Pflegestufen-Ratgeber: Pflegestufen 0,1,2,3 & Leistungen 2016/2017

Was sind Pflegestufen? 

Pflegestufen sind entscheidend für die Höhe der Leistungen aus der Pflegekasse. Je nach Grad ihrer Pflegebedürftigkeit werden betroffene Menschen in die Pflegestufe 1, Pflegestufe 2, Pflegestufe 3 oder als Härtefall eingestuft. Pflegebedürftige Personen (siehe Begriff Pflegebedürftigkeit) sind für die Gewährungen von Leistungen der Pflegekasse in drei Pflegestufen eingegliedert. Die Einteilung in eine Pflegestufe erfolgt durch die Pflegekasse nach Empfehlung durch den MDK (siehe Begutachtung durch den MDK). Neben diesen drei Stufen gibt es eine Härtefall-Regelungen. Seit der Pflegereform 2008 greift die „Pflegestufe 0“ für Demenzkranke, wenn diese nicht die Kriterien für eine Pflegestufe erfüllen. Die Pflegestufen sind eng definiert und richten sich nach der Höhe der Pflegezeit. Entscheiden sind die Zeiten, die für die unterschiedlichen Tätigkeiten Hilfstätigkeiten benötigt werden. Dabei wird zwischen Grundpflege und hauswirtschaftlicher Versorgung unterschieden. Grundpflege bezeichnet die Hilfe in den Bereichen Körperpflege, Ernährung und Mobilität. Hauswirtschaftliche Versorgung betrifft Tätigkeiten wie Einkaufen, Kochen, Reinigen der Wohnung und Waschen. 

Pflegestufen-Ratgeber:

Pflegestufe 1 - erhebliche Pflegebedürftigkeit

In diese Pflegestufe fällt der Pflegebedürftige, der mindestens einmal täglich Hilfebedarf bei mindestens zwei Verrichtungen bedarf. Diese Verrichtungen können aus einen oder mehreren Pflege-Bereichen kommen. Zusätzlich muss mehrfach Hilfe bei der hauswirtschaftlichen Versorgung bestehen. Der Zeitaufwand muss täglich mindestens 90 Minuten betragen. Davon soll 46 Minuten für die Grundpflege benötigt werden.

Bei Pflegestufe 1 zahlt die Pflegeversicherung seit dem 01.01.2015:

  • Häusliche Pflege: 244 Euro Pflegegeld und maximal 468 Euro Pflegesachleistung im Monat
  • Tagespflege: 468 Euro pro Monat
  • Kurzzeitpflege: 1.612 Euro pro Jahr
  • Vollstationäre Pflege: 1.064 Euro pro Monat

Pflegestufe 2 – Schwerpflegebedürftige

Wer mindestens dreimal täglich Hilfe in einen oder mehreren Bereichen und mehrfach wöchentlich Hilfe in der hauswirtschaftlichen Versorgung benötigt, wird der Pflegestufe 2 zugeordnet. Die Pflegezeit sollte mindestens 180 Minuten betragen. Davon sollte mindestens 120 Minuten für die Grundpflege aufgewendet werden.

Bei Pflegestufe 2 zahlt die Pflegeversicherung seit dem 01.01.2015:

  • Häusliche Pflege: 458 Euro Pflegegeld und maximal 1.144 Euro Pflegesachleistung im Monat
  • Tagespflege: 1.114 Euro pro Monat
  • Kurzzeitpflege: 1.612 Euro pro Jahr
  • Vollstationäre Pflege: 1.330 Euro pro Monat

Pflegestufe 3 – Schwerstpflegebedürftige

Als „Schwerstpflegebedürftig“ gilt, wer den ganzen Tag und Nacht Hilfe bei Körperpflege, Mobilität und Ernährung benötigt und mehrfach wöchentlich in der hauswirtschaftlichen Versorgung. In Pflegezeiten bedeutet dies mindestens 300 Minuten (fünf Stunden) davon mindestens 240 Minuten (vier Stunden) für die Grundpflege.

