6 Tipps für die häusliche Pflege durch Angehörige

Die häusliche Pflege durch Angehörige zählt zu den häufigsten Pflegeformen in Deutschland. Laut dem Statistischen Bundesamts wurden im Jahr 2015 rund 70% aller Pflegebedürftigen ambulant versorgt, etwa 50% davon allein durch Angehörige.

Ein Unfall, eine plötzliche Erkrankung oder Alterserscheinungen können dazu führen, dass ein Senior zum Pflegefall wird. Hier sind es meist die nahen Angehörigen, die einspringen und die Betreuung des Verwandten übernehmen. Was aber gilt es bei der Vorbereitung der Pflege zu beachten? Welche Möglichkeiten der finanziellen Hilfe und Unterstützung existieren? Wie können Pflegende entlastet werden?

Wohnen-im-Alter hat die wichtigsten Informationen im Übersichtsratgeber zur häuslichen Pflege durch Angehörige zusammengefasst.


Vorbereitungen auf die häusliche Pflege durch Angehörige

Nicht immer wird ein Senior plötzlich zum Pflegefall. Häufig ist es ein langwieriger Prozess, in dem sich die Pflegebedürftigkeit immer deutlicher abzeichnet. In dieser Zeit ist es ratsam, sich auf die bevorstehende Situation vorzubereiten. Dazu zählt unter anderem auch, dass wichtige Entscheidung in der Familie besprochen und wenn möglich gemeinsam getroffen werden.

Tipp 1: Entscheidungen gemeinsam treffen

Kündigt sich ein Pflegefall an, sehen sich die Senioren wie auch deren nahen Angehörigen einer Vielzahl von Fragen gegenüber. Gleichzeitig bringen diese Fragen eine große Zahl von Entscheidungen mit sich, die getroffen werden müssen.

  • Wie soll die Versorgung im Pflegefall aussehen?
  • Ist eine Pflege im häuslichen Umfeld möglich?
  • Kann ein naher Angehöriger die Betreuung übernehmen oder soll eine externe Person damit betreut werden?
  • Ist eine Versorgung durch einen ambulanten Pflegedienst eine Option?
  • Was geschieht, wenn die gesundheitliche Situation sich kurzfristig verschlechtert?
  • Und wie soll die Pflege finanziert werden?

Unabhängig davon, ob die Pflegebedürftigkeit allmählich entsteht oder ganz plötzlich und unerwartet eintritt – die Frage nach der richtigen Pflege und Unterbringung der Betroffenen sollte in jedem Fall gemeinsam getroffen werden.

Dabei sollte nicht nur nach finanziellen Gesichtspunkten entschieden werden. Auch wenn die Betreuung im eigenen Zuhause durch die nahen Angehörigen kostengünstiger ist, als im Heim, ist die ambulante Pflege nicht immer eine Option. Auch das Wohnumfeld sowie die Lebensumstände sowohl die physische und psychische Belastbarkeit der nahen Angehörigen spielen eine Rolle.

Tipp 2: Wohnsituation des Pflegebedürftigen und Angehörigen festlegen

Ist die Entscheidung für eine Pflege im häuslichen Umfeld gefallen, stellt sich die Frage nach der Wohnsituation. Häufig entscheidet sich die Pflegeperson, mit dem Pflegebedürftigen unter einem Dach zu leben. Dies bietet viele Vorteile für alle Beteiligten. Einerseits ist der pflegende Angehörige vor Ort und muss keine Fahrtwege auf sich nehmen, um der Pflege nachzukommen, andererseits profitiert der Pflegebedürftige von dem Familienanschluss und der gewohnten Umgebung.

Allerdings sollte dabei auch auf die Eignung des häuslichen Umfeldes geachtet werden. So müssen häufig Umbauten vorgenommen werden, um die Barrierefreiheit und damit ein altersgerechtes Wohnen zu gewährleisten. Vor allem das Badezimmer und die Küche sind Orte, die einem Umbau bedürfen. Darüber hinaus können ein Treppenlift sowie Hilfsmittel wie ein Hausnotruf oder ein Pflegebett die Pflege enorm erleichtern.

