erkrankung ab. Die Therapie ist dabei kein Wundermittel, hilft aber vor allem der Gedächtnisförderung und damit dem Erhalt von Fähigkeiten. Zudem werden Erfolgserlebnisse herbeigeführt und daraus Motivation für die Betroffenen generiert. Außerdem schafft eine Therapie aber auch Raum für die Senioren, über die Erkrankung zu sprechen. Hierbei existieren verschiedene Therapieansätze. Dazu zählen die Verhaltenstherapie, die Psychotherapie, das Training von Fähigkeiten, Gedächtnistraining sowie die Musiktherapie.


Pflege

Reicht im frühen Verlauf der Demenz eine Begleitung durch Angehörige oder eine stundenweise Betreuung aus, wird im späteren Verlauf der Erkrankung meist eine intensive Betreuung nötig.

Vor allem bei einem Verlust der Kontrolle über den eigenen Körper, völliger Orientierungslosigkeit und Gedächtnisverlust oder Persönlichkeitsveränderungen hin zu Aggressionen ist eine professionelle Pflege sowohl für die Betroffenen als auch für Angehörige die beste Lösung.

Zudem gibt es viele Pflegeheime, die sich auf die Pflege von Demenzpatienten spezialisiert haben. Auch eine Pflege im Ausland ist möglich. Vor allem in beliebten Pflegeländern wie Polen, Spanien oder Thailand gibt es spezielle Einrichtungen für Demenzkranke.




Pflegebedürftigkeit durch Demenz

Im Verlauf der Erkrankung führt Demenz in den meisten Fällen zu einer Pflegebedürftigkeit der betroffenen Senioren.

Vor der Einführung der Pflegegrade zum 1.1.2017 mit dem Pflegestärkungsgesetz II fand keine Erfassung kognitiver oder psychischer Beeinträchtigungen in den Pflegestufen statt. Dadurch wurden Demenzpatienten der Pflegestufe 0 zugeordnet und erhielten infolgedessen nur eine geringe finanzielle Unterstützung durch die Pflegekasse. War aus anderen Gründen bereits eine Pflegebedürftigkeit vorhanden, erhielten die Betroffenen nur geringe finanzielle Zuschläge für die zusätzliche Erkrankung.

Der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff erfasst nicht nur körperliche Beschwerden, sondern bezieht auch kognitive und psychische Beeinträchtigungen in die Beurteilung mit ein.


Der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff

Dadurch erfahren an Demenz erkrankte Senioren eine höhere finanzielle Unterstützung als zur Zeit der Pflegestufen, abhängig von der Schwere der Erkrankung.


✔ BEISPIEL

Im Anfangsstadium einer Demenz wird der Betroffene in der Regel abhängig von Symptomen und den bereits vorhandenen Einschränkungen in den Pflegegrad 1 eingestuft. Bei zunehmenden Symptomen steigt auch der Pflegegrad und damit die finanzielle Unterstützung der Pflegekasse.




Demenz-Prävention

Wer sich geistig fit hält, erkrankt wie Studien belegen seltener an Demenz.

Einem Beruf nachgehen, Neues lernen, Hobbys pflegen und soziale Kontakte geben dem Gehirn immer wieder neue Reize, die die Leistungsfähigkeit erhalten und sogar steigern können. Abwechslung ist dabei das A und O, schon einen gewohnten Spaziergang an einen anderen Ort zu verlegen kann das Risiko an Demenz zu erkranken senken.

Auch in Sachen Gesundheit kann dem demenziellen Syndrom vorgebeugt werden: Rauchen, erhöhte Cholesterinwerte, Übergewicht und Bluthochdruck steigern das Risiko, an Demenz zu erkranken.

Wer bewusst und gesund lebt und sich dabei geistig fit hält, minimiert das Risiko zu erkranken stark.


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Die Krankheit Demenz hat viele Gesichter und bereitet vor allem Senioren Sorgen.

Wichtig ist im Fall einer Erkrankung vor allem eine rechtzeitige Behandlung, um Krankheitsverlauf zu mildern und Lebensqualität zu erhalten. Durch eine gesunde Lebensweise und geistige Fitness kann einer Erkrankung zudem vorgebeugt werden.

Ist ein Senior an Demenz erkrankt, erhält er durch neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff finanzielle Unterstützung durch die Pflegekasse, sodass auch eine angemessene Pflege finanziert werden kann.

Tipp: GPS-Demenz Ortung


Weiterführende Informationen

Alle Ratgeber zum Thema Demenz:

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