Bei Pflegestufe 3 zahlt die Pflegeversicherung seit dem 01.01.2015

  • Häusliche Pflege: 728 Euro Pflegegeld und maximal 1.612 Euro Pflegesachleistung im Monat
  • Tagespflege: 1.612 Euro pro Monat
  • Kurzzeitpflege: 1.612 Euro pro Jahr
  • Vollstationäre Pflege: 1.612 Euro pro Monat

Härtefall – Schwerstpflegebedürftige mit  hohem Pflegeaufwand

Als Härtefall gelten Pflegebedürftige der Pflegestufe 3, die einen höheren Bedarf an Pflege haben, als in dieser Pflegestufe vorgesehen ist. Ein Härtefall trifft zu, wenn die Grundpflege Tag und Nacht von mehreren Pflegekräften übernommen werden muss. Auch wer ständig Hilfe in der hauswirtschaftlichen Versorgung und mindestens 6 Stunden am Tag auf Pflege angewiesen ist, fällt unter die Härtefall-Regelung. Der Härtefall kann auch bei verschiedenen Krankheiten wie Krebs, Demenz, Mehrfacherkrankungen im Endstadium gewährt werden. Der Härtefall wird von der Pflegekasse aber nur selten gewährt, da es eine prozentuale Begrenzung gibt.

Für die Feststellung eines außergewöhnlich hohen Pflegeaufwands in Pflegestufe III und damit des Anspruchs auf höhere Leistungen gelten folgende Voraussetzungen (zusätzlich zur hauswirtschaftlichen Versorgung, die mehrfach in der Woche erforderlich sein muss): die Grundpflege beträgt täglich mindestens sechs Stunden, davon mindestens drei Stunden in der Nacht (bei Pflegebedürftigen in stationären Pflegeeinrichtungen ist auch die dauerhafte medizinische Behandlungspflege zu berücksichtigen) oder die Grundpflege kann nachts nur von mehreren Pflegekräften gemeinsam erbracht werden, wobei es sich nicht nur um professionelle Pflegefachkräfte, sondern auch um mindestens einen Laien (nicht angestellt bei einem Pflegedienst, z. B. einen Angehörigen) handeln muss

Beim Härtefall zahlt die Pflegeversicherung seit dem 01.01.2015:

  • Häusliche Pflege: 1.995 Euro Pflegesachleistung pro Monat
  • Vollstationäre Pflege: 1.995 Euro pro Monat

Pflegestufe 0: eingeschränkte Alltagskompetenz

Bei psychischen und dementiellen Erkrankungen kommt es oft vor, dass der Pflege-Zeitaufwand nicht für die Pflegestufe 1 reicht. Seit der Pflegereform 2008 können Pflegebedürftige mit einer „eingeschränkten Alltagskompetenz“ Leistungen von der Pflegekasse erhalten. Diese Leistungen erhielten Betroffene mit einer eingeschränkten Alltagskompetenz (z.B. Demenz), auch wenn diese die Kriterien für eine Pflegestufe nicht erfüllen. Diese eingeschränkte Alltagskompetenz wird durch eine Begutachtung durch den MDK festgestellt.

Seit dem 01.01.2013 erhielten Demenzkranke höhere Leistungen von der Pflegeversicherung. Das sieht das Gesetz zur Neuausrichtung der Pflegeversicherung (Pflege- Neuausrichtungs-Gesetz - PNG) vor. Demenzkranke mit der so genannten Pflegestufe 0 bekamen zusätzlich 120 Euro im Monat, wenn sie von Angehörigen betreut werden und 225 Euro, falls sie einen ambulante Pflegedienste in Anspruch nehmen. Diese Leistungen wurden 2015 erhöht.

Bei Pflegestufe 0 zahlt die Pflegeversicherung seit 2015:

  • Häusliche Pflege: 123 Euro Pflegegeld und maximal 231 Euro Pflegesachleistung im Monat
  • Tagespflege: 231 Euro pro Monat
  • Kurzzeitpflege: 1.612 Euro pro Jahr
  • Vollstationäre Pflege: keine Kosten-Übernahme der Pflegeversicherung bei Pflegestufe 0

Mehr Leistung in den Pflegestufen seit 2015

Am 01. Januar 2015 wurden mit dem Pflegestärkungsgesetz 1 die Leistungen der Pflegekasse als Inflationsausgleich um 4 Prozent erhöht. Bei stationärer Pflege in der Pflegestufe I erhalten Heimbewohner 1064 statt 1023 Euro pro Monat. In den Stufen II und III stiegen die Leistungen auf 1330 und 1612 Euro statt bisher 1279 beziehungsweise 1550 Euro. Wer als Härtefall anerkannt ist, erhält 1995 statt 1918 Euro. In der ambulanten Pflege stiegen die Sätze von 450 auf 468 Euro (Stufe I), von 1100 auf 1144 (Stufe II) und von 1550 auf 1612 Euro (Stufe III). Entsprechend erhöhte sich das Pflegegeld für pflegende Angehörige oder Freunde auf 244, 458 und 728 Euro. Künftig wird die Höhe der Pflegeleistungen alle drei Jahre überprüft und gegebenenfalls an die Preisentwicklung angepasst. Die nächste Erhöhung erfolgt somit frühestens 2018.