Tipp 3: Pflegekurse in Anspruch nehmen

Die häusliche Pflege durch Angehörige bietet viele Herausforderungen. Um diese meistern zu können, ist Praxiswissen gefragt. Dazu zählen unter anderem folgende Bereiche:

  • Krankenbeobachtung
  • Verabreichen von Medikamenten
  • Rückenschonende Hebe-, Trage- und Legetechniken
  • Grundpflege (Körperhygiene, Unterstützung bei Toilettengängen, An- und Auskleiden)
  • Unterstützung bei der Nahrungsaufnahme
  • Hauswirtschaftliche Versorgung

Je nach Art der Pflegebedürftigkeit und eventuell vorhandenen Vorerkrankungen kommen zudem weitere Besonderheiten in der Pflege hinzu. Ist ein pflegebedürftiger Senior bettlägerig, so erfordert dies weiteres Wissen für die Pflegenden. Auch Demenz sowie Schmerzen können eine besondere Versorgung durch die Pflegeperson erfordern.

Um all diesen Anforderungen der häuslichen Pflege gerecht zu werden, kann die künftige Pflegeperson im Vorfeld einen Pflegekurs besuchen. Diese werden unter anderem von ambulanten Pflegediensten oder Pflegeheimen angeboten und von der Pflegekasse finanziert.


Online-Pflegekurse für die Pflege Angehöriger

Sie pflegen einen Angehörigen? Damit haben Sie eine verantwortungsvolle Tätigkeit übernommen, bei der wir Sie unterstützen möchten. Nutzen Sie die kostenlosen Online-Pflegekurse von curendo.

Online, jederzeit & kostenlos

Die für Sie kostenfreien Online-Pflegekurse "Grundlagen der häuslichen Pflege" und "Alzheimer & Demenz" enthalten alle wichtigen Informationen, die Ihnen auch ein Kursangebot vor Ort bietet. Nutzen Sie jedoch die Vorteile des Internets und besuchen Sie die Onlinekurse, wie es Ihre Zeit erlaubt.



Finanzielle Hilfen und Unterstützung für pflegende Angehörige

Die Pflege ist nicht nur zeitintensiv, sondern oft auch sehr teuer. Um sie möglichst gut bewältigen zu können, gibt es verschiedene Unterstützungsangebote, um die Pflegebedürftigen sowie die pflegenden Angehörigen zu unterstützen.

Tipp 4: Finanzielle Zuschüsse für die Pflege nutzen

Zur finanziellen Entlastung der Pflegebedürftigen und ihrer Angehörigen existieren verschiedene Zuschüsse, die zur Finanzierung der ambulanten Pflege in Anspruch genommen werden können. Dazu zählen:

  • Pflegegeld: Das Pflegegeld dient der Finanzierung der Pflege durch Angehörige. Diese finanzielle Leistung wird von der Pflegekasse an den Pflegebedürftigen ausgezahlt. Dieser kann das Pflegegeld dann an die Pflegepersonen weiterleiten als Anerkennung ihrer Bemühungen. Die Höhe des Pflegegelds hängt von der Schwere der Pflegebedürftigkeit und damit der Einordnung in einen Pflegegrad ab.

    Pflegegeld
    Pflegegrad 1 0,- €
    Pflegegrad 2 316,- €
    Pflegegrad 3 545,- €
    Pflegegrad 4 728,- €
    Pflegegrad 5 901,- €

  • Zuschüsse für Umbaumaßnahmen: Nur selten ist ein Wohnraum von Grund auf barrierefrei und für die häusliche Pflege geeignet. Daher sind häufig Umbauten nötig. Diese werden von der Pflegekasse mit bis zu 4.000€ abhängig von dem nötigen Umfang der Umbaumaßnahmen bezuschusst.

  • Hilfsmittel: Hilfsmittel wie Pflegebetten oder Gehwägen erleichtern den Pflegealltag erheblich. Diese werden auf Antrag durch die Pflegekasse bezuschusst. Wichtig ist dabei darauf zu achten, dass die jeweiligen Pflegehilfsmittel auch im Hilfsmittelkatalog verzeichnet sind, um eine Kostenübernahme auch tatsächlich sicherzustellen.

Tipp 5: Unterstützung für Pflegende annehmen

Auch für pflegende Angehörige existieren zahlreiche Unterstützungsmöglichkeiten. Diese sollen es den Familienmitgliedern ermöglichen, sich voll auf die Pflege konzentrieren zu können, ohne sich um Finanzen oder Beruf sorgen zu müssen.

