Pflege durch Angehörige

Entscheidung für Pflege gemeinsam treffen

Die Entscheidung darüber, ob und durch wen ein Angehöriger gepflegt werden soll, fällt den meisten Menschen sehr schwer.  Unabhängig davon, ob die Pflegebedürftigkeit allmählich entsteht oder ganz plötzlich und unerwartet eintritt – die Frage nach der richtigen Pflege und Unterbringung der Betroffenen sollte in jedem Fall gemeinsam getroffen werden. Dabei darf nicht allein danach entschieden werden, welche finanziellen Gesichtspunkte zu berücksichtigen sind. Die Pflege eines nahen Angehörigen kann sowohl psychisch als auch physisch sehr belastend sein und die Pflegeperson schnell an ihre persönlichen Grenzen bringen. Aus diesem Grund sollten Sie sich vor der Pflege eines Angehörigen fragen, welche Motive Sie dafür haben und ob Sie der Belastung auch dann noch standhalten können, wenn sich der Zustand der betroffenen Person verschlimmert.

Die neue Wohnsituation

Häufig entscheiden sich die pflegenden Angehörigen, mit der pflegebedürftigen Person unter einem Dach zu leben. Welche Wohnlösung dabei für alle Beteiligten am besten ist, sollte vor einem möglichen Umzug ausführlich und gemeinschaftlich besprochen werden. Damit das Miteinander von Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen funktioniert, müssen auch die wohnlichen Voraussetzungen stimmen. Eine altersgerechte Umgebung erleichtert die Situation für alle. Dazu gehören auch die notwendigen (Pflege-)Hilfsmittel und möglichst barrierefreie Wohnräume.

Hilfe in der Übergangsphase

Um den Übergang in die neue Situation besser meistern zu können, haben die Angehörigen die Möglichkeit bis zu 6 Monate Pflegezeit in Anspruch zu nehmen. In dieser Zeit können alle wichtigen Änderungen und Umbauten vorgenommen und der Alltag neu organisiert werden. Gerade in der Anfangszeit sind unabhängige Berater zu allen Fragen rund um das Thema Pflege eine große Hilfe. Umfangreiche Unterstützung erhalten die Betroffenen zum Beispiel bei einem Pflegestützpunkt oder Pflegedienst in ihrer Nähe.

Pflegekurse

Als Vorbereitung auf die Pflege einer nahestehenden Person ist die Teilnahme an einem Pflegekurs unbedingt empfehlenswert. Die Pflegekassen bieten hierfür unentgeltliche Schulungen an, in denen alles Wissenswerte zum Thema „Pflege zu Hause“ erlernt und eingeübt werden kann: z.B. elementare Kenntnisse in der Krankenbeobachtung, die richtigen Handgriffe, Einsatz von Pflegemitteln und nicht zuletzt rückenschonendes Heben und Tragen. Der Pflegekurs hat das Ziel, die häusliche Pflege zu erleichtern und den Angehörigen das dafür nötige Basiswissen mitzugeben. Auf Anforderung erhalten Sie einen Berechtigungsschein für eine Schulung oder einen Kurs von Ihrer Pflegekasse. Zudem halten die Kassen eine Liste mit möglichen Institutionen bereit, die entsprechende Pflegekurse anbieten.

Entlastung bei der Pflege suchen

Um den hohen Anforderungen auf Dauer Stand zu halten, sollten pflegende Angehörige sich unbedingt nach Möglichkeiten zur Unterstützung erkundigen. Die Pflegeversicherung bietet zu diesem Zweck eine ganze Reihe von entlastenden Diensten an, zum Beispiel ambulante Pflegedienste, Haushaltshilfen oder „Essen auf Rädern“. Darüber hinaus gibt es auch an anderer Stelle zahlreiche Möglichkeiten, sich unentgeltlich unterstützen zu lassen: Häufig gibt es in den Gemeinden oder gemeinnützigen Vereinen ehrenamtliche Helfer, die Sie bei der Betreuung und Pflege Ihrer Angehörigen unterstützen können. Auch Familienmitglieder, Bekannte oder Nachbarn lassen sich für kleine Hilfsdienste in die Pflege mit einbeziehen. Unterstützung finden Sie auch in Selbsthilfegruppen für pflegende Angehörige oder anderen sozialen Netzwerken vor Ort. Auch im Internet gibt es ein vom Familien-Bundesministerium gefördertes Projekt welches Hilfe bei Überforderung und Burn-Out bei Pflegenden bietet. Die Online-Beratung auf www.pflegen-und-leben.de hat schon vielen Pflegenden geholfen.