Erfahren Sie mehr über die neuen Pflegeleistungen und das Pflegestärkungsgesetz 1

Pflegestufen-Widerspruch

Der Widerspruch gegen die Ablehnung kann sich lohnen. Bei der Einordnung in eine Pflegestufe kommt es sehr auf die individuelle Einschätzung des jeweiligen Sachbearbeiters an. Bei mangelhafter Vorbereitung (siehe Pflegetagebuch) oder unzureichender Pflege-Beratung kommt es oft zu einer falschen Einordnung in eine Pflegestufe. Fast die Hälfte aller Widersprüche gegen die Ablehnung einer Pflegestufe ist erfolgreich.

Lesen Sie hier weiter und erfahren Sie mehr über den Pflegestufen-Widerspruch

Neue Pflegestufen ab 2017: Fünf Pflegegrade

Da Pflegebedürftige mit eingeschränkter Alltagskompetenz bisher nur unzureichende Leistungen erhielten, wurde lange eine Reform des Pflegestufen-Systems gefordert. Seit April 2014 wird ein neuer Begriff der Pflegebedürftigkeit und ein neues System der fünf Pflegegrade erprobt. Dieses System soll aber erst ab 2017 greifen. Der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff orientiert sich nicht mehr nach dem zeitlichen Pflegeaufwand. Entscheidender Maßstab soll in Zukunft der Grad der Selbständigkeit sein. Dieser soll durch sechs festgelegte Kriterien, denen jeweils ein fester Punktwert zugeordnet ist, bestimmt werden. Im neuen Begutachtungsassessment (NBA) werden nach Schwere der Beeinträchtigung in den Bereichen der Selbständigkeit Punkte vergeben. Mit ihnen wird dann anhand einer Skala von 0 bis 100 der Pflegegrad ermittelt. Anhand dieser Punkte wird der Pflegebedürftige in eine der fünf Pflegegrade eingeteilt. Dieses neue System wird in Probephasen bis 2015 durchgeführt und evaluiert. Die mögliche Leistungshöhe der fünf Pflegegrade ist noch nicht bekannt. Durch die Umstellung soll niemand schlechter gestellt werden, als vorher. Die Pflegebedürftigen, die bereits eine Pflegestufe haben, werden automatisch und ohne Antrag in einen neuen Pflegegrad eingestuft:

  • Pflegestufe 0 = Pflegegrad 1
  • Pflegestufe 1 = Pflegegrad 2
  • Pflegestufe 1 + Eingeschränkte Alltagskommpetenz = Pflegegrad 3
  • Pflegestufe 2 = Pflegegrad 3
  • Pflegestufe 2 + Eingeschränkte Alltagskommpetenz = Pflegegrad 4
  • Pflegestufe 3 = Pflegegrad 4
  • Pflegestufe 3 + Eingeschränkte Alltagskommpetenz = Pflegegrad 5
  • Härtefall = Pflegegrad 5

Leistungen in den Pflegegraden

Folgend eine Übersicht über die neuen Leistungen der Pflegekasse nach Pflegegraden laut dem Referentenentwurf des Bundesministeriums für Gesundheit / Stand: 22.06.2015. Diese Angaben können sich noch ändern.

Alle Leistungs-Angaben der Pflegegrade in € pro Monat:

   Pflegegeld    Pflegesachleistung  

    Tagespflege  

    Pflegeheim           
  
 Pflegegrad 1 
     
        --             125           --             125           

 Pflegegrad 2

         316             689          689             770           

 Pflegegrad 3

         545           1.298        1.298           1.262            

 Pflegegrad 4

         728           1.612        1.612           1.775            

 Pflegegrad 5

          901           1.995        1.995           2.005           

Mehr Informationen zu den fünf Pflegegraden

 

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