Zu den Angeboten für die Pflegepersonen zählen:

  • Kurzzeitiger Sonderurlaub und Pflegeunterstützungsgeld: Tritt ein Pflegefall ein, haben die Familienangehörigen nicht immer das Glück, kurzfristig bezahlten Urlaub genehmigt zu bekommen. In diesem Fall kann eine Freistellung von bis zu 10 Tagen beantragt werden, die den Angehörigen des Pflegebedürftigen gesetzlich zusteht. Um auch in dieser Zeit finanziell abgesichert zu sein, werden pflegende Angehörige zusätzlich mit dem Pflegeunterstützungsgeld bezuschusst.

  • Pflegezeit: Das Pflegezeitgesetz garantiert Arbeitnehmern sich für die Dauer von bis zu 6 Monaten der Pflege des pflegebedürftigen Angehörigen zu widmen. In dieser Zeit genießen die Pflegepersonen zudem einen Kündigungsschutz. Damit ist es möglich, sich für die Dauer der Pflege eine Auszeit vom Beruf zu nehmen, ob Voll- oder Teilzeit ist dabei den Pflegepersonen überlassen. Allerdings wird die Pflegezeit nicht finanziell bezuschusst, sodass die Pflegepersonen in dieser Zeit auf ihr reguläres Gehalt verzichten müssen. Zudem besteht ein Anspruch auf Pflegezeit lediglich in Unternehmen mit mehr als 15 Mitarbeitern.

  • Familienpflegezeit: Reichen die 6 Monate der Pflegezeit nicht, so können diese mit der Familienpflegezeit auf bis zu 24 Monate ausgedehnt werden; so regelt es das Familienpflegezeitgesetz. In dieser Zeit muss die Pflegeperson allerdings mindestens 15 Stunden in der Woche für den Arbeitgeber tätig sein. Außerdem besteht der Anspruch lediglich in Unternehmen, die über 25 Mitarbeiter beschäftigen.

  • Renten-, Pflege- und Krankenversicherung: Um die soziale Absicherung der Pflegepersonen zu gewährleisten, werden die pflegenden Angehörigen auch an dieser Stelle von staatlicher Seite unterstützt. So übernimmt die Pflegekasse für die Dauer der Pflegezeit die Beiträge zur Rentenkasse, wenn sich der Pflegende für mindestens 10 Stunden in der Woche der Versorgung des Pflegebedürftigen widmet. Zudem übernimmt die Pflegekasse auch die Arbeitgeberzuschüsse zur Pflege- und Krankenkasse für die pflegenden Angehörigen. Auch in der Unfallversicherung sind Pflegepersonen kostenfrei versichert.

  • Zinsfreies Darlehen: Kann der befristete Verdienstausfall in Folge der Pflege eines Angehörigen nicht durch Ersparnisse abgefedert werden, so besteht die Möglichkeit beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben ein staatliches Darlehen aufzunehmen. Dieses ist zudem von Zinsen befreit.

Info

Lediglich nahe Angehörige haben nach dem Pflegezeitgesetz bzw. nach dem Familienpflegezeitgesetz einen Anspruch auf die Pflegezeit oder Familienpflegezeit. Im Gesetz werden folgende Familienmitglieder als nahe Angehörige definiert:

  • Ehepartner, Partner in einer eingetragenen Lebensgemeinschaft sowie Partner in einer eheähnlichen Beziehung
  • Leibliche Kinder sowie Adoptiv-, Pflege- und Stiefkinder und Kinder des Lebensgefährten
  • Eltern sowie Adoptiv-, Stief- und Schwiegereltern
  • Leibliche wie auch Adoptivgeschwister, Schwager und Schwägerin, Ehepartner bzw. Lebensgefährte der Geschwister sowie Geschwister der Lebensgefährten
  • Schwiegerkinder sowie Enkelkinder
  • Großeltern

Die Familienpflegezeit - Erklärfilm



Entlastungsangebote für die Pflegenden

Tipp 6: Ruhepausen einlegen und Hilfe in Anspruch nehmen

Die tägliche Pflege von Angehörigen verlangt der Pflegeperson viel Kraft ab. Neben dem anstrengenden Pflegealltag fordern oft noch Arbeit, Familie und Freude Aufmerksamkeit. Häufig führt dies dazu, dass die Pflegenden sich selbst vernachlässigen und die Zeit für die eigene Entspannung auf der Strecke bleibt.