Ersatzpflege in Anspruch nehmen

Wenn Sie selbst als Pflegeperson vorübergehend verhindert sind, übernimmt die Pflegekasse für vier Wochen pro Kalenderjahr die Kosten einer notwendigen Ersatzpflege. Voraussetzung dafür ist, dass Sie Ihren Angehörigen vor der ersten Inanspruchnahme der Ersatzpflege bereits mindestens 6 Monate zu Hause gepflegt haben. Wenn der Pflegebedürftige während Ihrer Auszeit in der gewohnten Umgebung bleiben möchte, kann eine beliebige Person seines Vertrauens die Ersatzpflege übernehmen. Es kann aber auch ein ambulanter Pflegedienst in Anspruch genommen werden. Eine weitere Möglichkeit ist, dass die Ersatzpflege in einem Alten- oder Pflegeheim durchgeführt wird.

Checkliste Pflege eines Angehörigen:

Bevor Sie sich dafür entscheiden, die häusliche Pflege eines Angehörigen zu übernehmen,
sollten Sie sich ehrlich klarmachen, welche Motive Sie dafür haben und ob diese Motive es Ihnen erlauben, auch eine belastende Pflege als bereichernd zu empfinden.
Unsere Checkliste soll Ihnen dabei helfen, Ihre persönliche Motivation zu beleuchten:

  • Verbindet Sie mit dem Pflegebedürftigen eine liebevolle, fürsorgliche und von Dankbarkeit
    geprägte Beziehung?

  • Gibt es Zusagen aus „gesunden“ Zeiten, zu deren Einlösung Sie sich verpflichtet fühlen?
    Fühlen Sie sich aus traditionellen oder familiären Gründen dazu verpflichtet, die Betreuung Ihres Angehörigen selbstständig zu übernehmen?

  • Hatten Sie zu dem Menschen, dessen Pflege Sie übernehmen wollen, immer eine gute Beziehung? Ist diese Beziehung auch heute noch frei von tiefgreifenden Konflikten?

  • Befürchten Sie, auf Außenstehende wie Familienangehörige, Bekannte und Nachbarn einen schlechten Eindruck zu machen, wenn Sie eine Heimpflege wählen würden?

  • Wünschen Sie sich Anerkennung für Ihren Einsatz als Pflegeperson?
    Wird die Wertschätzung durch Ihnen wichtige Personen für Sie steigen, wenn Sie die Pflege übernehmen?

  • Haben Sie ein schlechtes Gewissen oder das Gefühl zu sündigen, bei dem Gedanken,
    den Betroffen in die Heimpflege zu geben?

  • Neigen Sie dazu, Ihre eigenen Bedürfnisse hinter den Nöten anderen zurückzustellen? Ist es Ihnen wichtig, sich zunächst um andere zu kümmern?

  • Ist die betroffene Person selbst in der Lage, Ihre Hilfe dankbar anzunehmen?
    Ist der Pflegebedürftige sich seiner veränderten Lebenssituation bewusst?

  • Stellen Sie selbst hohe Anforderungen an sich und Ihre Fähigkeit, Schwierigkeiten zu bewältigen?

  • Gibt es noch andere Gründe dafür, die Pflege zu übernehmen?
    Zum Beispiel, weil kein Heimplatz vorhanden oder nicht finanzierbar ist?


Um sich auf die neue Situation umfassend vorzubereiten und die richtige Entscheidung zu treffen, sollten Sie sich diese Fragen ehrlich beantworten. Es gibt viele gute Gründe, die häusliche Pflege einer nahestehenden Person zu übernehmen, man sollte sich aber über die eigene Motivation dafür im Klaren sein.

Lesen Sie hier weiter und erfahren Sie mehr über die Familienpflegezeit.


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