Neues Begutachtungsassessment (NBA): Prüfverfahren & Ermittlung der Pflegegrade

Anhand des neuen Begutachtungsassessments (NBA) wird nach dem erstmaligen Antrag auf einen Pflegegrad der Grad der Selbstständigkeit ermittelt. Dies wird von einem Gutachter des MDKs (Medizinischer Dienst der Krankenversicherung) bzw. von MEDICPROOF (Medizinischer Dienst der Privaten) persönlich überprüft.

Die Alltagskompetenz bzw. Selbstständigkeit wird anhand von sechs Lebensbereichen und zwei zusätzlichen Bereichen erfasst. Diese sogenannten Module werden bei der Bewertung der Alltagskompetenz unterschiedlich gewichtet. So wird beispielsweise der Bereich "Selbstversorgung" mit 40 % gewichtet, der Bereich "Mobilität" hingegen mit 10 %.

Des Weiteren wird bei Modul 2 und 3 geprüft, welcher Bereich eine höhere Punktewertung hat. Das Modul mit der höheren Punktzahl fließt mit 15 % Gewichtung in die Berechnung der Alltagskompetenz mit ein.

Ermittlung der Pflegegrade

Die Module des Neuen Begutachtungsassessments (NBA)

Je mehr Punkte der Antragsteller erhält, desto höher fällt der Pflegegrad aus und umso mehr Leistungen erhält der Pflegebedürftige.

Die Bereiche, in denen auf Alltagskompetenz überprüft wird, lassen sich in sechs Modulen darstellen:

  • 1. Modul: Mobilität (10%)
    Körperliche Beweglichkeit allgemein, z.B., ob die Person allein aufstehen und vom Bett ins Badezimmer gehen kann oder ob sie sich selbständig im Wohnbereich fortbewegen und Treppensteigen kann. Positionswechsel im Bett, stabile Sitzposition halten sowie Aufstehen und Umsetzen gehören auch zum Modul Mobilität.

  • 2. Modul: Kognitive und kommunikative Fähigkeiten (15% )
    Allgemein Verstehen und Reden, z.B., ob die Person sich zeitlich und räumlich orientieren kann, ob Sachverhalte verstanden werden und Personen aus dem näheren Umfeld erkannt werden, Risiken erkennen und sich an Gesprächen beteiligen, Entscheidungen im Alltagsleben treffen, elementare Bedürfnisse mitteilen sowie Aufforderungen verstehen.

  • 3. Modul: Verhaltensweisen und psychische Problemlagen (15% )
    Unter anderem nächtliche Unruhe oder Ängste und Aggressionen, die für die pflegebedürftige Person und andere belastend sind, Abwehr pflegerischer Maßnahmen, depressive Stimmung, aggressives und auch selbstschädigendes Verhalten.

  • 4. Modul: Selbstversorgung (40 %)
    Körperpflege, Ernährung, Selbstständiger Toilettengang, Harninkontinenz, Stuhlinkontinenz

  • 5. Modul: Bewältigung von und selbstständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen (20%)
    Selbstständige Medikation, Blutzuckermessungen selbst durchzuführen und deuten, selbstständige Arztbesuche oder Besuche anderer therapeutische bzw. medizinischer Einrichtungen, Umgang mit Hilfsmittel wie Rollator oder Prothesen.

  • 6. Modul: Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte (15%)
    Selbstständige Gestaltung des Tagesablaufs und Anpassung von Veränderungen, mit anderen Menschen in direkten Kontakt zu treten oder die Skatrunde ohne Hilfe zu besuchen/ Kontaktpflege, in die Zukunft gerichtete Planung übernehmen, sich im Alltag beschäftigen.

Die Module sieben (Außerhäusliche Aktivitäten) und acht (Haushaltsführung) gehören streng genommen auch noch zum NBA, welche allerdings nicht in die Einstufung der Pflegebedürftigkeit einbezogen werden, sondern vielmehr Pflegekräften dienen sollen eine individuellere Pflegeplanung zu ermöglichen.

Gewichtung der Module

Welche Personen erhalten einen Pflegegrad?

  • Pflegebedürftige, die seit 2017 erstmalig den Antrag auf Pflegeleistungen bei der Pflegekasse stellen. Erstmalige Antragsteller werden nach dem neuen Prüfverfahren NBA persönlich begutachtet.

  • Pflegebedürftige, die bereits vor 2017 eine anerkannte Pflegestufe (0, 1, 2, 3) hatten, wurden nicht neu begutachtet. Sie wurden folgendermaßen in die neuen Pflegegrade eingeordnet: Umstellung der Pflegestufen in Pflegegrade

Bei der Umstellung von Pflegestufe auf Pflegegrad wurde niemand schlechter gestellt. Es galt der sogenannte Bestandschutz.


Wichtige Infos:

  • Pflegebedürftige, die bereits eine Pflegestufe hatten, wurden nicht erneut begutachtet.

  • Die Pflegebedürftigen mit Pflegestufen wurden automatisch in einen Pflegegrad eingestuft, dabei erhielt beispielweise ein Pflegebedürftiger mit Pflegestufe 1 automatisch Pflegegrad 2.

  • Pflegebedürftige, die zusätzlich eine eingeschränkte Alltagskompetenz bescheinigt hatten, wurden automatisch in einen zwei Stufen höheren Pflegegrad eingestuft, beispielweise von Pflegestufe 1 mit eingeschränkter Alltagskompetenz in Pflegegrad 3.



Die Kriterien für einen Pflegegrad

Im neuen Begutachtungsassessment (NBA) werden nach Schwere der Beeinträchtigung in den Bereichen der Selbständigkeit Punkte vergeben. Mit ihnen wird dann mittels einer Skala von 0 bis 100 der Pflegegrad ermittelt. Anhand dieser Punkte erfolgt die Einteilung der Pflegebedürftigen in eine der fünf Pflegegrade. Dabei entspricht immer eine gewisse Spanne von Punkten einem Pflegegrad:



Antrag auf Pflegegrad bei der Pflegekasse stellen

Die Leistungen der Pflegekasse werden bei Bewilligung des Pflegegrades ab dem Zeitpunkt der Antragstellung gewährt, weshalb der Pflegegrad zeitnah beantragt werden sollte. Rückwirkende Leistungen werden nicht vergeben.

Nach Antragstellung des Pflegegrades kommt der MDK bzw. MEDICPROOF zu Besuch, um den Pflegebedürftigen zu begutachten. Anhand dieses Gutachtens entscheidet die Pflegekasse über den Pflegegrad.

Hinweis: Es ist sinnvoll sich für den MDK Besuch vorzubereiten. Ein Pflegetagebuch, in das alle Pflegemaßnahmen und deren zeitlicher Aufwand eingetragen werden, kann die Begutachtung erleichtern.


Tipp

Durch eine Pflegegradberatung kann ganz einfach und unkompliziert der richtige Pflegegrad beantragt oder einen fehlerhaften Pflegegrad überprüft oder widersprochen werden.




Fazit

Mit dem neuen Prüfverfahren NBA wird der Grad der Selbstständigkeit einer pflegebedürftigen Person ermittelt und anhand der Punkte einem Pflegegrad zugewiesen.

Der Pflegegrad bestimmt, welche Leistungen der Pflegebedürftige von der Pflegekasse erhält. Der Antrag auf einen Pflegegrad sollte schnellstmöglich erfolgen, da es keinen Anspruch auf rückwirkende Leistungen gibt.




Weiterführende Informationen

Hat Ihnen der Artikel gefallen?