Oft führt der Pflegealltag gerade in der Pflegezeit auch dazu, dass nicht nur das eigene Befinden, sondern auch das komplette Privatleben vernachlässigt wird. In der Folge fühlen sich die Pflegepersonen isoliert und einsam. Gleichzeitig werden viele Pflegende von schwerwiegenden Schuldgefühlen erdrückt, da sie stets das Gefühl haben, dem Pflegebedürftigen nicht gerecht werden zu können, wenn die Pflegeperson sich einmal frei nimmt. Auch den Freunden gegenüber besteht ein schlechtes Gewissen, da diese stets aufgrund der Pflege vernachlässigt werden.

Dies kann zu schwerwiegenden psychischen Erkrankungen führen. Daher sollte in dieser Situation eine psychologische Beratung in Anspruch genommen werden. Auch Selbsthilfegruppen für pflegende Angehörige können hilfreich sein.

Aus diesem Grund gibt es eine Vielzahl von Entlastungangeboten für die pflegenden Angehörigen. Dazu zählen Erleichterungen des Pflegealltags wie auch langfristigere Entlastungsmöglichkeiten. Pflegepersonen können beispielsweise folgende Angebote in Anspruch nehmen:

  • Alltagshelfer: ambulante Dienste wie Essen auf Rädern oder eine Haushaltshilfe nehmen dem Pflegenden alltägliche Aufgaben der hauswirtschaftlichen Versorgung ab. So kann sich die Pflegeperson besser auf die Zeit mit dem pflegebedürftigen Angehörigen konzentrieren.

  • Stundenweise Entlastung: Eine stundenweise Seniorenbetreuung wie auch Angebote der Teilzeitpflege machen es der Pflegeperson möglich, den eigenen Aufgaben nachzukommen oder sogar weiterhin einen Beruf auszuüben. Auch zum Krafttanken kann die freie Zeit wichtig sein.

  • Urlaub vom Pflegealltag: Erholung ist wichtig! Gerade im anstrengenden Pflegealltag kommen die eigenen Bedürfnisse oft zu kurz und nur selten bieten sich Verschnaufpausen, um wieder neue Kräfte zu sammeln. Hier kann das Angebot der Verhinderungspflege genutzt werden, um auch während des Urlaubs den pflegebedürftigen Angehörigen bestens versorgt zu wissen.

  • Urlaub mit Pflegebedürftigen: Auch Familienurlaube mit dem Pflegebedürftige können schön sein! Hierfür gibt es spezielle Pflegehotels, die es den pflegenden Angehörigen ermöglichen, auch mal abzuschalten und ganz den Urlaub zu genießen. Die Pflege eines pflegebedürftigen Angehörigen ist eine Mammutaufgabe, die selbst belastbare und stressresistente Menschen an ihre Grenzen bringt. Daher ist es für Pflegepersonen wichtig, auf Entlastungsangebote zurückzugreifen, um der Belastung langfristig standhalten zu können.

Tipp

Die Pflegepersonen tragen nicht nur die Verantwortung für den Pflegebedürftigen, sondern auch für sich selbst! Daher sollten diese auch die eigene Gesundheit und Regeneration achten und sich bei Überlastung entsprechende Hilfe holen.

Auch die Pflegebedürftigen selbst haben einen Nutzen von den Entlastungsangeboten. So profitieren sie von der Pflege der ausgeruhten Angehörigen, die sich mit vollen Kräften dem Pflegealltag widmen können.


Fazit

Die Pflege eines Angehörigen ist eine Mammutaufgabe für die Pflegepersonen, kann aber auch familiäre Bindungen stärken. Um der Aufgabe der Pflege eines pflegebedürftigen Angehörigen gerecht werden zu können, gibt es verschiedene Angebote für Pflegende. Dazu zählen Pflegekurse, wie auch die Pflegezeit bzw. Familienpflegezeit und finanzielle Unterstützungsmöglichkeiten wie das Pflegegeld.

Nichtsdestotrotz sollten die Pflegepersonen darauf achten, dass auch das eigene Leben sowie die eigene Gesundheit nicht zu kurz kommen und Entlastungsangebote in Anspruch nehmen.

Hat Ihnen der Artikel gefallen?